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40 Jahre nach Tschernobyl – Ihre Hilfe wirkt!

Schon vier Jahrzehnte liegt der Super-Gau im Reaktor 4 des Atomkraftwerks von Tschernobyl zurück und ist dennoch gegenwärtig: Denn noch immer brennt das nukleare Magma im zerstörten Kern des Reaktors, brennt und glüht und strahlt, verborgen unter der Schutzhülle des Sarkophags.

Rund 300 Milliarden US-Dollar musste die Sowjetunion zwischen dem 26. April 1986 und ihrem Untergang im Dezember 1991 aufbringen, um das unvorstellbare Desaster irgendwie in den Griff zu bekommen. Hunderttausende wurden entwurzelt, wurden zwangsweise umgesiedelt – nicht nur in der Nordukraine, auch in Weißrussland.

Video-Podcast: So schaffen wir 100 Prozent Erneuerbare – ein Gespräch mit Dr. Franz Alt

Krieg um Erdgas, Öl und Uran

Noch heute ist Tschernobyl ein schwerer Klotz für die Ukrainer. Tausende starben an Verstrahlung und Krebs, sterben bis heute. Die Zahl der Missbildungen bei Kindern in der Ukraine ist dramatisch angestiegen.

Daran kann auch der Sarkophag nichts ändern, den die Europäische Union zwischen 2010 und 2016 gebaut hat – für weitere zwei Milliarden Euro. Am 14. Februar 2024 traf eine russische Kampfdrohne die Schutzhülle. Zwar wurde der Brand schnell gelöscht, aber seitdem klafft ein großes Loch.

Tschernobyl erneut auf der Tagesordnung

Putins Krieg gegen die Ukraine ist ein Krieg um Erdgas, Öl und vor allem Uran. Die Invasion durch russische Truppen hat Tschernobyl auf neue Weise auf die Tagesordnung gesetzt. Denn die Eroberer nutzen die Atommeiler, um das gepeinigte Land und die Welt zu erpressen.

Aus Tschernobyl wurden die Angreifer vertrieben. Doch in Saporischschja haben sich die Russen eingegraben, halten Teile der Belegschaft als Geiseln. Sie stehlen den Atomstrom, den sich in die besetzten Gebiete leiten.

Dr. Franz Alt: Solarstrom ist Sozialstrom!

Atomstrom als Beute

Atomstrom als Beute des modernen Krieges; Stromnetze, Umspannwerke, Gasleitungen und Heizwerke als Ziele eines barbarischen Vernichtungsfeldzugs gegen die ukrainische Bevölkerung: Der Krieg an Europas Ostgrenze zeigt, dass die fossil-nukleare Energieversorgung in höchstem Maße verletzlich ist – dass sie die Zerstörungswut der Aggressoren begünstigt. „Die Energieversorgung in der Ukraine ist zusammengebrochen“, berichtet Marina Abramian von Greenpeace in Kiew. „Nach jedem Angriff versuchen unsere Techniker verzweifelt, die Versorgung wieder herzustellen.“

Manchmal dauert es eine Woche oder länger, um die Stromversorgung neu anzuschließen. Nun rächt sich, dass Versorgung in der Ukraine stark zentralisiert ist. 43 Prozent der Atomkraftwerke sind nicht verfügbar, Saporischschja ist das größte AKW im Land, fest in russischer Hand. Mehr als die Hälfte der Wasserkraft ist zerstört, ebenso mehr als die Hälfte der Hochspannungsleitungen.

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Umdenken durch harte Brutalität

Die harte Brutalität des Krieges bringt viele Menschen zum Umdenken. War es bisher völlig normal und selbstverständlich, Energie aus Uran, Diesel oder Erdgas zu gewinnen, rückt nun Solartechnik als zuverlässige Alternative in den Blick. „Wir haben damit begonnen, Heizzelte und Krankenhäuser mit Sonnenstrom und Batterien auszustatten“, erzählt Polina Kolodiazhna von Greenpeace. „Dort kommen wir ohne Diesel aus. Dort treffen sich die Menschen, um Atem zu holen, sich auszutauschen und einen heißen Tee zu trinken.“

Der Winter ist vorbei – einer der eisigsten Winter seit Jahrzehnten. Nun lockt der Frühling, verschafft wenigstens etwas Linderung. Aber die Angriffe gehen weiter, Stromnetze und Kraftwerke bleiben zerstört.

