Der Projektentwickler Doppelernte baut derzeit in Riepholm, einem Ortsteil von Visselhövede südöstlich von Bremen, eine neue Agri‑PV‑Anlage. Der Generator entsteht als Trackersystem auf einer 16 Hektar großen Fläche mit einer Leistung von knapp neun Megawatt. Den Bau der Anlage als EPC hat Maxsolar übernommen.
Die Anlage wird so gebaut, dass die landwirtschaftliche Nutzung der Fläche weiterhin im Mittelpunkt steht. So bauen die Monteure von Maxsolar die Modulreihen mit einem Abstand von 13,80 Metern zueinander. So hat Bio-Landwirt Olaf Wilkens zwölf Meter Platz, um mit seinen Landmaschinen zwischen den Modulreihen wirtschaften zu können, wie er das auf dieser Fläche schon seit 33 Jahren tut.
Perfekte Kombination aus Landwirtschaft und Solarstrom
Dies ist eine besondere Herausforderung für den Bau der Anlage. „Bei der Agri-PV entstehen durch die besonderen Reihenabstände deutlich längere Kabelwege als bei einem klassischen Photovoltaikprojekt“, erklärt Anastasia Segovia, Unternehmenssprecherin und Leiterin Energiepolitik bei Maxsolar. „Das ändert auch den Bauablauf. Die Kabel müssen deutlich tiefer und deutlich früher verlegt werden, damit sichergestellt wird, dass der landwirtschaftliche Betrieb wirklich funktioniert.“
Es ist nicht die erste Photovoltaikanlage, die Olaf Wilkens errichtet. Begonnen hat er mit Solaranlagen auf den Dächern der Gebäude seines Hofs. „Irgendwann waren die Dachflächen voll und der Hof genügend versorgt. Wir wollten aber weitermachen“, berichtet Olaf Wilkens. Die Agri-PV war dann die folgerichtige Entscheidung. Vor fünf Jahren, als er die Idee hatte, war Agri-PV noch recht neu. „Für unsere Familie war es trotzdem die perfekte Kombination der beiden Bereiche“, sagt er.
Fläche bleibt beim Landwirt
Den passenden Partner hat die Familie mit Doppelernte gefunden. Das Unternehmen plante nicht nur die Anlage, sondern unterstützt die Wilkens auch tatkräftig bei der Kommunikation mit den Behörden sowie bei der Finanzierung der Anlage. „Anlagen wie diese sollen bei den Landwirten und Flächeneigentümern bleiben und nicht zwangsläufig an Investoren verpachtet werden“, betont Till Skudelny, Geschäftsführer von Doppelernte. „Wichtig ist nur, dass wir die Landwirtschaft nicht verdrängen, sondern ein gemeinsames Projekt schaffen. Bei Agri-PV muss die Landwirtschaft im Vordergrund stehen“, sagt er.
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Vorteilhafte Stromeinspeisung
Dennoch können diese Anlagen wirtschaftlich sein. Vor allem, wenn sie, wie in Riepholm, den Strom gleichmäßiger über den Tag hinweg produzieren und nicht nur in den Mittagsstunden Energie liefern, wie dies südaufgeständerte Solarparks tun. Diese drücken dann den Preis an der Börse und die Erlöse sinken, was mehr Ausgleich aus dem EEG-Konto notwendig macht. Der Tracker hat den Vorteil, dass er schon in den Morgenstunden mit der Produktion anfängt, wenn er, wie in Riepholm, perfekt in Richtung Osten ausgerichtet ist. Danach dreht er sich mit dem Lauf der Sonne in Richtung Westen. „Der Vorteil ist, dass die Sonne in den Morgen- und Abendstunden fast senkrecht auf die Module fällt und damit viel Strom produziert. Mittags hingegen steht die Sonne nicht so optimal für die Solarstromproduktion“, erklärt Olaf Wilkens. „In dieser Zeit haben wir aber ohnehin schon viel Solarstrom im Netz.“
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Damit kann der Landwirt den Strom in den Zeiten mit hohen Börsenstrompreisen verkaufen und damit höhere Erlöse erzielen. Dennoch ist der Bau eines zusätzlichen Batteriespeichers geplant, der zwei Stunden lang die volle Produktion der Solaranlage zwischenlagern und für die spätere Einspeisung vorhalten kann.
Menschen vor Ort beteiligen
Dennoch spielt die Förderung noch eine große Rolle. „Wir brauchen Förderungen, aber auch ohne Förderung sollten solche Anlagen funktionieren“, sagt Till Skudelny. „Zusätzlich spielt immer auch die Größe des Projekts eine Rolle.“ Doch die Familie wollte die Anlage nicht allein betreiben, sondern Menschen aus der Region beteiligen. Zur selben Zeit gründete sich in Visselhövede eine Bürgerenergiegenossenschaft, und beide Seiten taten sich zusammen. „Wir haben uns vor drei Jahren mit dem Ziel getroffen, eine Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) zu gründen, um nachhaltige Energie zu produzieren und regionale Wertschöpfung für möglichst viele Menschen vor Ort zu organisieren“, sagt Heiner Gerken von der BEG. Anfang 2025 wurde die BEG ins Genossenschaftsregister eingetragen. Ende 2025 gründete sie mit der Gesellschaft der Familie Wilkens die Betreibergesellschaft für die Anlage.
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Finanzierung gesichert
Gemeinsam mit den 96 Mitgliedern der BEG und den Mitteln der Familie Wilkens wurde ein Teil der Finanzierung gestemmt. „Damit hatten wir ausreichend Eigenkapital, um die Volksbank Lüneburger Heide zu überzeugen, unser Projekt zu finanzieren“, sagte Lukian Wilkens, Umweltingenieur und Sohn von Olaf Wilkens. „Entscheidend war auch das EEG. Große Photovoltaikanlagen verdienen ihr Geld heute primär an der Strombörse. Die Marktprämie sichert die Einnahmen aber ab, wenn die Preise niedrig sind. Ohne diese Absicherung hätte uns gar keine Bank diese Anlage finanziert“, berichtet er. Die Anlage hat an einer Ausschreibung teilgenommen und konnte sich dort eine Marktprämie sichern.
Lange Kabeltrasse verlegt
Die Anlage befindet sich derzeit im Bau. Die ersten Module sind schon installiert. Das Projekt soll noch bis Jahresende ans Netz gehen. Dazu musste eine 2,7 Kilometer lange Leitung zum nächsten Netzanschluss verlegt werden, damit der Strom in Zukunft ins Mittelspannungsnetz des regionalen Netzbetreibers Avacon fließen kann. (su)