Der Krieg der USA gegen den Iran war auch Thema auf der diesjährigen Frühjahrskonferenz von PV Austria. Mehr als 450 Handwerker, Planer, Projektierer und Investoren haben sich in Wien getroffen, um sich über die neuesten Entwicklungen unter anderem hinsichtlich der Marktbedingungen zu informieren. „Die Welt brennt, Anlagen, die bisher Energie geliefert haben, sind heute nur noch Rauch“, sagt Sepp Schellhorn (NEOS), Staatssekretär im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, mit Blick auf die Angriffe auf die Energieinfrastruktur am Persischen Golf. „Das beschäftigt uns. Wie können wir Sicherheit und Stabilität aufrechterhalten?“, fragt er in die Runde.
Ausbau geht zu langsam
Er warnt vor steigenden Preisen, wenn die Energieversorgung in Österreich nicht unabhängiger von den Krieg führenden Despoten in Ost und West wird. „Hier kommen die erneuerbaren Energien ins Spiel“, sagt Sepp Schellhorn. „Denn Photovoltaik ist nicht nur Klimaschutz, sondern auch Sicherheit. Jede Anlage, die wir errichten, ist ein Beitrag zur Stabilität unseres Energiesystems, und jede Verzögerung ist ein Beitrag zur Verhinderung von Resilienz.“
Schellhorn fordert mehr Tempo beim Ausbau. Dies wiederum setzt Rechtssicherheit und Stabilität bei den Regelungen voraus. Hier hat die Bundesregierung in Wien in jüngster Zeit eher das Tempo herausgenommen. Denn im vergangenen Jahr gingen 62.300 Anlagen mit einer Gesamtleistung von nur gut 1,6 Gigawatt ans Netz. „Das ist zu wenig“, betont Herbert Paierl, Präsident von PV Austria, mit Blick auf den jährlich notwendigen Zubau von Solaranlagen, um das Ziel der kompletten Umstellung der Stromversorgung auf Erneuerbare bis 2030 zu erreichen.
Zehn Gigawatt Photovoltaik sind am Netz
An diesem Ziel hat die Bundesregierung immerhin noch nicht gerüttelt. Derzeit sind erst Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von zehn Gigawatt installiert. Diese erzeugen zusammen rund 9,8 Terawattstunden Strom. „Dies ist eine enorme Leistung der gesamten Branche“, lobt Herbert Paierl. Doch Österreich benötigt bis 2030 etwa 21 Gigawattstunden Stromerzeugung aus Photovoltaik – mehr als das Doppelte des bisherigen.
Das wird mit den jetzigen Regelungen nicht gelingen. „Das Jahr 2026 wird ähnlich wie das Jahr 2025“, prognostiziert Herbert Paierl bezüglich des weiteren Ausbaus. Also noch ein Jahr Verzögerung.
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Was die Branche benötigt, hat Vera Immitzer, Geschäftsführerin von PV Austria, umrissen. „Die Branche braucht Klarheit und stabile gesetzliche Rahmenbedingungen“, sagt sie. Wenn jede neue Bundesregierung die Regeln wieder ändert, ist das nicht hilfreich.
Drei Maßnahmen für mehr Ausbau
Doch was ist kurzfristig möglich? „Wir benötigen drei Maßnahmen“, fordert Vera Immitzer. „Das Elektrizitätswirtschaftsgesetz – ElWG – wurde Ende 2025 nach vier Jahren Diskussion endlich verabschiedet. Das ist ein wichtiger Startschuss, doch es darf nicht der Schlusspunkt sein.“ Sie verweist dazu auf die zum größten Teil noch ausstehenden Begleitverordnungen zum ElWG. „Die E-Control muss zehn solcher Verordnungen erlassen. Zwei davon sind schon beschlossen, drei weitere sind bereits in Bearbeitung, die restlichen fünf fehlen noch. Das ist noch ein langer Weg.“
EABG beschließen
Außerdem muss jetzt dringend das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) beschlossen werden. „Es soll eine Beschleunigung bei den Dachanlagen, aber auch bei den Freiflächenanlagen bringen“, erklärt Vera Immitzer. „Für die Dachanlagen soll es dann einheitliche Genehmigungsverfahren in ganz Österreich geben. Denn bisher ist in Salzburg eine Anlage anders zu genehmigen als in Tirol. Wie das in einem kleinen Bundesland wie Österreich zusammenpasst, erklärt sich mir nicht.“
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Immitzer fordert aber auch Nachbesserungen, primär bei den Ausbauzielen, die dort festgeschrieben werden sollen. Diese sind zu niedrig. „Einige Bundesländer hätten dann ihre Ausbauziele jetzt schon erreicht. Die Bundesländer selbst haben teilweise höhere Ziele. Das ist äußerst kurios. Da muss man nachbessern.“ Obendrein bemängelt sie fehlende Sanktionen für die Bundesländer, wenn diese ihre Ziele nicht erfüllen. „Da wurde zwar in den vergangenen Wochen angekündigt, dass man überlegt, Sanktionsmechanismen einzuführen. Aber da müssen wir schauen, was es dann konkret wirklich ins Parlament schafft, ob man sich wirklich traut, die Bundesländer zu bestrafen“, sagt die PV-Austria-Chefin.
Speicheroffensive einführen
Eine dritte Maßnahme ist die Einführung einer Speicheroffensive. „Photovoltaik und Speicher werden in Zukunft fast nur noch im Duo verbaut“, ist sich Vera Immitzer sicher. „Für diese Speicheroffensive brauchen wir einen klaren Ausbaupfad. Wir müssen wissen, wann, wie viel Speicherkapazität benötigt wird.“
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Um den Ausbau abzusichern, sind Anreize notwendig. „Dazu gehört eine gezielte finanzielle Unterstützung, aber auch der Abbau regulatorischer Hürden, hier hauptsächlich im Bereich der Genehmigung“, sagt Immitzer. „Es geht bei den Batterien aber nicht nur um die finanzielle Förderung, sondern auch beispielsweise um die Befreiung von Netzgebühren.“ Zudem sei nur über eine Förderung auch der netz- und systemdienliche Betrieb von Speichern erreichbar.
Strompreise sinken mit Erneuerbaren
Denn die Netze sind in Österreich immer noch das Nadelöhr, wie sich in den weiteren Podiumsdiskussionen auf der Konferenz herauskristallisierte. Dessen Ertüchtigung und Ausbau sind aber dringend notwendig, um die Unabhängigkeit von den fossilen Energieträgern wie geplant zu schaffen. PV-Austria-Präsident Herbert Paierl verweist dazu auf eine Studie, die zeigt, dass eine Verachtfachung der Speicherkapazitäten in Österreich notwendig ist. „Außerdem ist durch eine intelligente Dimensionierung der Speicher die Senkung der Netzausbaukosten um bis zu ein Drittel möglich“, sagt er.
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Dadurch könnten mehr Erneuerbare ins Netz integriert werden, was wiederum zur Preisstabilisierung beiträgt. Herbert Paierl zeigte dazu exemplarisch die Entwicklung der Strompreise in Österreich. Hier wurde klar: „Immer wenn viele Erneuerbare im Netz sind, ist der Preis unten, und immer wenn die Erneuerbaren weg sind, schießt der Preis in die Höhe“, sagt der PV-Austria-Präsident. Das ist eine wichtige Information, gerade in Zeiten, in denen die Internationale Energieagentur (IEA) von zwei Ölkrisen und einem Gaskollaps gleichzeitig spricht, wie Sepp Schellhorn betont. (su)