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BIPV 

„Jedes Gebäude ein Kraftwerk“

Die Stadt der Zukunft braucht mehr solare Gebäude. Wie ist die Entwicklung in diesem Segment in den vergangenen Jahren vorangekommen?

William Chen: Einige Architekten und Bauherren arbeiten derzeit noch lieber mit konventionellen Baumaterialien, von allem in der Fassade. Oft ist die Auseinandersetzung mit der Stromerzeugung in der Gebäudehülle noch eine Hürde.

Dazu kommt noch die Kostendebatte. Wie kann man damit umgehen?

Die Mehrkosten für ein solar aktives Bauelement werden durch die Energieerzeugung in wenigen Jahren wieder eingespielt. Zudem sind die Kosten für die Photovoltaik in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. Diese Entwicklung sollten wir jetzt auch für die Gebäudeintegration nutzen. Ich bin mir jedoch sicher, dass wir an den Punkt kommen, dass in allen neuen Gebäuden Glas verbaut wird, das Strom erzeugt. Entsprechend wird die Nachfrage steigen, wenn auch zögerlicher als am restlichen Solarmarkt.

Was brauchen die Architektur und die Solarbranche, um die BIPV schneller zu entwickeln?

Hier würde sicherlich die Unterstützung seitens der Europäischen Kommission weiterhelfen. Denn die Bauwerkintegration wird ein sehr wichtiger Teil der Energiewende und Europa muss in diesem Segment führend werden. Wir dürfen nicht darauf warten, was in den anderen Teilen der Welt mit der BIPV passiert.

Welche Regelungen wären denn da notwendig?

Die EU-Kommission hat einen Standard für Nullenergiehäuser im Neubau entwickelt. Das ist ein guter Ansatz und hilft uns weiter. Das muss jetzt für die Sanierung weiterentwickelt werden. In Zukunft sollten alle Gebäude zu einem kleinen Kraftwerk werden, das seinen eigenen Strom in der Hülle erzeugt.

Dennoch geht die Anwendung der vorhanden Produkte langsam voran. Woran liegt es?

Zum einen ist die Anwendung für die Bauwirtschaft nicht einfach. Elektrizität in der Gebäudehülle ist ein eher neues Thema, das noch Unsicherheiten bereithält. Oft fehlen Kenntnisse und Erfahrungswerte, wie die Photovoltaik in die Fassade integriert werden kann – auch auf ästhetische Art und Weise. Hier sind unter anderem die Kammern und Architektenvereinigungen gefordert.

Was können die Verbände und Kammern tun?

Wir wünschen uns, dass BIPV mehr Relevanz in der Aus- und Weiterbildung der Architekten enthält. Darüber hinaus würde ein Anreizprogramm für die Bauindustrie zur Einbeziehung von Photovoltaik in Neubau und Renovierungen sicherlich dazu beitragen, fortschrittlichere Entwicklungen und Beschäftigungsmöglichkeiten in diesem Segment zu schaffen. Das Programm kann zusammen mit anderen Faktoren wie Energieverbrauchsetiketten und der Entwicklung der Produkteffizienz durchgeführt werden.

Das setzt natürlich entsprechende Baumaterialien voraus. Was hat Aleo Solar dafür im Portfolio?

Wir haben verschiedene Produkte entwickelt. Unser Portfolio für die Bauwerkintegration reicht vom Doppelglaselement mit zweimal Vier-Millimeter-Sicherheitsglas für die Fassade, Carports oder andere Anwendungen zur Überkopfverglasung bis hin zum Isolierglas, das Architekten in Pfosten-Riegel-Konstruktionen einfügen können. Diese Produkte sind alle zertifizierte Bauprodukte. Dazu kommen noch unsere Module für das Solrif-System der Ernst Schweizer AG, die in das Dach integriert werden.

Mit Blick auf das solare Gebäude: Welche Weiterentwicklungen auf der Modulseite können Sie sich hier vorstellen – oder verfolgen Sie sogar schon?

Der nächste Schritt, den wir verfolgen, ist die Kooperation mit der Bauindustrie. Denn es ist wichtig, dass die Hersteller von Baumaterialien und die Solarindustrie zusammen innovative Produkte entwickeln und diese in den Markt bringen. Wir starten jetzt solche Kooperationen zunächst in Europa als Blaupause für die weitere Zusammenarbeit mit Baustoffherstellern in anderen Teilen der Welt.

Das Gespräch führte Sven Ullrich.

William Chen
ist Geschäftsführer von Aleo Solar. Der Modulhersteller fertigt in seiner Fabrik im brandenburgischen Prenzlau ein umfangreiches Sortiment an Produkten für die Bauwerkintegration der Photovoltaik.

Foto: Aleo Solar