Wie lassen sich Schadensfälle an Photovoltaikanlagen und Stromspeichern aus den Statistiken der Versicherer herauslesen?
Anne Zygmanowski: Es lässt sich feststellen, dass die Anzahl an Schäden in den letzten Jahren gesunken ist. Der Schadenaufwand, also die Schadensumme, blieb aber konstant.
Fachtagung des VdS zu Schäden und Problemen an Solaranlagen
Welche Trends bei den Schadensereignissen fallen Ihnen besonders ins Auge?
Anne Zygmanowski: Aufgrund der zunehmenden Komplexität der Photovoltaikanlagen im Bereich der Wechselrichter und Speichersysteme in Kombination mit Smart-Grid-Technologien werden die Maßnahmen zur Wiederherstellung nach Schäden umfangreicher. Hierdurch kommt es häufiger zu Wechselwirkungsschäden zwischen den einzelnen Komponenten. Im letzten Jahr beobachten wir zudem gehäufte Diebstähle von Komponenten mit Buntmetall, insbesondere Kupfer.
Wie verändern sich die Schadenssummen durch Probleme mit Solarstromspeichern?
Anne Zygmanowski: Der gestiegene Schadenaufwand resultiert aus vielen Gründen, exemplarisch können hier die gestiegenen Preise für einzelne Anlagenkomponenten, wie Transformatoren aber auch die zuvor beschriebene Komplexität der Gesamtsysteme genannt werden. Eine erhebliche Erhöhung der Schadensummen aufgrund von Problemen mit Solarstromspeichern können wir nicht feststellen.
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Wie viel Prozent der Schäden waren vermeidbar?
Anne Zygmanowski: Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Durch die Einhaltung von Errichtungsnormen und der Wartungsintervalle oder die regelmäßige Reinigung der Anlagen sind diverse Schadenbilder eingrenzbar, und somit in Teilen vermeidbar. Als Beispiele sind hier Schäden an Kabeln zu nennen, etwa durch Aufliegen von Steckverbindern auf der Dachhaut. Ein weiteres Beispiel sind Sturmschäden durch fehlerhafte Modulmontage. Tierverbiss an Verkabelungen sind nicht immer vermeidbar. Frühzeitiges Erkennen könnten die Schadensummen aber minimieren und das Ausmaß des Schadens dezimieren.
Welche Rolle spielt die Qualität der Installation?
Lutz Erbe: Die Einhaltung der Errichtungsnormen ist Grundvoraussetzung für die Versicherbarkeit einer Anlage und letztlich des Gebäudes, auf dem diese errichtet wird. Dabei werden immer wieder gravierende Mängel erkannt. Deshalb fordern die Versicherer zunehmend, dass die ordnungsgemäße Installation bei der Anlagenabnahme durch einen anerkannten Sachverständigen für Photovoltaikanlagen bestätigt wird. Eine Arbeitsgruppe des GDV erarbeitet zurzeit eine Prüfrichtlinie und einen Befundschein. Aktuell sind 219 Sachverständige im Verzeichnis des Verbands der Schadenversicherer (VdS) gelistet.
Hier finden Sie das Verzeichnis der anerkannten Sachverständigen beim VdS.
Welche Tipps geben Sie Anlagenplanern und Installateuren, um ihre Anlagen solide zu bauen?
Lutz Erbe: Insbesondere die Leitungsführung auf dem Dach sollte detailliert geplant und handwerklich sauber ausgeführt werden. Befestigungen mit Kabelbindern an Steigtrassen oder auf der Dachhaut abgelegte Leitungen sind nicht akzeptabel. Für die Leitungsverlegung über Brandwände hinweg bieten die Hersteller von Kabeltragsystemen professionelle Lösungen an. Allgemein reduzieren auch Glas-Glas-Module die Brandlast. Wechselrichter sollten nur noch mit Detektion und Abschaltung von Lichtbogen eingesetzt werden.
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Wie wichtig ist die professionelle Wartung der Anlagen?
Lutz Erbe: Bei höherwertigen Gebäuden oder Anlagen wird der Abschluss eines Wartungsvertrages oftmals von den Versicherern gefordert. Dabei sind regelmäßige Sichtkontrollen sowie nach Gewittern und Stürmen ebenso zwingend, wie die wiederkehrende messtechnische Untersuchung der Anlagen. Aus meiner Sicht gehören die Auswertung von Ertragsdaten und die kurzfristige Reaktion auf Störmeldungen zu den elementaren Aufgaben der Instandhaltung. (HS, gekürzt)
Dieses Interview erscheint im Aprilheft der photovoltaik, das sich der Qualität von Komponenten und Installationen widmet. Abonnenten können es in voller Länge ab 14. April 2026 online oder im gedruckten Heft lesen: Neues Themenheft über Solarmodule erscheint
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Im Interview
Anne Zygmanowski hat einen Bachelor of Engineering in Medizintechnik und einen Master of Science in Biomedizintechnik. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hannover, bevor sie im Februar 2023 zur VGH Versicherung wechselte. Dort ist die zuständig für die Schadenregulierung von technischen Versicherungen.
Lutz Erbe ist Diplomingenieur (FH) und seit 2002 Mitarbeiter der VGH Versicherung Hannover, in der Abteilung für Schadenverhütung und Technik. Zu seinen Aufgaben gehören die Beratung zur Schadenverhütung, Schadenermittlung in Sach- und Haftpflichtschadenfällen, die Tätigkeit als Referent bei Informationsveranstaltungen sowie im Verband. In den letzten Jahren war er verstärkt mit der Prüfung von Photovoltaikanlagen befasst, um ihre Versicherbarkeit zu bewerten. Auch die Begutachtung von Schäden spielt eine wachsende Rolle.