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Christian Carraro von Solaredge: „Die Ära der reinen Photovoltaik ist vorbei“

Wie ist Solaredge durch das vergangene Jahr gekommen?

Christian Carraro: 2025 war für die Solarbranche insgesamt sehr herausfordernd. Wir haben wichtige Schritte unternommen, um das Geschäft zu stabilisieren und es kommerziell, operativ und finanziell wieder auf Kurs zu bringen.

Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um das Geschäft zu stabilisieren?

Unsere Strategie basierte auf vier Säulen. Wir haben unsere finanzielle Position gestärkt, indem wir uns auf profitable Aktivitäten konzentriert haben. Gleichzeitig konnten wir Marktanteile gewinnen, insbesondere in den USA, und unseren Go-to-Market-Ansatz in Europa verbessern. Innovation erhielt wieder höhere Priorität, mit wichtigen Vereinfachungen im Produktportfolio sowie erheblichen Investitionen in neue Produkte, etwa in unsere neue CSS-Lösung für das C&I-Segment und unsere mit Spannung erwartete Nexis-Lösung für den Wohnbereich.

Solaredge präsentiert dreiphasiges Nexis-System mit modularem Speicher

Wie haben Sie Produktion und Lieferkette weiterentwickelt?

Im vergangenen Jahr hat Solaredge seine Fertigungsprozesse intensiv weiterentwickelt. Wir haben nahezu unsere gesamte Produktionsbasis in die USA verlagert und profitieren dort von hochwertiger Fertigung, attraktiver Kostenstruktur und vereinfachter Logistik.

Für private und gewerbliche Anwendungen sind Sie auf Installationspartner angewiesen. Haben Sie neue Programme für diese Zielgruppe eingeführt?

Ein zentraler Fokus lag darauf, unsere Installationspartner sowohl im privaten als auch im gewerblichen Segment zu unterstützen. Wir haben neue Produkte entwickelt und auf den Markt gebracht, die gezielt auf ihre Anforderungen zugeschnitten sind. Und wir stellen technische Vertriebstools zur Unterstützung ihres Geschäfts bereit. Das haben wir in allen Märkten intensiv umgesetzt. In einem stagnierenden Markt ist es entscheidend, echten Mehrwert zu liefern, um sich von anderen Anbietern abzuheben.

Solaredge zeigt für Solarstrom optimierte Wallbox 

2025 war ein Jahr großer Veränderungen für die Branche. Welche Trends waren besonders bemerkenswert?

Wir sehen weltweit und in allen Segmenten eine wachsende Nachfrage nach Speicherlösungen. Besonders auffällig ist, dass wir nun auch in Frankreich und den Niederlanden endlich den Beginn eines echten Durchbruchs sehen. Zudem beobachten wir stärkeres Wachstum bei C&I-Speichern als je zuvor.

Sie haben Ihre Fabriken in den USA erwähnt. Bedeutet das, dass künftig alle Produkte für Europa von dort kommen?

Zunächst haben wir neue Fabriken in den Vereinigten Staaten aufgebaut. Alle neuen Produkte werden dort hergestellt und nach Europa geliefert. Inzwischen verfügen wir über drei Werke in den USA und haben bereits mit der Auslieferung einiger Produktfamilien nach Europa begonnen. Sehr bald werden alle Power Optimizer und Wechselrichter für private und gewerbliche Anwendungen aus Nordamerika kommen.

Neues Konzept steigert solaren Eigenverbrauch in Gewerbeimmobilien 

Das betrifft die Produktion. Was gibt es bei neuen Produkten?

Im vergangenen Jahr haben wir unser neues C&I-Speichersystem auf den Markt gebracht, das bereits stark nachgefragt wird. Batteriespeicher werden für gewerbliche Anwendungen zunehmend entscheidend – genauso wie im Wohnbereich. In diesem Jahr erweitern wir das Portfolio um eine größere Batterie mit 197 Kilowattstunden.

Solaredge begann als Anbieter von DC-Optimierern und später von Wechselrichtern. Wie hat sich das Unternehmen entwickelt?

Im Laufe der Jahre hat sich Solaredge vom Hersteller von Solarwechselrichtern zum Anbieter umfassender Lösungen entwickelt. Dazu gehören Solarenergie, Speicher, EV-Ladelösungen und Energiemanagementsysteme. Diese Entwicklung zeigt sich in all unseren neuen Produkten, etwa in unserer kommenden Nexis-Lösung. Dabei handelt es sich um einen innovativen Wechselrichter mit Multi-Range-Konzept, kombiniert mit modularer Speicherlösung für den Wohnbereich. Das Multi-Range-Konzept wird auf einen Großteil unserer Wechselrichter übertragen. Alle unsere Lösungen verfügen weiterhin über robuste Mechanismen für Sicherheit und Cybersecurity. Das bleibt für unsere Kunden ein entscheidender Aspekt – und das zu Recht.

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Welche sind die wichtigsten Märkte für Solaredge?

