Beim jüngsten Antragsverfahren für Förderungen von Solaranlagen in Österreich war der Andrang wieder so groß, dass die Webseite der zuständigen Regulierungsbehörde Oemag zusammengebrochen ist. Wie der Vorarlberger Systemanbieter Hansesun berichtet, ließ sich die Webseite, auf der die Förderanträge eingegeben werden mussten, nach dem Start des Fördercalls teilweise nicht aufrufen. Richtig gelöste Captchas wurden als falsch gewertet. Das Nachladen eines neuen Captchas war erst nach wenigen Sekunden möglich.
Jede Sekunde zählt
Dabei zählt beim Windhundrennen um die Solarförderung in Österreich jede Sekunde. Schließlich war die Förderung beim vorherigen Call innerhalb von nur 36 Sekunden ausgebucht. „Viele Antragsteller wurden um ihre letzte Chance gebracht, eine Förderung für ihre Photovoltaikanlage zu erhalten“, kritisiert Andreas Müller, Sprecher von Hansesun.
Der westösterreichische Photovoltaikanbieter prüft nun rechtliche Schritte für seine Kundinnen und Kunden. Sämtliche vorliegenden Anträge müssten vom Ministerium auf eine Warteliste gesetzt und abgearbeitet werden, fordert das Unternehmen als Lösung. Schließlich hatte sich Hansesun intensiv auf den Fördercall vorbereitet. Rund 400 Helferinnen und Helfer in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein unterstützten das Unternehmen. Die Browser wurden auf Kompatibilität geprüft, Hotspots eingerichtet, damit keine Sperre von IP-Adressen die Anträge blockiert. Das Ziel: möglichst viele Anträge binnen weniger Sekunden einzugeben.
Klage angekündigt
Umso fataler ist es, wenn die Webseite nicht erreichbar ist. „Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, damit Kundinnen und Kunden nicht aufgrund des technischen Versagens der Oemag ihre Förderung verlieren“, kündigt Hansesun-Sprecher Andreas Müller an. Eine rechtliche Prüfung ist bereits beauftragt. „Ein Fördersystem, in dem Sekunden entscheiden, ob Kunden mehrere tausend Euro an Förderung erhalten oder nicht, muss funktionieren. Die Oemag hat gestern zum wiederholten Mal bewiesen, dass sie einen solchen Fördercall technisch nicht abwickeln kann“, wettert Andreas Müller. „Das Ministerium hat tatenlos zugeschaut und die Förderabwicklung immer wieder der OEMAG übertragen“, ärgert sich der Sprecher.
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Zehntausende gehen leer aus
Anders als bisher haben Antragsteller nun auch keine Möglichkeit mehr, den Antrag bei einem nächsten Fördercall erneut einzureichen. Denn Elisabeth Zehentner, Staatssekretärin für Energie beim Wirtschaftsministerium, hat bereits angekündigt, die Förderung ab dem kommenden Jahr neu aufzustellen. Dann sollen vorwiegend Batteriespeicher und Energiemanagementsysteme sowie Photovoltaikanlagen gefördert werden, die damit kombiniert sind. Hansesun rechnet deshalb damit, dass zehntausende Menschen in Österreich ihren Anspruch auf Förderung verlieren. So waren bereits beim letzten Fördercall im Juli 2026 nach Angaben des Unternehmens 25.000 Antragsteller leer ausgegangen. „Dieses Mal dürften tausende weitere dazukommen“, befürchtet Andreas Müller.
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Hansesun hat Elisabeth Zehetner mehrfach aufgefordert, diese zehntausenden Anträge auf eine Warteliste zu setzen und mit dem nächsten Budget abzubauen. „Zehntausende Österreicherinnen und Österreicher, die einen Beitrag zur Klimaneutralität und zur Sicherheit unseres Stromnetzes leisten wollen, gehen sonst leer aus“, warnt Müller.
Steuerbegünstigung statt Windhundrennen
Zudem sollte die Förderung ganz neu aufgestellt werden. Statt einer neuen Förderung für Batteriespeicher und Energiemanagementsysteme schlägt Hansesun einen Klimainvestitionsfreibetrag vor. Das bedeutet, jeder Privathaushalt und jedes Unternehmen, das in den Klimaschutz investiert, bekommt eine Steuerbegünstigung. Dies würde wichtige Klimainvestitionen ermöglichen, Impulse für die Baubranche und das Handwerk setzen und sich allein über die zusätzlichen Steuereinnahmen weitgehend selbst finanzieren, begründen die Experten von Hansesun den Ansatz. Auch komplizierte Anträge und ihre chaotische Abwicklung wären damit Vergangenheit. (su)Text