photovoltaik Ausgabe: 09-2014

Eine ganz neue Klasse

Ex-Formel-1-Fahrer Jarno Trulli testet den neuen batteriebetriebenen Spark-Renault SRT 01E. Auch andere ehemalige Formel-1-Piloten wie Nick Heidfeld sind bei der Formel E mit dabei.

Ex-Formel-1-Fahrer Jarno Trulli testet den neuen batteriebetriebenen Spark-Renault SRT 01E. Auch andere ehemalige Formel-1-Piloten wie Nick Heidfeld sind bei der Formel E mit dabei.

Formel E — In diesem Monat startet zum ersten Mal die Weltmeisterschaft in der Klasse der Elektrorennwagen. Bis Juni rasen die batteriebetriebenen Boliden durch zehn Metropolen weltweit. Los geht es in Peking. Berlin wird auch dabei sein.  William Vorsatz

Grauer Asphalt auf einer Fläche, so groß wie 30 Fußballfelder – das ist der Ort, an dem Berlin seinen Teil zur Geschichte beitragen will. Es ist die Geschichte der Formel E. Eine neue Geschichte. Sie beginnt in diesem Monat in Peking. Dort findet das erste Rennen in einer völlig neuen Klasse statt. Bei der Formel E werden sich die besten Teams weltweit mit rein elektrisch angetriebenen Boliden messen. Im Mai des kommenden Jahres wollen sie dann auch über das Tempelhofer Feld in Berlin rasen.

Mit dem 235.000 Quadratmeter großen Vorfeld bietet der ehemalige Flughafen Tempelhof genügend freie Fläche für den drei Kilometer langen Parcours. Zum Rennen stellt der lokale Veranstalter, die Tempelhof Projekt GmbH, mobile Bauten auf, um den denkmalgeschützten Standort nicht zu beschädigen. Diese können nach dem Event einfach entfernt werden. So ist das Rennen in Berlin nicht nur emissions-, sondern komplett rückstandsfrei.

Laden mit Ökostrom

„Seit 2009 ist das historische Gebäudeensemble Schauplatz zahlreicher ganz unterschiedlicher Veranstaltungen“, erklärt Gerhard Steindorf, Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH. „Das Flughafengebäude dient immer wieder als spektakuläre Bühne für die Präsentation innovativer Technologien und Ideen. Die Spannung entsteht aus dem Miteinander von Geschichte und Zukunft. Die Formel E ist etwas vollkommen Neues und Zukunftsweisendes. Sie passt damit perfekt in unsere Vorstellung, wie dieser weltweit einzigartige Ort kreativ genutzt wird.“

Zu dem Rennen im Mai 2015 auf dem Tempelhofer Feld erwartet der Veranstalter rund 30.000 Besucher. Dann werden auch schon Erfahrungen aus den vorangegangenen Rennorten vorliegen. Denn los geht es schon am 13. September mit dem Auftakt in Peking.

Die Formel E ist eine neue Meisterschaft der Fédération Internationale de l’Automobile (FIA), des internationalen Dachverbands der Autoindustrie und der Autofahrer. Die FIA hat über 150 nationale Mitgliedsorganisationen in 118 Ländern und damit rund 100 Millionen Mitglieder. Aus Deutschland gehören der ADAC und der AvD dazu. Die FIA ist auch Dachorganisation des weltweiten Automobilsports und veranstaltet unter anderem die Weltmeisterschaften der Formel 1, die Rallye- und die Tourenwagen-Weltmeisterschaft. Damit steht auch für die Formel E ein mächtiger und hoch professionell agierender Veranstalter bereit, der die neue Rennserie mitfinanziert. Ziel ist es, den Rennsport mit Elektrofahrzeugen ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Das Interesse und auch Investitionen in Elektromobilität und nachhaltiges Autofahren sollen dadurch langfristig gefördert werden.

Dazu finden die zehn Rennen jeweils in den Stadtzentren von Metropolen statt. Rennen wie die Formel 1 sind aus diesen Zonen längst verbannt. Zu laut, zu schmutzig, zu gefährlich. Mit der Formel E kehrt der Rennzirkus zurück in die Innenstädte. Denn die E-Boliden sind abgasfrei und leise. „Der Reiz ist die neue Technologie, die nachhaltig ist, aber auch Spaß macht“, sagt Gernot Lobenberg, Leiter der Berliner Agentur für Elektromobilität. Geladen werden die Batterien in Berlin mit Ökostrom. Etwa 80 Dezibel erreichen die Wagen. Die Geräusche werden von dem Elektromotor und der Mechanik erzeugt. Dazu kommen die Reifen- und die Windgeräusche. Zum Vergleich: Ein herkömmliches Straßenauto bringt es auf 70 Dezibel. Zehn Teams mit je zwei Fahrern nehmen an den rund einstündigen Rennen teil. Die Formel-E-Rennboliden erreichen Geschwindigkeiten von mehr als 220 Kilometern pro Stunde.

