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Franz-Josef Feilmeier von Fenecon: „Der Markt befindet sich in einer harten Konsolidierung“

Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Speichersystemen derzeit?

Franz-Josef Feilmeier: Ausgehend von einem rasanten Wachstum mit Engpässen, Preissteigerungen und vielen Neulingen entlang der Wertschöpfungskette, hat sich die Nachfrage im Heimspeichermarkt seit dem Halbjahr unserer Wahrnehmung nach auf einem etwas reduzierten Niveau stabilisiert. Im Industriespeichermarkt, also beispielsweise bei Industriebetrieben und an Ladeparks oder auch in Solar- oder Windparks geht das dynamische Nachfragewachstum dagegen gerade erst so richtig los.

Mit welcher weiteren Entwicklung rechnen Sie in den nächsten Monaten?

Wir gehen davon aus, dass Faktoren wie die Möglichkeit des Repowerings von Dachanlagen zu einer großen Nachfrage in allen Eigenverbrauchssegmenten der Photovoltaik führen wird. Die Kunden hier werden dann auf demselben Dach Alt- und Neuanlagen betreiben und häufig in die Sektorenkopplung gehen, was die Nachfrage insbesondere auf Speicher mit Wachstums- und Anpassungspotenzial lenken wird. Ebenso rechnen wir mit einem großen Bedarf an Speicher für Ladeparks, insbesondere beim Laden am Arbeitsplatz. Daneben sehen wir – zusätzlich zu den Speicherprojekten in der Innovationsausschreibung – aktuell sehr viele Großspeicher an Umspannwerken oder an Solarparks in der Projektentwicklung, die dann an der Strombörse vermarktet werden.

Wie entwickeln sich die Preise für Energiespeicher in den einzelnen Segmenten?

In den ersten Stufen der Wertschöpfungskette sind die Preise bereits massiv gefallen. So hat sich der Lithiumcarbonat-Preis seit Mitte des Jahres halbiert. Im Vergleich zu den Preishöchstständen vor einem Jahr ging es sogar um 75 Prozent nach unten. Entsprechend kosten auch Batteriezellen und Batteriemodule jetzt deutlich weniger als noch vor einem halben oder einem Jahr.

Das heißt, für die Endkunden werden die Speicher demnächst bald billiger?

Das Problem ist, dass diese Kosten häufig noch nicht beim Installateur ankommen. Denn die Händler und Importeure haben die Lager voll und die Ware noch teuer eingekauft. Diese Bestände abzuwerten wird zwar weh tun und den Markt bereinigen, aber es ist unumgänglich. Wir werden bis Mitte dieses Jahres ein allgemeines Preisniveau auf dem Markt sehen, das bisher nur auf der einen Seite kleine Hersteller im Abverkauf oder eben am Markt erfolgreiche Hersteller mit entsprechend geringen Lagerbeständen erreichen können.

Wie entwickelt sich die Situation am Markt mit Blick auf die Konkurrenz aus Fernost – drängen beispielsweise mehr chinesische Hersteller auf den Markt?

Das war tatsächlich Ende 2022 und noch bis zur Intersolar und EES der Fall. Jetzt sehen diese aber klar, dass es auf dem Heimspeichermarkt in Europa nichts mehr zu holen gibt und ziehen sich wieder – häufig unter Schmerzen, massiv reduzierten Abverkaufspreisen – aus dem Markt zurück. Der gesamte Markt befindet sich derzeit in einer harten Konsolidierung wo Produkte und Hersteller ohne ausreichend Fokussierung auf den deutschen oder europäischen Markt an sich, aber auch ohne Fokus auf das Produkt Heimspeicher und die Bedürfnisse der Kunden aktiv aussortiert werden. Am Ende werden wir hierzulande viel weniger chinesische Anbieter auf dem Markt haben und einen höheren inländischen Wertschöpfungsanteil bei Speicher- und Energiemanagementsystemen sehen.

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Was bedeutet das für Fenecon?

