Maskierte Frauen in Käfigen: Bis auf den Firmenchef weiß am Messestand niemand, was eigentlich das Thema des Messeauftritts ist und welche Neuheiten zu sehen sind. Elchköpfe, die darauf hindeuten sollen, dass das Unternehmen aus Schweden kommt. Wofür es steht und was es tatsächlich anbietet, erfährt man nicht.
The smarter E Europe: Innovationen vor der Linse
Auf den Messeständen der Smarter E Europe konnte und kann man einiges sehen. Damit in den Köpfen der Besucher die richtige Botschaft hängenbleibt, sollte man sich vorher folgendes überlegen:
- Wen wollen Sie ansprechen, was wollen Sie mit Ihrem Messeauftritt erreichen und was sollen Ihre Zielgruppen über Sie erfahren? Was soll in den Köpfen der Messebesucher hängenbleiben?
- Wie wollen Sie wahrgenommen werden - zum Beispiel modern, seriös, innovativ?
- Passen Ihre Messebotschaften zu Ihrer Positionierung? Können Sie sich damit von Ihren Wettbewerbern abgrenzen?
- Wann ist Ihr Messeauftritt ein Erfolg und wie wollen Sie ihn messen?
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Was steht im Vordergrund?
Überlegen Sie sich außerdem, welche Produkte und Dienstleistungen im Vordergrund stehen sollen und wie Sie Ihre Neuheiten bestmöglich in Szene setzen. Was ist neu und besonders? Was ist für Ihre wichtigsten Zielgruppen besonders interessant?
Womit heben Sie sich bestmöglich von Ihren Wettbewerbern ab? Definieren Sie diese Punkte in Ihrem Team oder lassen Sie sich ggf. von externen PR-Beratern dabei unterstützen, bevor Sie mit der Planung Ihrer Kommunikationsmaßnahmen starten.
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Ressourcen planen
Überlegen Sie sich, welche personellen Ressourcen Ihnen für die Messe-PR zur Verfügung stehen und wer für welche Aufgaben zuständig sein soll. Buchen Sie bei Bedarf externe Unterstützung wie zum Beispiel Hostessen, einen Messefotografen, eine PR-Agentur oder einen Medienbeobachtungsdienst hinzu. Definieren Sie ein Budget für sämtliche Maßnahmen inklusive Reisekosten, Werbematerial, externe Dienstleister, Anzeigenschaltung oder Catering.
Überlegen Sie sich, über welche Kanäle Sie Ihre Zielgruppen am besten erreichen können. Das können Newsletter, Presseaussendungen an Fachmedien, Anzeigen in Fachmedien oder Posts auf Social Media sein. Erweitern und aktualisieren Sie Ihre E-Mail-Verteiler für Ihre Kunden und die Vertreter der Medien.
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Welche Zielgruppen sind wichtig?
Überlegen Sie sich außerdem, welche Medien für Ihre Zielgruppen besonders interessant sind. Daraus leitet sich ab, welche Journalisten Sie ansprechen wollen. Hunderte nationale und internationale Pressevertreter kommen jedes Jahr nach München, doch natürlich sprechen die Medien ganz unterschiedliche Zielgruppen an und interessieren sich nicht alle für dieselben Themen.
Während man einen Beitrag über die Potenziale einer neuen Technologie problemlos in Wirtschaftsmedien platzieren kann, sind Produktmeldungen über neue Wechselrichter, Solarmodule und Montagesysteme eher für Fachmedien interessant, die sich an Installateure richten.
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B2C-Medien richten sich dagegen an Häuslebauer. Hier können Sie gut einen Anwenderbericht oder eine spannende Referenzanlage platzieren. Internationale Branchenmedien nehmen ebenfalls Produktmeldungen und Referenzberichte. Ob aus Großbritannien, den Niederlanden, Spanien oder Italien: Auch sie fahren zur Smarter E Europe.
Erfahrungen von TWL
TWL Technologie ist seit mehr als zwei Jahrzehnten bei Heizungsbauern als Hersteller thermischer Speicher bekannt. Für 2025 plante das Unternehmen die Markteinführung eines PVT-Hybridkollektors, der die Abwärme des Photovoltaikmoduls zur Wärmeerzeugung nutzt.
Die Zusammenarbeit mit Krampitz Communications begann mit der Erarbeitung strategischer Grundlagen. Im April 2025 folgte eine Pressemitteilung über den neuen PVT-Kollektor, in der die Agentur die technologischen Highlights erklärte und auf den Messeauftritt des Unternehmens hinwies. Die Agentur verschickte sie an mehr als 1.000 Pressevertreter in der DACH-Region.
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Die Pressemitteilung und die telefonischen Nachfassaktionen der Agentur stießen auf große Resonanz: Dutzende Fachmedien aus dem deutschsprachigen Raum berichteten über das neue Produkt und den Messeauftritt von TWL Technologie, darunter sowohl SHK- als auch Energie-, Bau- und Technologiemedien. Ein Medium übersetzte die deutsche Meldung ins Englische. Die Veröffentlichung führte für TWL zu einem Auftrag aus Hawaii!
