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„Von der Ukraine können wir viel über Resilienz lernen“

Eine Reise in die Ukraine ist alles andere als ein Spaziergang. Wie sind Sie empfangen worden?

Jörg Ebel: Aus Sicherheitsgründen reisten wir mit dem Zug an, 18 Stunden von Berlin. Kiyv wurde am Tag unserer Ankunft mehrfach mit Luftangriffen überzogen. Deswegen mussten wir zwei Stunden in einem Waldstück warten, bis wir weiterfahren konnten. Wir hatten den Bahnhof in der ukrainischen Hauptstadt gerade erreicht, als erneut die Sirenen heulten. Die Angriffe dauerten während des gesamten Aufenthalts an. Das ist Terror gegen die Zivilbevölkerung, mitten in Europa.

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Waren Sie zum ersten Mal in der Ukraine nach Beginn der russischen Invasion?

Nein, nicht zum ersten Mal. Jede Reise ist ein Zeichen, denn man ist vor Ort, das wird von den Ukrainern hochgeschätzt. Und man kann dort viel lernen, beispielsweise wie Dinge irre schnell repariert neu aufgebaut werden.

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Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie für die Solarwirtschaft?

Wir müssen die Ukraine und Europa stark machen. Im Energiesektor ist die Photovoltaik dafür entscheidend. Wir können viel von der Ukraine lernen, wo Resilienz und Sicherheit der Versorgung ganz oben auf der Tagesordnung stehen. Das Land und vor allem seine Hauptstadt stehen unter schwersten Belastungen. Mich hat tief beeindruckt, wie souverän die Ukrainerinnen und Ukrainer damit umgehen, wie unglaublich schnell zerstörte Strukturen repariert und wiederaufgebaut werden.

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Welche Rolle spielt die Photovoltaik derzeit in der Ukraine?

Regierung und Wirtschaft haben verstanden, wie wichtig Solaranlagen für die resiliente Versorgung sind. Derzeit werden rund zehn Prozent des Bedarfs aus Photovoltaik gedeckt. Der Zubau von Solaranlagen und Speichersystemen ist bemerkenswert, ein echter Boom. Nach Zahlen von Solar Power Europe ist die Ukraine mittlerweile der viertgrößte Markt für Speicherbatterien in Europa. Das schafft ein starkes Gegengewicht gegen die Zerstörungen durch den russischen Aggressor.

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Welche Anlagengrößen werden besonders schnell gebaut?

Die dynamische Entwicklung zeigt sich bei Steckersolargeräten ebenso wie bei Eigenheimen, C&I oder Solarparks. In allen Segmenten geht es deutlich vorwärts. Für Speicher gab es wichtige Erleichterungen, sie brauchen fast keine Genehmigungen mehr, abgesehen von Abstimmungen mit regionalen Netzbetreibern. Der Prozess wurde sehr vereinfacht.

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Gibt es noch Hürden, die den Zubau erschweren?

Das war ein wichtiger Teil meines Besuchs: Hindernisse bei den Gesprächen mit der ukrainischen Regierung anzusprechen, um sie weiter zu minimieren. Diese Gespräche werden wir in den kommenden Wochen vertiefen. Das Interesse an deutschen Investoren ist sehr groß, vor allem an Investitionen aus der Solarwirtschaft und der Speicherbranche.

Die Ukraine befindet sich im Krieg. Lässt das nicht manche Investoren zögern?

Das Zögern ist verständlich, doch es gibt Möglichkeiten, Investitionen in der Ukraine zu sichern. Dazu gehören beispielsweise Programme der EBRD zur Finanzierung, Risikoabsicherung durch die DEG und Investitionsgarantien. Und natürlich berät hier auch der BSW Solar. Vor allem Speicher sind von überragendem Interesse. Sie halten die Häuser warm und die Wirtschaft am Laufen, wenn Netze und Kraftwerke durch russischen Beschuss ausfallen.

Carsten Schneider sitzt im Bundeskabinett, er verhandelt mit Bundeswirtschaftsministerin Reiche (CDU) unter anderem über das neue EEG. Konnten Sie mit ihm über deutsche Energiepolitik sprechen?

Die deutsche Energiepolitik ist immer ein wichtiges Thema. Und zum EEG-Entwurf der Bundesregierung gibt es viele offene Fragen, die besonders für den Klimaschutzminister größte Bedeutung haben. In der Ukraine haben wir erlebt, welche Bedeutung ein dezentrales System mit Speicher und Solar für die resiliente Stromversorgung eines Landes hat. Ich würde mich freuen, wenn diese Einsicht dazu beiträgt, dass EEG an den entscheidenden Stellen, nämlich dem Angriff auf kleine Photovoltaikanlagen und das Netzpaket beim Redispatchvorbehalt, nachzubessern. Darauf drängt der BSW Solar regelmäßig im Austausch mit allen entscheidenden Akteuren.

Welches Fazit ziehen Sie aus Ihrer Reise?

Die Ukraine zeigt die entscheidende Rolle von Solar und Speichern, um resiliente und sichere Versorgungsstrukturen aufzubauen. Die Reise hat mir einmal mehr klargemacht, dass es bei diesem Krieg auch um uns geht, um unser Europa und unsere Freiheit, die wir jeden Tag genießen dürfen. In der Unterstützung der Ukraine dürfen wir nicht nachlassen, ganz im Gegenteil. (HS)

Im Interview: Jörg Ebel ist Präsident des Bundesverbands der Solarwirtschaft (BSW-Solar).