Wir sehen beispielsweise, dass der Großhandel derzeit mit Nachdruck versucht, die Lagerbestände an Batterien abzubauen. Gleichzeitig versuchen manche Hersteller verzweifelt, die einmal aus dem Handel bestellten auch zu liefern und abzurechnen – das verursacht große Spannungen zwischen Herstellern und Händlern. Wir gehen an dieser Stelle fair und zukunftsorientiert mit unseren Partnern um und haben das Glück einer großen, durch den Handel durchgreifenden Nachfrage durch Endkunden und Installateure. Wenn diese Händler nun ihr Speicherportfolio für die Zukunft straffen, sind wir dabei und arbeiten mit den zu uns passenden Partnern gerne weiter zusammen. Derzeit sind unsere Schulungen zu Energiemanagementfunktionen sehr gefragt, weil sich besonders auch hier die Marktbereinigung zeigen wird.

Wie stabil ist die europäische Speicherindustrie aus Ihrer Sicht aufgestellt – auch mit Blick auf die Kapazitäten von Batteriezellen?

Die führenden europäischen Heim-, Gewerbe- und Industriespeicherhersteller sind in ihren Segmenten jeweils stark positioniert und haben alle ähnliche Fertigungstiefen. Häufig werden Systeme und Elektronik hier entwickelt und Software programmiert. Die Batteriezellen kommen jedoch in der Regel aus China. Und auch wenn gerade große Kapazitäten für die Batteriezellfertigung in verschiedenen europäischen Ländern aufgebaut werden, sind diese in aller Regel vorrangig für die Elektrofahrzeugindustrie bestimmt. Insbesondere LFP-Batteriezellen für Heimspeicher werden daher weiterhin vorrangig aus China kommen.

Wird sich das ändern?

Die losgetretene Konsolidierungswelle wird auch den ein oder anderen großen Hersteller aus China kalt erwischen und hierzulande zu Kollateralschäden im Handel und bei Installateuren führen. Europäische Speicherhersteller werden insgesamt gestärkt aus dieser Welle hervorgehen. Sie haben dann das Potenzial, weiter in die Wertschöpfung hinein zu wachsen und entsprechend in Produktionskapazitäten in Deutschland zu investieren.

Woher stammen die Batteriezellen, die Fenecon in den Speichern einsetzt?

Die LFP-Zellen in den Heimspeichern stammen aus China von unserem Batteriepartner CATL, der zumindest Automotive-Batteriezellen mittlerweile auch in Deutschland und Ungarn produziert. Die Produktion der Batteriemodule werden wir im kommenden Jahr dagegen weitgehend nach Deutschland holen, um hier Resilienz und Wertschöpfung aufzubauen. Bei den Großspeichern stammen bereits mehr und mehr Zellen oder Module aus Europa. Da wir diese allerdings als sogenannte Obsolet-Ware einsetzen, sind sie immer schon im Lande und hier entscheidet sich, ob es der Recyclingweg oder der Weg in einen Industriespeicher wird.

Welche technologischen Entwicklungen werden in den nächsten Monaten relevant – etwa mit Blick auf die Speichertechnologie – etwa mit Blick auf Natrium statt Lithium?

CATL ist bei der Natriumionentechnologie führend und wir haben uns gemeinsam vorgenommen, diese Batterietechnik inklusive der dafür notwendigen Entwicklungen im Systemdesign auf den deutschen Markt zu bringen. Ich denke auch aus anderen Richtungen werden wir diese Technologie sehen. Dabei wird es mit dieser jungen Technologie anfangs noch nicht möglich sein, die potenziellen Kostenvorteile auszuspielen. Aber als Branche sollte es uns ein Anliegen sein, den Bedarf an potentiellen Konfliktrohstoffen zu reduzieren und das schier unbegrenzte Potenzial von Natrium für die Speicherung zu erschließen. Ich gehe für die kommenden Jahre im Heimspeichersegment entsprechend von einem Nebeneinander von Lithium-Eisenphosphat und Natrium-Ionen aus. Und bei den Großspeichern wird der Markt ohnehin über die verfügbaren Elektrofahrzeug-Obsolet-Batterien dominiert.

Die Fragen stellte Sven Ullrich.

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