InnoEnergy finanziert Start-ups aus Europa. Welche Art von Unternehmen haben Sie besonders auf dem Schirm?
Christian Bauer: Wir sind Cleantech-Investor mit Fokus auf Start-ups und Scale-ups, die mit ihren Innovationen einen substanziellen und messbaren Beitrag zur Energiewende und der nachhaltigen Transformation strategisch wichtiger Industrien leisten. Über 80 Prozent unserer aktuell 160 Beteiligungen sind Hardwareunternehmen. Viele produzieren und bauen eigene Fabriken auf wie beispielsweise Skeleton Technologies oder Verkor.
Konzentrieren Sie sich auf Hardware, oder fördern Sie auch die Entwicklung von digitalen Produkten?
Wir unterstützen durchaus auch Cleantech-Startups, die Software und KI-Anwendungen entwickeln. Thematisch investieren wir breit - von erneuerbaren Energien und Energiespeichern über nachhaltige Mobilität bis zur Energieeffizienz, Netztechnologien, Recycling und Lösungen zur Dekarbonisierung energieintensiver Industriezweige.
In welcher Phase werden die Firmen finanziert?
Inno Energy steigt als Investor typischerweise in der Frühphase eines Startups ein, in der sogenannten Pre-Seed und Seedphase. Mitunter finanzieren wir auch bis zur Serie A mit.
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Welche Reife müssen die Unternehmen erreicht haben, um es bei Ihnen in die Finanzierung zu schaffen?
Zum Zeitpunkt unseres Einstiegs haben die Teams in der Regel eine Pilotlösung und einen ambitionierten Business Plan. Diesen gemeinsam umzusetzen, an Markterfordernisse anzupassen und zu beschleunigen, ist unsere Kernkompetenz. Dabei geht unsere Unterstützung weit über das rein Finanzielle hinaus.
Was bieten Sie außerdem an?
Wir bieten unseren Portfoliounternehmen ein breites Spektrum an Skalierungsservices, beispielsweise im Vertrieb, Beratung zu Intellectual Property oder zur Aktivierung öffentlicher Finanzierungsinstrumente. Im Zuge dessen aktivieren wir unser über 15 Jahre gewachsenes Ökosystem mit über 1.400 Partnern aus der Industrie, dem Finanzsektor, Wissenschaft und Bildung. Um unsere Portfoliounternehmen künftig in der kapitalintensiven Wachstumsphase unterstützen zu können, arbeiten wir zudem daran, eigene Finanzierungsvehikel aufzusetzen.
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Woher kommt das Kapital für die Beteiligungen?
Anders als typische Wagniskapitalfonds investiert InnoEnergy aus der eigenen Bilanz. Die Mittel stammen zum einen aus dem Verkauf von Beteiligungen. Zum anderen hat InnoEnergy in den Jahren 2023 und 2024 über sogenanntes Private Placement insgesamt mehr als 140 Millionen Euro eingesammelt. Zu unseren 39 Anteilseignern gehören unter anderem Siemens, Volkswagen, Schneider Electric, Finanzpartner wie die Société Générale, Santander oder ING oder auch Forschungsinstitute wie das Karlsruhe Institute of Technology.
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Beschränken Sie sich auf Ihre Mittel, oder nutzen Sie weitere Quellen, um Geld einzusammeln?
Wichtig zu erwähnen ist, dass wir unseren Portfoliounternehmen aktiv helfen, weitere private und öffentliche Mittel zu mobilisieren. Auf diese Weise konnten unsere Portfoliounternehmen allein im Jahr 2024 rund 9,8 Milliarden Euro an Eigenkapital, Fremdkapital, Fördermitteln und Projektfinanzierung einsammeln.
Das sind beachtliche Summen. Mit welchem Ziel unterstützen Sie junge Firmen?
Wir helfen unseren Portfoliounternehmen dabei, ihre Innovationen schneller, möglichst breit und mit mehr Wirkung in den Markt zu bringen. So leisten wir unter anderem einen Beitrag, zukunftsfähige, gut bezahlte Jobs zu schaffen und strategisch wichtige Industrien in Europa aufzubauen und zu erhalten. Das machen wir nicht aus rein altruistischen Motiven, sondern wollen damit selbst Profite erwirtschaften, insbesondere indem wir Beteiligungen mit Gewinn veräußern.
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Wann ist der Zeitpunkt gekommen, die Start-ups auf eigene Beine zu stellen oder an andere Finanziers zu übergeben?
Das hängt stark vom individuellen Reifegrad der jeweiligen Firma ab. Grundsätzlich sind wir, anders als klassische VCs, ein Investor mit langem Atem. Angesichts der Vielzahl unserer Hardware-Investments mit ihrer teils langen Anlaufzeit bis zum Markteintritt braucht es diesen auch. Insofern begleiten wir unsere Portfoliounternehmen, solange es nötig ist, bis sie eigenständig, profitabel am Markt bestehen oder von strategischen Investoren übernommen werden. Dies unterscheidet uns substanziell von typischen Venture Capital Funds die nach sechs bis acht Jahren veräußern müssen.
Wie viele Firmen haben Sie bisher finanziell unterstützt?
