Solarmodule sollen möglichst lange und zuverlässig Strom erzeugen. Was einfach klingt, erweist sich in der Praxis nicht unbedingt als Selbstläufer. Die Branche hat immer wieder Lehrgeld zahlen müssen, denn die Technologie hat ihre Tücken – und mancher Effekt wird noch nicht verstanden.
Die gute Nachricht zuerst: Gebrochene Zellen sind kaum noch ein Problem. „Zellbruch ist deutlich zurückgegangen“, resümierte Bernhard Weinreich, Gutachter bei Hawe Energy.
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Hawe hat die Gutachten und Betriebsdaten von 1.100 Solarparks ausgewertet. 95 Prozent der Begutachtungen waren mit Terminen vor Ort verbunden. „An 600 Anlagen kam Thermografie zum Einsatz“, berichtete Weinreich auf dem PV-Symposium im Kloster Banz.
Versprödete Folien weiter ein Problem
In 250 Fällen wurden versprödete Rückseitenfolien moniert, das Problem ist in der Branche seit mehreren Jahren auffällig. „Dieses Phänomen kam 2021 auf, ist nach wie vor ein heißes Thema“, berichtete Weinreich. „Nach zehn Jahren brach es deutlich hervor, obwohl schon 2013 erste Fälle auftraten. Damals wurde die massive Gefahr unterschätzt.“
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Grund sind ungeeignete Folien, die während des Markteinbruchs 2011 und in den Folgejahren in die Module integriert wurden. UV-Strahlung, Hitze, Kälte und Feuchtigkeit setzen ihnen zu, sodass sie nun verspröden und auskreiden. Die Folge: Die Folien verlieren ihre Festigkeit, reißen, im schlimmsten Fall fallen die Zellen aus dem Laminat. Das ist nicht lustig.
Glasbruch zeigt sich massiv
Dabei winkt schon ein neuer Massenfehler, vor allem bei Solarparks: Die Formate der Solarmodule werden immer größer, ihre Gläser jedoch immer dünner. Auf diese Weise steigen die Spannungen im Material, dass wegen des Kostendrucks auf Teufel komm heraus abgespeckt wird.
Größere Module bedeuten größere Kräfte, dünnere Gläser geringeren Querschnitt. Dazu muss man wissen, das Glas an sich ein schwieriger Werkstoff ist. Seine Struktur ist amorph, also unregelmäßig wie bei Flüssigkeiten, nicht kristallin wie beispielsweise bei Metallen.
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Deshalb sind Werte zur Festigkeit und Belastbarkeit stets mit Vorsicht zu genießen. In manchen Solarparks sind bereits ein Fünftel der Module von Glasbruch betroffen, der meist an den Klemmen einsetzt und sich mit der Zeit ins Material fortsetzt.
PID und LID weitgehend gebannt
Nach Auffassung von Bernhard Weinreich ist bei Neuinstallationen mittlerweile die Gefahr anderer Phänomene gebannt. Zum Beispiel PID: „Die potenzialinduzierte Degradation ist kein Thema mehr“, sagte Weinreich. Auch LID (lichtindizierte Degradation) tritt bei Solarmodulen kaum mehr auf. Bis 2017 und 2018 waren davon vor allem Solarmodule mit Perc-Zellen betroffen.
LID bezeichnet anfängliche Leistungsverluste, bis die Module mit Licht gesättigt sind und ihre Leistung stabilisieren. Seit 2020 spielt LID bei neuen Modulen keine Rolle mehr, weder bei Perc, noch bei Topcon oder Heterojunction-Tandemzellen (HJT).
Verluste durch UV-Strahlung
Allerdings diskutieren Experten derzeit das Phänomen der UVID, der UV-induzierten Degradation. Dieser Effekt ist vor allem bei Topcon-Modulen auffällig, gelegentlich auch bei HJT. Werden die Module im Dunkeln gelagert, weisen sie Leistungsverluste bis zehn Prozent auf, die aber nach längerer Lichteinwirkung zumindest teilweise ausheilen. (HS, gekürzt)
Dieser Report erscheint im Aprilheft der photovoltaik, das sich der Qualität von Komponenten und Installationen widmet. Abonnenten können ihn in voller Länge ab 14. April 2026 online oder im gedruckten Heft lesen: Neues Themenheft über Solarmodule erscheint
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