Große Resonanz erreicht
Durch die persönliche Ansprache der Journalisten konnte die Agentur zahlreiche Interviews, Hintergrundgespräche und Referenzberichte platzieren – im Vorfeld der Messe, vor Ort und danach – ganz ohne Anzeigenschaltung. Allein auf der Intersolar Europe im Mai 2025 kamen 17 Journalisten für ausführliche Gespräche an den Messestand von TWL. Das führte zu zahlreichen Veröffentlichungen.
Dabei nahm das PR-Team Rücksicht auf den individuellen Bedarf der Journalistinnen und Journalisten. Während sich einige Medien mehr für technologische Details interessierten, wollten andere Informationen über die aktuellen Projekte des Unternehmens oder einen Marktausblick. Den B2C-Medien ging es dagegen eher darum, die Vorteile für Hausbesitzer herauszuarbeiten.
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Zeitliche Planung Ihrer Aktivitäten
Generell gilt: Starten Sie mit der Presseansprache nicht zu spät! Sonst wird Ihre Pressemitteilung in den Vorberichten der Branchenmedien redaktionell nicht mehr berücksichtigt. Oft haben die Journalisten keine freien Zeitfenster mehr für einen Besuch an Ihrem Messestand.
1. Format definieren:
Mit der Planung Ihrer Presseansprache sollten Sie spätestens zwei Monate vor der Messe starten. Ob Pressekonferenz, Standführung oder individuelle Pressegespräche: Entscheiden Sie sich für das passende Format, das zu Ihrem Thema, Ihren Zielgruppen und Ihren Kommunikationszielen passt.
Wie viele Referenten sollen sprechen? Was wollen Sie den Journalisten zeigen und in welcher Sprache soll die Veranstaltung stattfinden? Benötigen Sie eine ruhige Atmosphäre und einen Bildschirm oder Headsets für eine Führung über Ihren Messestand? Welche Konkurrenzveranstaltungen finden statt?
Beachten Sie bei der Planung, dass viele Journalisten die Eröffnungs-Pressekonferenz der Messe besuchen und auch unter Pressevertretern viele Fußballfans sind (letzteres ist in diesem Jahr insbesondere bei Abendveranstaltungen relevant).
Bei individuellen Gesprächen mit Pressevertretern sollten Sie sich im Vorfeld überlegen, wer zu welchem Thema etwas sagen kann, und wer wann verfügbar ist. Kümmern Sie sich rechtzeitig um die Organisation inklusive Catering, Fotografen oder Technik.
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2. Pressemitteilung versenden:
Definieren Sie zunächst Ihre Schlüsselmedien und aktualisieren und erweitern Sie Ihren Presseverteiler. Weil die Deadlines für die Redaktionsschlüsse der Branchenmedien oft deutlich vor der Messe liegen, sollten Sie Ihre Pressemitteilung rechtzeitig versenden.
Erläutern Sie in dem Text Ihre Neuheiten, weisen Sie auf Ihren Messeauftritt hin und laden Sie die Journalisten an Ihren Messestand und zu Ihrer Presseveranstaltung ein. Fügen Sie unbedingt aussagekräftiges Bildmaterial bei.
Nutzen Sie für die zusätzliche Platzierung das kostenlose Angebot des Messeveranstalters, Ihre Meldung über News Aktuell zu verschicken. Buchen Sie ein digitales Pressefach bei der Messe.
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3. Nachfassaktionen und Einladungsmanagement:
Fassen Sie vier bis sechs Wochen vor der Messe bei den für Sie relevanten Journalisten telefonisch nach. Beachten Sie bei der Planung Ihrer Nachfassaktionen, dass auch Journalisten an Brückentagen frei nehmen und die Feiertage in den Bundesländern variieren. Briefen Sie Ihre Dienstleister und Ihr Team und bereiten Sie es auf kritische Fragen vor.
4. Nacharbeit und Erfolgskontrolle
Bedanken Sie sich bei den Journalisten, fragen Sie sie, ob sie noch etwas brauchen, und bitten Sie sie um ein Belegexemplar. Senden Sie interessierten Journalisten Pressematerial, das aktuelle Bilder vom Messestand und ein Messefazit enthält. Werten Sie den Erfolg Ihrer Medienarbeit aus. (HS)
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Terminhinweis: Auf der Messe am 25. April 2026 um 12 Uhr erklärt Iris Krampitz in der Lunchbreak der Women of New Energies, wie man strategisch kommuniziert. Außerdem gibt sie dort und auf ihrem LinkedIn-Profil Tipps für die Messe-PR.
Iris Krampitz ist Geschäftsführerin der PR-Agentur Krampitz Communications in Köln. Seit 2002 fährt sie jedes Jahr zur Smarter E Europe, damals Intersolar. Ihre Agentur ist seit Gründung im Jahr 2004 auf glaubwürdige Kommunikationsarbeit für die Energiewende spezialisiert. Ihr Public-Relations-Team hat auf der Messe unzählige Pressekonferenzen, Events und Mediengespräche für Hersteller, Dienstleister und Prüfinstitute aus ganz Europa organisiert und betreut. Viermal hat die Agentur den Veranstalter Solar Promotion mit Social Media Kampagnen unterstützt. 2025 war Krampitz Communications auch für den EES Innovation Hub und die Betreuung der Influencer in der Halle B0 verantwortlich.