Website von Greenpeace in der Ukraine (Englisch)

Mit der Sonne steigt Hoffnung

Doch mit der Sonne steigen neue Hoffnungen: „Immer mehr Krankenhäuser erkennen, dass sie sich mit Solarstrom und Batterien unabhängig machen und obendrein erhebliche Energiekosten sparen können“, urteilt Polina Kolodiazhna. „Das ist ungeheuer wichtig für die Energiewende in unserem Land.“

So wurden auf dem Dach eines Hospitals in Chortkiv in der Westukraine 50 Kilowatt Solarmodule installiert. Die Anlage liefert 30.000 Kilowattstunden im Jahr für den Kreißsaal und Neugeborene mit ihren Müttern. Weitere 17.000 Kilowattstunden versorgen die Abteilung für Infektionskrankheiten.

Mittlerweile werden rund 70 Prozent des Strombedarfs des Krankenhauses mit Sonnenstrom gedeckt. „Im Jahr spart das Hospital rund 470.000 Hrywnja“, rechnet Greenpeace-Expertin Marina Abramian vor. 1.000 Hrywnja entsprechen etwa 20 Euro. Größere Krankenhäuser können bis zu einer Million Hrywnja sparen – 50.000 Euro. Jedes Jahr, wohlgemerkt.

Website der Biohaus-Stiftung

Stationen der Unbesiegbarkeit

Im Laufe des vergangenen Jahres haben Greenpeace und die Biohaus-Stiftung aus Paderborn ihre Hilfsprogramme intensiviert. Dank zahlreicher Spenden wurden mehrere Solardächer auf Krankenhäusern installiert. Durch die Speichersysteme sind dringende Operationen und die Versorgung der Patienten nicht mehr vom Stromnetz abhängig.

Putins Versuch, das Land zu erwürgen, läuft ins Leere. „Wir nennen diese Solarinseln Stationen der Unbesiegbarkeit", berichtet Polina Kolodiazhna. „Die Menschen erkennen, welchen besonderen Wert die Energiewende für ihr tägliches Leben hat."

Hilfstransporte auf den Weg gebracht

Seit Jahresbeginn sind vier Transporte von Paderborn abgegangen, um Solarmodule, Wechselrichter, Kabel, Untergestelle und Speicherakkus gen Osten zu bringen. Mehr als hundert ukrainische Krankenhäuser stehen auf der Warteliste. Sie und die Trägerkommunen beteiligen sich an der Finanzierung, warten dringend auf die Solartechnik.

Die Montage erfolgt durch erfahrene Installateure vor Ort. Greenpeace hat 2025 damit begonnen, Ukrainerinnen als Solarteurinnen auszubilden. Auch sie bringen die Solaranlagen auf die Dächer. „2026 wollen wir mindestens zwölf Krankenhäuser ausstatten“, gibt Willi Ernst von der Biohaus-Stiftung einen Ausblick. „Dafür brauchen wir dringend Geldspenden. Wenn es mehr Spenden werden, schicken wir mehr als zwölf Anlagen."

Rund 150.000 Euro benötigt

Insgesamt 150.000 Euro werden dafür benötigt, rund 20.000 kamen bislang zusammen. Die Biohaus-Stiftung ist als gemeinnützig ankerkannt, sie stellt steuerlich abzugsfähige Spendenquittungen aus.

Das Geld dient zum Kauf der Technik und finanziert die Transporte per Spedition. „Jeder Transport kosten zwischen 5.000 und 6.000 Euro", rechnet Willi Ernst vor, der selber auf den Gabelstapler steigt, um die LKW zu beladen.

Der jüngste Transport ging vor zwei Wochen auf die Piste. Jedes Kilowatt Solartechnik in der Ukraine ist Ausdruck des Wandels, zeigt den unbedingten Willen der Menschen, Putin die Stirn zu bieten.

Ihre Spende wirkt – unmittelbar vor Ort

Ihre Spende wirkt, vor Ort und unmittelbar! 40 Jahre Tschernobyl sind vielen Medien Anlass genug, die Historie des Unglücks neu ins Gedächtnis zu rufen. Das ist wichtig und notwendig.

Doch wichtiger erscheint mir, den Wandel in der Ukraine zu stärken, den Widerstand gegen Putins Krieg. Das Zeitalter der fossil-nuklearen Energien läuft ab, das Solarzeitalter hat begonnen – auch in der Ukraine. Helfen Sie mit! Ihre Spende für die Biohaus-Stiftung kommt an und rettet Leben. Dafür meinen Dank.

Spendenkonto der Biohaus-Stiftung:

GLS Gemeinschaftsbank eG

IBAN: DE16 4306 0967 4092 8583 00

BIC: GENO DE M 1 GLS

Stichwort: Solar4Ukraine

Wenn Sie Fragen haben oder Ideen, das Projekt anderweitig zu unterstützen, wenden Sie sich bitte an Willi Ernst, unter dieser E-Mail: willi.ernst@biohaus-stiftung.org

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