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Modernisierung

Revamping liefert bis 35 Prozent mehr Ertrag

Die Module wurden mit Kränen aufs Dach gehievt.

Foto: PV3 GmbH

Die Module wurden mit Kränen aufs Dach gehievt.
Die Module wurden stets als Einheiten je Wechselrichter getauscht.

Foto: PV3 GmbH

Die Module wurden stets als Einheiten je Wechselrichter getauscht.

Philippsburg ist deutschlandweit bekannt: Dort stand früher ein Atomkraftwerk, an dem so manche Straßenschlacht tobte. Im Spätherbst 2025 wurden die Kühltürme gesprengt, nun wird das AKW abgewrackt. Was viele nicht wissen: In Philippsburg wurde 2010 die seinerzeit größte Aufdachanlage gebaut, mit 7,4 Megawatt Solarleistung. Sie wurde jetzt nicht abgewrackt, sondern erneuert. Stichwort: Revamping.

Vor nunmehr 16 Jahren entstand die große Solaranlage auf dem Dach des europäischen Logistikzentrums von Goodyear Dunlop. Installiert wurden 96.000 Dünnschichtmodule, deren Leistung seitdem erheblich abgefallen ist. Sie wurden durch 16.000 leistungsstarke Siliziummodule ersetzt, aufgeständert auf zehn Grad. Vorher waren die Module dachparallel montiert.

Was bedeutet Revamping?

Das Ergebnis: Bei gleichbleibender Nennleistung liefert die Anlage bis zu 35 Prozent mehr Sonnenstrom. „Als wir 2010 die größte Aufdachanlage Deutschlands errichteten, wollten wir die erneuerbaren Energien vorantreiben“, erzählt Stephanie Lindner, Geschäftsführerin der Firma PV Julist. „Nun war es an der Zeit, der Anlage zu neuem Glanz zu verhelfen und ein Zeichen zu setzen für die Modernisierung des Bestands.“ PV Julist ist Eigentümer und Betreiber der Anlage.

Unter Revamping versteht man die technische Erneuerung von Photovoltaik­anlagen, ohne die gesamte Technik neu zu errichten. Veraltete oder defekte Komponenten werden ersetzt, um Erträge zu steigern, die Betriebssicherheit zu erhöhen und Anlagen an aktuelle technische sowie regulatorische Standards anzupassen.

Erfolgsfaktor Partnerschaft

Der wirtschaftliche Vorteil liegt in der Erhaltung intakter Komponenten. Wer noch eine attraktive Einspeisevergütung aus alten EEG-Verträgen bezieht, kann sie im Zuge des Revampings beibehalten. Bedingung ist, dass sich die Nennleistung der Anlage nicht erhöht.

Das bedeutet höhere Erträge, ­eine ressourcenschonende Nutzung vorhandener Komponenten und die schnelle Amortisation der Investition. Als PV3 Ende 2024 mit dem Revamping-Projekt in Philippsburg beauftragt wurde, zeigte sich schnell die hohe technische Komplexität, die ein Zusammenspiel von mehreren Parteien unabdingbar machte. Während die Projektleitung bei PV3 lag, erforderte der Umbau echte Profis. Ursprünglich war die Unterkonstruktion der Anlage von der Schletter Group geliefert worden. Auch beim Revamping wurde Schletter beauftragt, ein Konzept für den Umbau zu erstellen. Der Umbau selbst wurde von der Firma GME Clean Power übernommen, inklusive Demontage und Remontage der Solarmodule.

Die wirtschaftliche Herausforderung

Betreiber von Photovoltaikanlagen wissen: Im Sommer werden die höchsten Erträge generiert. Der Umbau sollte genau in diesem Zeitraum stattfinden. Die Herausforderung lag darin, Ertragsausfälle weitgehend zu minimieren. Alle zehn Wechselrichter wurden also sukzessive nacheinander umgebaut.