In den USA hat Wood Mackenzie berichtet, dass wir im dritten Quartal 2025 sowohl bei Wechselrichtern im Wohnbereich als auch im C&I-Segment Marktführer sind. Auch in Europa konnten wir unsere Position verbessern und sehen hier ein erhebliches langfristiges Potenzial.

Welche europäischen Länder haben sich besonders gut entwickelt?

Einige Märkte erholen sich schneller als andere, abhängig von den jeweiligen nationalen Rahmenbedingungen. Die DACH-Länder bleiben im Segment Solar plus Speicher sehr stark, insbesondere Deutschland. In Deutschland, Italien, den Niederlanden und im Vereinigten Königreich rücken Fragen der Netzstabilität stärker in den Fokus, wodurch Energiespeicher an Bedeutung gewinnen. Besonders dynamisch entwickelt sich der Markt derzeit in Italien und im Vereinigten Königreich, wo neue politische Rahmenbedingungen den Ausbau von Photovoltaik und Speichern zusätzlich fördern.

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Wo sind die größten Probleme aufgetreten?

Ich spreche lieber von Herausforderungen als von Problemen, denn sie lassen sich überwinden. In den Niederlanden sehen wir derzeit das Ende des Net Meterings. Das war erwartet worden und hat zunächst zum Rückgang neuer Photovoltaikinstallationen geführt. Gleichzeitig treibt es den Markt in Richtung einer reiferen Struktur und beschleunigt die Nachfrage nach Energiespeichern, was für Installateure große Zusatzchancen eröffnet. Wir sind mit unserem Produktportfolio gut darauf vorbereitet und haben bereits im vergangenen Jahr einen starken Anstieg bei Nachrüstlösungen für Speicher gesehen.

Und in Frankreich, das Sie zuvor erwähnt haben?

In Frankreich wurde der Markt durch die politische Situation und kurzfristige Änderungen der Förderregelungen im Januar 2025 gebremst. Diese Änderungen haben sich insbesondere im Wohnsegment bemerkbar gemacht, da die gesetzliche Unsicherheit zum Marktrückgang führte. Positiv für 2026 ist, dass die Rahmenbedingungen nun klarer sind und der Markt stärker auf Eigenverbrauch ausgerichtet sein dürfte. Das wird die Nachfrage nach höherwertigen Lösungen einschließlich Speicher ankurbeln.

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Und im Osten, etwa in Polen?

In Polen erwarten wir in naher Zukunft ein neues Förderprogramm, das den Wohnmarkt nach den jüngsten Turbulenzen unterstützen dürfte. Unsere Lösungen sind zudem im C&I-Segment sehr stark vertreten, wir haben zahlreiche neue C&I-Projekte in der Pipeline.

Wie lautet Ihr Ausblick für 2026?

Die Ära der reinen Photovoltaikanlagen ist vorbei. Dennoch gibt es viele Gründe für Optimismus. Speicherlösungen treiben den Solarmarkt zunehmend voran. Synchronisierte und effiziente Smart-Energy-Lösungen, die sich an den Bedürfnissen der Kunden orientieren, werden der Schlüssel zum Erfolg sein. C&I-Speicher werden sich in ganz Europa weiterentwickeln und große Marktchancen schaffen. Zugleich werden die Modernisierung älterer Anlagen und der Wunsch nach zuverlässiger Stromversorgung bei möglichen Netzausfällen die Installation von Speichern und neuer dezentraler Solarerzeugung vorantreiben.

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Erwarten Sie steigende Preise?

Nicht unbedingt – die Preise sind in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Natürlich passen wir uns den Marktbedingungen an, aber Solaredge konzentriert sich darauf, den Endkunden mit Premiumtechnologie zu wettbewerbsfähigen Preisen den größten Mehrwert zu bieten.

Verbessert die neue Produktionsstruktur auch Ihre Wettbewerbsfähigkeit?

Unsere neuen Produktionsstätten in den USA geben uns mehr Flexibilität und eine effizientere Kostenstruktur. Dadurch können wir im Markt wettbewerbsfähiger agieren, ohne zwangsläufig auf Margen verzichten zu müssen. In Kombination mit unserem Produktportfolio und den Marktchancen positioniert uns das gut für weiteres Wachstum.

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Bekommen Sie dadurch auch wieder mehr Luft zum Atmen?

Unsere neuen Produktionsstätten in den USA geben uns viel Flexibilität und eine effizientere Kostenstruktur. Dadurch können wir im Markt wettbewerbsfähiger auftreten, ohne zwingend Margen aufzugeben. Zusammen mit unserem starken Produktportfolio und den Marktchancen sind wir gut für Wachstum positioniert – und es gibt definitiv noch viel Raum nach oben.

Das Interview führte Heiko Schwarzburger.

Christian Carraro ist Vice President Europe Strategic Accounts and Programmes bei Solaredge. Er kam 2016 zum Unternehmen und verfügt über mehr als 17 Jahre Erfahrung in der Solarbranche mit Stationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Solarzellenfertigung über EPC bis zum Vertrieb. Vor seinem Wechsel zu Solaredge war er EMEA-General Manager bei Tigo Energy. Carraro hat Elektrotechnik an der Universität Genua in Italien studiert.