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Christian Löffler von Tesvolt: „Großspeicher profitiert von der Volatilität am Strommarkt“

Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Speichern in den verschiedenen Segmenten Gewerbe und Großspeicher?

Besonders im Segment der Großspeicher im Utility Bereich stellen wir eine deutlich erhöhte Nachfrage fest. Das ist gerade auch mit Blick auf das Jahr 2022 eine Veränderung, wo es spätestens seit dem russischen Überfall auf die Ukraine ein Nachfragehoch bei kleineren und mittleren Gewerbespeichern gab. Trotzdem sehen wir auch im Bereich Gewerbe und Industrie, also bei Schranksystemen oder kleineren Containerlösungen, weiter Wachstumsraten im zweistelligen Bereich.

Mit welcher Nachfrageentwicklung rechnen Sie in den nächsten Monaten?

Wir erwarten eine steigende Nachfrage in allen Segmenten und besonders bei den Großspeicherlösungen. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage in Deutschland, Europa und der Welt wird sich dieses aber vermutlich nicht mit derselben Geschwindigkeit der letzten Jahre entwickeln.

Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?

Im Bereiche Gewerbe und Industrie verlangsamt sich das Wachstum aufgrund der aktuellen Zinslage und je nach Region unsicheren politischen Rahmenbedingungen. Dagegen stehen aber auch Planungen für wirtschaftspolitische Förderprogramme wie der Inflation Reduction Act in den USA oder Wachstumschancengesetz in Deutschland, die diesen negativen Faktoren entgegenwirken sollen. Im Bereich Großspeicher profitiert der Markt vom steigenden Ausbau der erneuerbaren Energien und der auch dadurch zunehmenden Volatilität im Strommarkt. Hier stellen wir beispielsweise ein gestiegenes Interesse im Bereich Primärregelleistung und Arbitrage-Handel fest.

Welche Länder sind Wachstumsmärkte?

In den für uns relevanten Regionen sehen wir Potenziale vor allem in Deutschland, Italien und Spanien – vor allem im Bereich der Großspeicher. Daneben sind auch Großbritannien und die USA interessante Märkte mit guten Wachstumspotenzialen.

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Welche Geschäftsmodelle sind bei Gewerbespeichern relevant?

Weiterhin sind die Eigenverbrauchsoptimierung und die Lastspitzenkappung die am meisten nachgefragten Anwendungen im Bereich Gewerbe und Industrie. Danach folgen die Anwendungen im Bereich des Ersatzstroms und der Nulleinspeisung sowie die Ladesäulensteuerung. Gerade letztere lassen auf den fortschreitenden, strukturellen Umbau des Energiesystems schließen.

Mit welchen Geschäftsmodellen werden die großen Speichercontainer errichtet – geht es da ausschließlich um Netzbetreiber, die damit Netze stabilisieren wollen oder kommen inzwischen auch Nachfragen von Solarparkentwicklern, die die Anlagen mit Speichern kombinieren?

Tatsächlich stellen wir eine höhere Nachfrage von Seiten der Solarparkentwickler fest. Wie bei den Netzbetreibern geht es auch hier vorrangig um Netzdienstleistungen. Die Batteriespeicher sollen aber nicht nur das Stromnetz entlasten. Der gespeicherte Strom wird auch vermarktet, zum Beispiel über Arbitrage-Geschäfte oder die Teilnahme an Regelleistungsmärkten. Im internationalen Vergleich hat Deutschland hier auch noch einiges aufzuholen. Unsere europäischen Nachbarn haben bereits früher damit begonnen, Potovoltaikparks mit Großspeichern zu ergänzen.

Wie entwickeln sich die Speicherpreise in den verschiedenen Segmenten?

Im Lichte der wieder funktionierenden Lieferketten und der vorhandenen Warenverfügbarkeit sehen wir eine leichte Preisreduktion über alle Segmente hinweg.

Wie entwickelt sich die Wettbewerbssituation am Markt – auch mit Blick auf nicht-europäische Anbieter?

Wenig überraschend dringen momentan besonders aus China neue Unternehmen nach Europa. Deren Produkte zeichnen sich vor allem durch niedrige Preise aus – und leider auch durch unzureichende Zertifizierungen und Tests. Das stellt ein nicht zu unterschätzendes Risiko für den Kunden und ein großes Reputationsrisiko für unsere Branche dar.

Wie reagieren Sie auf diese Wettbewerbssituation?

Wir konzentrieren uns auf das, was wir können: hochqualitative, sichere Produkte, eine schnelle und kompetente Beratung des Installateurs sowie ein erstklassiger After-Sales-Service. Zudem genießt Tesvolt international ein hohes Vertrauen, was die genannten Eigenschaften angeht.

Wie relevant sind für die Kunden After-Sales-Services bei der Entscheidung für einen Speicher?

Aus unserer Erfahrung ist den Installateuren ein verlässlicher und kompetenter After-Sales-Service durchaus wichtig. Gerade bei komplexeren Projekten erleichtert ein enger Austausch zwischen Installateur und Hersteller die zügige Umsetzung des Projekts und später auch die Behebung möglicher Probleme.

Die Fragen stellte Sven Ullrich.

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Zum Weiterlesen:

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