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Guy Schaaf von Socomec: „Jede Applikation bringt einen Gewinn“

Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Speichern in den verschiedenen Segmenten Gewerbe und Großspeicher?

Guy Schaaf: Die Entwicklung ist sehr gut. Wir haben jede Menge Anfragen und derzeit ein zweistelliges Wachstum.

Welche Segmente laufen gut bei Socomec?

Eigentlich alle, für die wir Produkte haben. Wir haben sehr viele Anfragen wegen Gebäudespeichern. Hier geht es vor allem um Speicher im mittleren Leistungsbereich für die Nachrüstung von bestehenden Photovoltaikanlagen. Wir verzeichnen aber auch eine wachsende Nachfrage nach Speichern zur Unterstützung der Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität. In diesem Bereich werden die Speicher gebaut, um die bestehende Anschlussleistung nicht ausbauen zu müssen.

Ist das wirtschaftlich?

Ja. Die Ladeinfrastruktur wird neben oder in Gebäuden gebaut, deren Netzanschlussleistung dafür gar nicht ausgelegt ist. Deshalb müsste diese eigentlich ausgebaut werden oder die Last mit einem Speicher abgepuffert werden. Neue Kabel zu ziehen, ist sehr teuer. Speicher können da preislich jetzt schon mithalten. In manchen Fällen sind sie sogar preiswerter. Denn oft wird vergessen, dass wir uns hier immer hinter einem Trafo befinden. Meist sind die Trafos aber schon maximal ausgelastet. Wenn dann noch eine umfangreiche oder leistungsstarke Ladeinfrastruktur hinzukommt, müssen die Trafos erneuert werden. In einem solchen Fall ist der Speicher die preiswertere Lösung. Ganz davon abgesehen, dass derzeit die Lieferzeiten für Trafos extrem lang sind und ein Speicher viel schneller zur Verfügung steht. Deshalb ist die Nachfrage in Kombination mit Ladesäulen und Photovoltaik riesig.

Und wie sieht es im Bereich der großen Speicher fürs Netz aus?

Auch in diesem Segment setzen wir immer mehr Projekte um. Da geht es vor allem um die Netzunterstützung durch den Speicher. Denn diese kostet viel Geld, wenn die Netzbetreiber sie kaufen müssten. Auch der notwendige Ausbau der Netze ist sehr teuer. Deshalb sind die Netzbetreiber inzwischen so weit, dass sie das Netz mit Speichern unterstützen, wenn es ausgelastet ist. Da geht es auch um die Machbarkeit. Denn selbst wenn die Netzbetreiber bereit wären, die Investition in den Netzausbau zu tätigen, bekommen sie derzeit weder das Material noch die Installateure dafür. Da geht der Bau eines Speichers viel schneller.

Ist auch die direkte Kopplung von Solarparks und Speicher ein Thema bei den ganz großen Speichern?

Die ganz großen Solarparks sehe ich in Deutschland derzeit nicht so sehr. Aber das ist auch nicht unser Zielmarkt. Wir konzentrieren uns in diesem Bereich auf das Segment der mittelgroßen Solarparks. Hier sehen wir, dass die Projekte immer mehr mit Speicher geplant werden.

Welche Geschäftsmodelle sind bei Gewerbespeichern relevant?

In der Industrie geht es in erster Linie um die Optimierung der Energiekosten, vor allem mittels Peak Shaving, also der Lastspitzenkappung. Dazu kommt noch, dass die ersten Unternehmen auch ihren Stromeinkauf mit dem Speicher optimieren. Das heißt, sie kaufen Strom, wenn er wenig kostet und speichern ihn ein. Wenn der Strom teurer ist, nutzen sie den Vorrat und können dann den Strombezug in den Hochpreisphasen reduzieren. Neben dem Peak Shaving und der Tarifoptimierung spielt bei Unternehmen aber immer mehr Insel- oder Ersatzstromfunktionen eine Rolle.

Warum ist das für Unternehmen so wichtig, angesichts eines sehr stabilen Netzes in Deutschland?