Die Beteiligten entwickelten den Plan, alle Module eines Wechselrichters auszutauschen, bevor der Umbau des nächsten Wechselrichters beginnt. Letztendlich wurden nie mehr als zwei Wechselrichter gleichzeitig vom Netz genommen und der Ertragsverlust minimiert.

Upcycling statt Neubau

Zu Projektbeginn wurden alte Komponenten auf ihre Brauchbarkeit überprüft. Klar war: Die alten Dünnschichtmodule mussten vom Dach. Dagegen waren die AC-Installation mit den Generatoranschlusskästen und Wechselrichtern sowie die Kommunikationsverbindungen gut erhalten. Es reichte aus, sie an die neuen Modulstrings anzupassen.

Die dachparallele Unterkonstruktion wurde von der Schletter Group analysiert und begutachtet. Das Unternehmen entwickelte ein Montagekonzept für die Aufständerung mit zehn Grad nach Süden und lieferte die Gestelle. Die alten Solo-Profile wurden allesamt weiter genutzt.

Lediglich Auflager und Stützen für die Module wurden ausgetauscht. „Bei einer derart großen Anlage spart die Wiederverwendung der Profile natürlich enorm viel Zeit und Geld“, erläutert Manuel Schwarzmaier, Projektverantwortlicher bei der Schletter Group. „Außerdem verbessert es die Nachhaltigkeit, weil nur ein kleiner Teil der Montagekomponenten ausgetauscht werden musste.“

Sensible Dachstruktur

Nachdem Projektplanung sowie Prüfung der Altanlage erfolgreich abgeschlossen waren, stand der Umbau an. Doch es gab eine Herausforderung: die sensible Tragstruktur der Logistikhalle. Das Dach durfte keiner größeren Punktlast ausgesetzt werden. An dieser Stelle übernahm das Team der GME Clean Power AG und entwickelte eine Lösung mit schwebenden Lasten. Zwei Großkräne kamen auf den beiden Seiten des Daches gleichzeitig zum Einsatz.

Über die Kräne mit je 80 Metern Ausleger wurden die alten Module abtransportiert, gleichzeitig wurden neue Module angeliefert und vom Kran aus installiert. Innerhalb von nur 13 Wochen waren alle Module ausgetauscht. „Revamping ist kein Plug and Play, sondern ein vielschichtiger Prozess, der tiefgehende technische und wirtschaftliche Analyse erfordert“, sagt Tobias Söhnchen, Projektleiter bei PV3. „Nur individuelle Planung gewährleistet, dass das Projekt technisch umsetzbar und wirtschaftlich sinnvoll ist.“

Keine Abnahme ohne Qualitätskontrolle

Nach Abschluss der Umbauarbeiten folgte eine umfangreiche Qualitäts­kontrolle. Leider wird sie häufig bei solchen Projekten vernachlässigt, was zu Einbußen bei der Performance oder Schäden an der Anlage führen kann. Deshalb wurden Infrarot-Scans per Drohne und Elektrolumineszenz-Messungen durchgeführt, um thermografische Anomalien, Lost Substrings oder Zellrisse sichtbar zu machen.

Eine abschließende Hell- und Dunkel-Kennlinienmessung gab präzisen Aufschluss über den Leistungszustand der Module und den elektrischen Kontakt- beziehungsweise Leitungswiderstand im String. Nach kleineren Nacharbeiten erfolgte die Abnahme durch einen öffentlich bestellten Gutachter.

Das ambitionierte Umbauprojekt im Auftrag von PV Julist hat im ­November 2025 sein Ende gefunden. Es zeigt eindrucksvoll, dass „neu“ nicht automatisch „besser“ bedeutet. Häufig steckt das größere Potenzial in der Optimierung bestehender Anlagen. Das Revamping kann Anlagen nachhaltig modernisieren und ihren Ertrag signifikant steigern. Eine Investi­tion, die sich schnell amortisiert.

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