Am Samstag, den 13. September, ist es so weit. Das mit großer Spannung erwartete erste Rennen startet in Peking. Der Kurs führt über öffentliche Straßen rund um das als „Vogelnest“ bezeichnete Nationalstadion und besteht aus 20 Kurven. Die Strecke ist mit 3,44 Kilometern die längste im Kalender der Formel-E-Saison 2014/2015. Vier Schikanen werden für reichlich Überholmanöver sorgen.

Neue Modelle

Alle zehn Teams der Debüt-Saison müssen mit demselben Fahrzeugtyp starten, einem Spark-Renault SRT 01E. Der Elektrorenner kommt aus der französischen Rennwagenschmiede Spark Racing Technology. Mitgebaut hat ihn ein Konsortium führender Unternehmen im Motorsport. Das Chassis aus Kohlefaser und Aluminium beispielsweise stammt von dem italienischen Unternehmen Dallara, das über 40 Jahre Erfahrungen im Motorsport sammeln konnte. Den elektrischen Antrieb liefert McLaren Electronic Systems zu. Die Batterien kommen von Williams Advanced Engineering. Die Leistung der Rennwagen ist auf 200 Kilowatt begrenzt. Um der Philosophie der Nachhaltigkeit gerecht zu werden, fahren die Wagen nicht auf Slick-Reifen wie etwa bei der Formel 1. Auf den Rädern sitzen Allradreifen von Michelin. Der Autobauer Renault schließlich beaufsichtigt die Integration aller Systeme des Spark-Renault SRT 01E.

Ab der nächsten Saison soll es allerdings kein Einheitsauto mehr geben. Auch andere Hersteller können dann ihre E-Renner für die Meisterschaft zulassen. Sie müssen ihre Modelle jedoch bei Bedarf auch mindestens zwei weiteren überlassen. Die Firma Bluebird arbeitet nach eigenen Angaben bereits an einem eigenen Fahrzeug. Damit soll später das Bluebird-Team fahren. Außerdem will das britische Unternehmen aber bis zu 16 Fahrzeuge für Fremdteams bauen.

Bei der jetzigen Saison entscheidet erst einmal allein das Können der Fahrer, na gut, vielleicht auch noch ein wenig das Glück. Pro Team gibt es zwei Fahrer und vier Autos. Dazu kommen je zwei, drei Ingenieure, vier Mechaniker und ein Teamchef. Jedes Team hat eine Budget-Obergrenze von 2,2 Millionen Euro für das operative Geschäft. Das ist wenig gegenüber dem, was die Formel 1 verschlingt. Mit der wollen die FIA-Verantwortlichen aber sowieso nicht konkurrieren.

Berlin hatte früher die Avus mit ihren legendären Rennen. Die Stadt freut sich, jetzt wieder im Rampenlicht eines großen Autorennens zu stehen. Dass es dabei auch noch elektrisch angetrieben durch die Stadt geht, macht die Tour besonders attraktiv.

Kein Strom von Berliner Dächern

„Berlin als internationale Stadt und Leitmetropole der Elektromobilität eignet sich hervorragend als Austragungsort für die Formel E“, erklärt Cornelia Yzer, Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung. „Die Formel E wird weitere Menschen für die Elektromobilität begeistern.“ Dieser Meinung ist auch Alejandro Agag, CEO der Formel E. „Mit mehr als 1.200 Elektroautos und 220 öffentlichen Ladestationen, die jetzt schon in Betrieb sind, ist Berlin Wegbereiter für Innovationen und nachhaltige Mobilität in Europa.“ Auch deshalb habe die FIA Berlin als einen der Austragungsorte gewählt. Dass der regenerative Ladestrom noch nicht nennenswert von Berliner Solardächern kommt, wird nicht erwähnt. Hier muss Berlin noch ein paar Hausaufgaben machen.

http://www.fiaformulae.com

Literatur

Fussnoten

  • Am E-Boliden für die erste Saison der Formel E haben namhafte Firmen des Rennsports mitgeschraubt.

  • Der brasilianische Rennfahrer Lucas di Grassi erntet bei einer Vorabtour mit dem Elektroflitzer in Berlin gehörigen Beifall. Die Klone des Spark-Renault SRT 01E werden im Frühling über das Tempelhofer Feld rasen.

  • Am 13. September wird Peking die erste Metropole sein, in der die Fornmel-E-Renner auf die Piste gehen.

  • Die Fahrer müssen sparsam mit der Batterieenergie umgehen. Dazu muss ein neuer Fahrstil her.

Grafik oben: iStock/Ecelop/GreenTomato

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