Die Photovoltaik ist Lösungsbringer und kein Problem. Das ist der Schwerpunkt des diesjährigen PV Symposiums. Die Veranstaltung im Kloster Banz hoch über den Dächern von Bad Staffelstein ist längst kein gemütliches Klassentreffen der Solarbranche mehr, sondern ein Zentrum der technologischen Entwicklung, wie Bernd Porzelius vom Veranstalter Conexio PSE betont. „Die Innovationskraft im Raum ist enorm“, sagt er mit Blick auf die Teilnehmer.
Das diesjährige Symposium startet natürlich mit der Einordnung der Regeländerungen, die aus dem Bundeswirtschaftsministerium in den vergangenen Tagen durchgestochen wurden. Für Jörg Ebel, Präsident des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar), sind die Regelungen ein deutliches Zeichen, in welche Richtung Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) im Hinblick auf Solarenergie hinmarschieren will. „Es ist ein massiver Angriff auf die Gebäudephotovoltaik“, resümiert er mit Blick unter anderem auf die Vorschläge für die EEG-Novelle. „Für kleine Anlagen ist in den Ideen aus dem Wirtschaftsministerium alles drin, um den Markt abzuwürgen.“
Leistungsbegrenzung und Direktvermarktung geplant
Er listet die Mittel auf, mit denen die Bundeswirtschaftsministerin diesen Angriff starten will. Neben dem Zwang von kleinen Solaranlagen mit einer Leistung von bis zu 30 Kilowatt in die Direktvermarktung, nennt er ein zentrales Mittel für diesen Angriff. Doch es geht noch weiter. Neben dem Wegfall der Förderung nennt er unter anderem noch die dauerhafte Einspeisebegrenzung auf 50 Prozent der Leistung.
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Hier ist noch nicht einmal sicher, ob dies nur für Anlagen mit bis zu 25 Kilowatt gelten soll, oder ob das auf Anlagen mit bis zu 100 Kilowatt ausgeweitet wird. Auch größere Dachanlagen und Freiflächenanlagen sollen einen einheitlichen anzulegenden Wert bekommen – unabhängig davon, dass die Installation einer Dachanlage aufwendiger ist, als der Bau eines Solarparks.
50 Prozent Dach und Freifläche ausgehebelt
Tatsächlich sehen die Regeln vor, die Freiflächen-Photovoltaik gegenüber den Dachanlagen zu bevorzugen. Dabei sieht das EEG vor, dass der Zubau, dessen Mengen erhalten bleiben sollen, jeweils zur Hälfte auf dem Dach und auf der Freifläche umgesetzt werden soll. Zwar muss der Ausbau auf 20 bis 22 Gigawatt pro Jahr steigen, um die vorgesehenen 215 Gigawatt bis 2030 zu schaffen, was mit Solarparks rein mit Blick auf die Leistung schneller geht, als auf dem Dach. Doch schon jetzt ist das Segment der Solaranlagen auf Eigenheimdächern stark rückläufig und auch im essenziellen Segment der gewerblichen Anlagen wird dringend mehr benötigt, betont Jörg Ebel.
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Vorfahrt für Solarparks?
Mit den derzeit geplanten Regelungen scheint das Bundeswirtschaftsministerium das Segment der Solarparks weiter stärken zu wollen. „So sollen die Ausschreibungsmengen für Freiflächenanlagen von derzeit zehn auf 14 Gigawatt pro Jahr erhöht werden. Gleichzeitig ist geplant, die Ausschreibungsregelungen, die derzeit bis 2029 festgelegt sind, bis 2032 zu verlängern“, nennt Jörg Ebel ein klares Zeichen, dass Katherina Reiche vorwiegend Solarparks sehen will. Auch die maximale Leistung eines Projekts, das an den Ausschreibungen teilnimmt, soll auf 50 Megawatt angehoben werden – eine weitere Erleichterung, die durchaus sinnvoll ist.
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Doch gleichzeitig soll die Ausschreibungsmenge für größere Dachanlagen auf magere 1,5 Gigawatt pro Jahr gekürzt werden. Ob der Höchstwert angehoben wird, den die Projekte maximal bieten können, bleibt bisher unklar, genauso wie eine Verlängerung der Ausschreibungsregelungen.
Netzpaket sorgt für Planungsunsicherheit
Dazu kommen noch die Regelungen des Netzpakets, das alle positiven Entwicklungen auch für die Freiflächenanlagen zunichte machen würde. Hier ist es primär die wegfallende Entschädigung bei der Abregelung der Anlagen, wenn das Netz überlastet ist. „Es ist jetzt schon Wahnsinn, dass die Anlagen dann abgeregelt werden, weil die Fossilen zu träge sind. Doch zumindest muss dies entschädigt werden, wenn die Solaranlage erzeugen könnte, es nur nicht darf, weil das Netz nicht hält“, wettert Jörg Ebel. „Doch wenn jetzt die Entschädigung für zehn Jahre wegfallen soll, wenn in einer Netzregion in einem Jahr mehr als drei Prozent pro Jahr abgeregelt werden, führt dies zu einer maximalen Planungsunsicherheit“, warnt er.
Alles ist noch offen
Ebel sieht auch niemanden im Markt, der diese Regelungen gut findet – selbst die Netzbetreiber nicht. Er geht davon aus, dass die Regelungen nicht so kommen, wie sie jetzt geplant sind. Denn einerseits ist dies bisher noch eine Ideensammlung im Wirtschaftsministerium. Diese werden im Laufe des weiteren Gesetzgebungsverfahrens noch entschärft, ist sich Jörg Ebel sicher.
Netz- und Anlagenbetreiber kommen zusammen
Doch der BSW-Solar-Präsident sieht auch einen positiven Punkt. „Denn die Debatte bietet eine große Chance, die Interessen der Netzbetreiber und der Erzeuger voranzubringen. Sie kommen jetzt an einen Tisch und beraten auf Augenhöhe“, sagt er. „Die Solarbranche muss die Schwierigkeiten zur Kenntnis nehmen, mit denen die Netzbetreiber kämpfen, und die Netzbetreiber können die Bedürfnisse der Solarbranche besser kennenlernen“, erklärt er. „Ich bin zuversichtlich, dass man aus der bisher etwas rempeligen zu einer geordneten Entwicklung kommt“, betont Jörg Ebel. (su)