Seit Gründung von InnoEnergy im Jahr 2010 haben wir mehr als 540 Unternehmen unterstützt. Vier davon haben wir gemeinsam mit Partnern zu industriellen Einhörnern mit Milliardenbewertung aufgebaut, darunter der französische Batteriezellfabrikant Verkor oder den grünen Stahlproduzenten Stegra aus Schweden. Außerdem haben wir fünf eigene Unternehmen mit strategischen Partnern aus der Industrie und dem Finanzsektor ausgegründet. Verkor ist eines dieser Eigengewächse. Unser aktives Investmentportfolio besteht aus rund 160 Beteiligungen.
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Sind in Ihrem Portfolio auch Start-ups aus der Solarbranche oder der Speicherbranche?
Sowohl Solar- als auch Batteriespeichertechnologien spielen eine wichtige Rolle in unserem Portfolio. Wir haben aktuell über 20 Beteiligungen im Solarbereich und über 30 Beteiligungen in allen Wertschöpfung für Batterien. Das Freiburger Unternehmen Nexwafe beispielsweise hat eine revolutionäre Produktionstechnik entwickelt, um ultradünne Solarwafer ressourcenschonend und kosteneffizient zu produzieren. Voltaro aus München unterstützt mit seiner Beratungsplattform Betreiber von Gewerbeimmobilien bei der Einführung von Solarmodulen. Und das Münchner Startup Q-Kera, eine Ausgründung aus der TU München und dem MIT, entwickelt Komponenten für Festkörperelektrolyte. Sie braucht man für Lithium-Ionen-Batterien der nächsten Generation.
Welche Firmen halten Sie für besonders spannend? Welche Beispiele haben Sie für erfolgreiche Start-ups?
Das Hamburger Start-up Suena Energy entwickelt einen KI-gestützten Autopiloten, der Batteriespeicher automatisch optimiert und am Strom- sowie Redispatch-Markt handelt. Die Plattform verarbeitet Millionen Datenpunkte pro Minute, passt sich flexibel an Marktbedingungen an und macht Speicherbetreiber zu aktiven Marktteilnehmern. Suena erhielt drei Millionen Euro in der Seed- und 2025 weitere acht Millionen Euro in der Series-A-Runde, um seine Technologie weiterzuentwickeln und seine Internationalisierung voranzutreiben.
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Sie erwähnten Revycling als wichtiges Thema. Haben Sie dazu auch ein Unternehmen im Portfolio?
Das französische Unternehmen Rosi Solar recycelt Photovoltaikmodule und gewinnt hochreines Silizium, Silber und Kupfer zurück – zentrale Materialien für die europäische Solarindustrie und Basis einer echten Kreislaufwirtschaft. Ein weiteres Beispiel aus der Speicherbranche ist die Firma Skeleton. Sie entwickelt Superkondensatoren auf Basis von Curved Graphene.
Supercaps sind in aller Munde. Was kann man damit machen?
Die kompakten Energiespeicher stabilisieren Stromnetze und unterstützen schnelle Lastwechsel in Industrie, Mobilität und Smart Grids. Enormes Potenzial für Skeletons Superkondensatoren steckt in der stabilen Versorgung von Rechenzentren. Insofern ist Skeleton eines von mehreren unserer Investments, die sehr vom KI-Boom profitieren werden.
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Wie wichtig ist es für Sie, Firmen in Europa und die europäische Wertschöpfung zu stärken?
Das ist ein zentraler Bestandteil unserer Mission. Mit Mandat der EU-Kommission sind wir im Rahmen der Europäischen Batterieallianz (EBA) und der Europäischen Solar PV-Industrieallianz (ESIA) zentral daran beteiligt, eine starke Batterie- und Solarindustrie in Europa aufzubauen. Außerdem leiten wir eine private Initiative an, die Lösungen für energieintensive Industrien unter anderem mithilfe von grünem Wasserstoff in den Markt bringt. Gerade in strategisch wichtigen Industrien wollen wir Wertschöpfung und Jobs in Europa halten. Wir sehen die Industrialisierung von Cleantech als die Basis unserer künftigen Wettbewerbsfähigkeit an. Das funktioniert nur durch gut koordinierte Zusammenarbeit in Wertschöpfungsketten von Rohmaterialien bis Recycling.
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Wie vernetzen Sie sich, um beispielsweise die Solarindustrie oder die Batterieproduzenten zu unterstützen?
Im Rahmen unserer Industrieinitiativen wie der Europäischen Batterieallianz geht es um mehr als eine reine Vernetzung von Start-ups, Industriepartnern, Investoren und politischen Entscheidungsträgern. Wir erarbeiten gemeinsam Zielbilder und Aktionspläne. Im Zuge dessen geben wir unsere Empfehlungen für wirksame Instrumente und Maßnahmen ab, damit diese strategisch wichtigen Sektoren im internationalen Wettbewerb bestehen können. Dies reichen von Regulatorik bis zu Finanzierungsinstrumenten. (HS)
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Im Interview: Christian Bauer ist CEO von InnoEnergy für die DACH-Region und Mitglied des Vorstands der europäischen Holding KIC InnoEnergy SE. Bevor er zum Cleantech-Investor kam, war er über 20 Jahre in der Hightech- und Mobilitätsbranche tätig, zuletzt als CFO und Chief Commercial Officer bei Volocopter. Davor arbeitete er bei der Daimler AG im Business Development und M&A und war an Projekten mit Airbus, MyT axi, Here Technologies, Renault/Nissan und anderen beteiligt. Darüber hinaus leitete er eine Abteilung für Hightech-Kooperationen bei Mercedes-Benz, wo er Innovationen zur Marktreife brachte.
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