Da geht es um Sicherheit. Die Unternehmen wollen über einen gewissen Zeitraum komplett autark sein – mindestens einen halben Tag oder gar einen ganzen Tag, um Prozesse abzusichern. Da geht es nicht um eine Viertelstunde, sondern um komplette Stromversorgung, wenn etwas passiert. Gerade in Produktionsbetrieben ist es das Schlimmste, den Prozess abrupt abzubrechen. Das kostet viel Geld. Deshalb wollen die Unternehmen im Falle eines Stromausfalls die Produktionsprozesse zu Ende führen und geordnet beenden. Wenn der Stromausfall nur zwei bis drei Stunden dauert, können sie sogar ohne Unterbrechung weiterproduzieren. Sie nutzen in diesem Fall einen Teil des Speichervolumens ausschließlich dafür, über diesen Zeitraum autark zu sein.

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Das ist mehr als eine unterbrechungsfreie Stromversorgung – USV?

Ja. Denn die USV übernimmt nur die kritische Last beziehungsweise die kritischen Prozesse. Diese dürfen nicht länger als einige Millisekunden unterbrochen werden. Die Speicher sind so in die Gebäudeversorgung eingebunden, dass sie, wenn der Hauptanschluss abgeschaltet wird, alles mit Strom versorgen. Innerhalb von 20-30 Millisekunden können sie einspringen, wenn der Strom ausfällt. Das ist auch für kritische Prozesse schnell genug.

Wirkt sich die Ersatzstromversorgung auf die Größe des Speichers aus?

Natürlich. Doch das Prinzip ist nicht neu. Nur dass man es früher mit Diesel gemacht hat, und jetzt machen es die Unternehmen mit Speichern, die sie noch für andere Zwecke einsetzen können. Die Unternehmen kaufen den Speicher entsprechend größer, je nachdem, wie viel Strom sie für den Betrieb von drei bis sechs Stunden oder für die geordnete Beendigung der Prozesse brauchen. Doch dann haben sie immer Strom auf Lager, falls etwas passiert

Wie kann man einen Speicher am wirtschaftlichsten betreiben, so dass er sich schnell amortisiert?

Der Vorteil von Speicherlösungen ist, dass man mit einem Produkt mehrere Faktoren beeinflussen kann. Jede Applikation bringt einen Gewinn. Deshalb ist es wichtig, immer so viele Betriebskonzepte wie möglich umzusetzen, also Kombinationen von verschiedenen Funktionen. Jede einzelne bringt einen Teil an Ersparnis oder einen Gewinn und wenn man alles zusammenzählt, hat man sehr kurze Amortisationszeiten. Diese liegen in guten Fällen unter zwei Jahren. Die meisten Projekte, die wir umsetzen, liegen zwischen zwei und fünf Jahren Amortisationszeit. Diese verkürzt sich, je mehr Funktionen des Speichers genutzt werden.

Haben Sie ein Beispiel?

In der Regel geht es um Großverbraucher. Denn da kann man mehr einsparen. Wir haben eine Studie mit einem Rechenzentrum durchgeführt. Dieses hat eine Grundlast von etwa 1,5 Megawatt. Die Spitzenlast liegt bei 1,8 Megawatt. Diese wird aber vor allem an zehn bis 15 ganz heißen Sommertagen gebraucht und dann auch nur zehn bis zwölf Stunden pro Tag. Mit der installierten Speicherlösung kann diese Spitzenlast reduziert werden. Dadurch sinkt die notwendige Netzanschlussleistung. Auf diese Weise erreichen wir in diesem Fall eine Amortisationszeit allein mit dem Peak Shaving und der Optimierung des Eigenverbrauchs des selbst produzierten Solarstroms von zwei Jahren. Das Ganze läuft mit einer automatisierten Prognose zur Optimierung des Speicherbetriebs.

Mit welchen Geschäftsmodellen werden die großen Speichercontainer für die Netzbetreiber errichtet?

Hier gibt es zwei Möglichkeiten. Eine davon ist das Einsparen von Netzausbau. Bei der zweiten Möglichkeit geht es darum, immer ausreichend Energie zur Verfügung zu haben. Wir haben ein Projekt mit einem Netzbetreiber in Österreich umgesetzt. Dieser hatte viel Wasserkraft im Portfolio. Doch Wasserkraft ist nicht so stetig in der Produktion und auch im Verbrauch gab es viele Spitzen. Um diese Situation zu stabilisieren, wurde der Speicher gebaut. Damit werden auch die großen Netzspeicher für das Peak Shaving installiert.

Das Interview führte Sven Ullrich.

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