Springe auf Hauptinhalt Springe auf Hauptmenü Springe auf SiteSearch

Solarausbau und E-Mobilität erfordert smartere Verteilnetze

Rund 220 Teilnehmer füllen den Saal im NH Hotel an der Berliner Friedrichstraße. „Die Stromnetze sind die Bühne der Energiewende“, vergleicht Bernd Prozelius vom Veranstalter Conexio-PSE. Sie ermöglichen erst eine Transformation hin zu einer klimaneutalen Energieversorgung. Bundeswirtschaftsstaatssekretär Frank Wetzel eröffnet dann die Tagung „Zukünftige Stromnetze 2026“ mit einem Statement. Darin stellt er die aktuellen Herausforderungen und Pläne der Bundesregierung für die Stromnetze vor.

Interesse an Marktprämien für solare Dachanlagen bleibt gering

Besonders die Resilienz dieser Hauptschlagadern des Systems muss nach dem Blackout in Spanien im April 2025 und Anfang des Jahres im Berliner Südwesten auf den Prüfstand. Laut Wetzel zeigen die seit 2022 eingeführten Beschleunigungsgesetze erste Erfolge bei der Planungs- und Genehmigungsdauer für wichtige Stromtrassen. Die Inbetriebnahme erster Abschnitte der großen Nord-Süd-Korridore habe die Netzstabilität bereits verbessert. 

Photovoltaikausbau über 100-Gigawatt-Marke

Wetzel betonte, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien weiter voranschreitet. Die installierte Solarleistung hat bereits die Marke von 100 Gigawatt überschritten. Auch der Ausbau der Windenergie an Land habe nach einer Phase der Stagnation wieder Fahrt aufgenommen. Gleichzeitig stelle die volatile Einspeisung aus erneuerbaren Energien die Stromnetze vor große Herausforderungen. Besonders die Kosten für das Engpassmanagement (den Redispatch) seien trotz erster Fortschritte weiterhin viel zu hoch.

Enorme Kosten, die wir alle als Verbraucher zahlen. Die Kosten für den Redispatch in Deutschland werden sich im Jahr 2025 voraussichtlich auf rund 2,7 Milliarden Euro belaufen – einschließlich abrufabhängiger Kosten und Vorhaltekosten für Reservekraftwerke.. Das geht aus aktuellen Kostenschätzungen des Übertragungsnetzbetreibers Amprion hervor. Im Vergleich zum Vorjahr sank das Maßnahmenvolumen demnach von 15,3 auf 14 Terawattstunden.

Verteilnetze durch neue Verbraucher unter Druck

Laut Wetzel verlagern sich die größten Herausforderungen zunehmend von den Übertragungsnetzen in die Verteilnetze verlagner. Die hohe Zahl neu installierter Wärmepumpen, privater Ladepunkte für Elektrofahrzeuge sowie der Boom bei Balkonkraftwerken und gewerblichen Photovoltaikanlagen belasten insbesondere die Niederspannungs- und Mittelspannungsnetze. 

Fast 10.000 Anträge für Netzanschluss von Großspeichern gestellt

„Hier müssen wir ehrlich sein: Wir hinken dem Bedarf hinterher“, erklärt Wetzel. Die Digitalisierung der Verteilnetze und der flächendeckende Roll-out intelligenter Messsysteme seien zentrale Aufgaben, die nur gemeinsam mit Stadtwerken und regionalen Versorgern bewältigt werden könnten. 

Drei Säulen der Netzstrategie bis 2030

Für die kommenden Jahre bis 2030 setzt die Bundesregierung laut Wetzel auf drei zentrale Säulen: Erstens soll der Grundsatz Netzoptimierung vor Netzausbau, kurz NOVA, durch Investitionen in Digitalisierung und Automatisierung gestärkt werden. Mit dem geplanten „Digitalnetz-Gesetz“, das noch im Frühjahr ins Kabinett eingebracht werden soll, will die Bundesregierung einen Rechtsrahmen für eine einheitliche Datenplattform schaffen. Diese soll die Koordination von Erzeugung und Verbrauch in Echtzeit ermöglichen. Künstliche Intelligenz soll künftig ein Standardwerkzeug für die Netzsteuerung werden.

Bundesnetzagentur entwirft Regelungen für Speicherbetrieb und bidirektionales Laden

Zweitens soll Flexibilität als Ressource genutzt werden. Noch in diesem Jahr plant die Bundesregierung einen neuen Regulierungsrahmen für dynamische Stromtarife und die Einbindung dezentraler Speicher, von Heimbatterien bis zu Großspeichern. Ein Schwerpunkt liegt auf dem bidirektionalen Laden (Vehicle-to-Grid), um die Batterien von Elektrofahrzeugen zur Netzstabilisierung zu nutzen. „Wir werden die Anreize schaffen, diesen Riesen zu wecken“, verspricht Wetzel.

Netzentwicklung mit Wasserstoff und Wärme zusammenplanen

Drittens soll die Netzentwicklungsplanung künftig besser integriert erfolgen. Die Stromnetze sollen mit dem entstehenden Wasserstoffkernnetz und den Wärmenetzen gekoppelt werden. Bei drohenden Stromengpässen werde geprüft, ob Pipelines für Wasserstoff oder Wärmespeicher effizientere Lösungen bieten. Dies soll Investitionen senken und das Gesamtsystem widerstandsfähiger machen.

Cybersicherheit: Branchenverbände sehen Fortschritte, fordern aber Nachbesserungen

Wetzel betonte abschließend die Notwendigkeit von Kooperation zwischen Politik, Regulierern, Netzbetreibern, Industrie und Bürgern: „Die Stromnetze sind die Lebensadern unserer klimaneutralen Zukunft. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass diese Lebensadern stark, intelligent und zuverlässig sind.“ (nhp)