photovoltaik Ausgabe: 05-2018

Denersol

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„Inseln wie die Kanaren haben in Spanien frühzeitig eine Pionierrolle übernommen“

Wie entwickelt sich der Heimspeichermarkt in Spanien?

Dietmar Geckeler: Im Großen und Ganzen verhalten positiv, aber noch auf niedrigem Niveau. Ende 2016 waren bei der zuständigen Behörde knapp 100 Batteriespeicher registriert, man kann davon ausgehen, dass in der Realität eher doppelt so viele installiert waren. Letztes Jahr hat sich der Zubau laut Schätzungen von Marktteilnehmern zumindest verdoppelt. Hier ist zu beachten, dass nur netzgekoppelte Batteriespeicher erfasst wurden. Die in Spanien stärker verbreiteten Offgrid- und Inselanlagen sind also nicht berücksichtigt.

Wie könnte der Markt mehr Schwung bekommen?

Bisher hakt es einerseits an fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten sowie der immer noch weit verbreiteten Meinung, dass Eigenverbrauch von Solarstrom und damit auch Batteriespeicher verboten seien. Inzwischen haben aber zahlreiche Bundesländer eigene Förderprogramme aufgelegt, die die Anschaffung von Heimspeichern mit teilweise bis zu 50 Prozent bezuschussen. Im Heimspeicherbereich ist Photovoltaik absolut ein Treiber für Speichersysteme.

Sind Gewerbe- oder große Industriespeicher gefragt?

2017 sind 30 Batteriespeicher mit einer Gesamtleistung von 26 Megawatt gebaut worden. Aufgrund des größeren Projektvolumens ist davon auszugehen, dass dies auch mehr oder weniger der installierten Kapazität entspricht. Gerade die Inseln wie die Kanaren haben sich dabei mit Pilotprojekten frühzeitig in eine Pionierrolle gebracht.

Welche Geschäftsmodelle funktionieren für Strompuffer im spanischen Energiesystem?

Man unterscheidet im Solarbereich zwischen Ausschreibungen mit Basisvergütung und Marktprämie. Dieses Modell hat aber ein hohes Risiko, da die Basisvergütung nur drei Jahre garantiert wird und unter dem Börsenstrompreis liegt. Dann gibt es Direktlieferverträge zwischen Marktteilnehmern, die in der Regel über zehn Jahre oder länger laufen. Und es gibt Eigenverbrauchsmodelle mit Überschuss- oder Nulleinspeisung.

Wie sieht es mit Stromhandel oder Netzdienstleistungen aus?

Generell gibt es in Spanien den klassischen Börsenstromhandel, ähnlich wie in Deutschland. Zudem werden Sekundärregelleistung, Minutenreserve sowie abschaltbare Lasten an einem regulierten Markt ausgeschrieben. Diese sind aber aktuell nicht lukrativ für Batteriespeicher. Interessant ist aber die Möglichkeit, fixe Stromnetzentgelte einzusparen. Konkret werden die Anschlussleistungen reduziert und die bereits überall verfügbaren zeitvariablen Tarife genutzt. Die beiden letzten Optionen funktionieren auch für Privathaushalte.

Treiben die Energiekonzerne die Energiewende voran?

Teilweise ja. Wobei vorantreiben sicherlich etwas zu optimistisch ist. Die großen Energieversorger wie Iberdrola, Endesa oder Gas Natural Fenosa sind aktuell, ähnlich wie in Deutschland, gefangen in ihrem Korsett aus bereits gebauten und eben noch nicht amortisierten Kraftwerken. Ende der 90er- Anfang der 2000er-Jahre haben die Energieversorger bis zum Platzen der Immobilienblase im Jahre 2007 große Kapazitäten an Gas- und Dampfkraftwerken aufgebaut. Diese hatten aber Ende der 2000er-Jahre immer geringere Laufzeiten aufgrund des Ausbaus von Solar- und Windkraftanlagen.

In den letzten sieben Jahren sind kaum Ökoenergieanlagen ans Netz gegangen.

Das lag vor allem am Druck der traditionellen Energiebranche. Zudem haben die letzten beiden Regierungen neben einem ersten Moratorium auch rechtliche und wirtschaftliche Hürden aufgebaut. Aufgrund der gesunkenen Preise investieren die Energieversorger aber wieder zunehmend in Photovoltaik. Hierbei tun sich vor allem die mittelgroßen Versorger wie beispielsweise Viesgo, aktuell Nummer fünf im spanischen Markt, hervor.

Wie entwickelt sich der Solarmarkt derzeit?

Die letzten sechs Jahre hat sich aufgrund der politischen Blockadehaltung so gut wie nichts getan. Der Markt stagniert auf einem sehr niedrigen Niveau zwischen 15 und 40 Megawatt Zubau pro Jahr. Letztes Jahr gab es dann aber zwei gemeinsame Sonderausschreibungen für Wind und Solar. Bei Solar wurden 3,5 Gigawatt bezuschlagt, die nun bis Ende 2020 gebaut werden sollen. Zudem gibt es viele Projekte in der Pipeline, die über Stromlieferverträge außerhalb jeglicher Förderung gebaut werden. Als weiterer positiver Aspekt ist zu nennen, dass der gemeinschaftliche Eigenverbrauch, der bis jetzt gesetzlich verboten war, nun möglich ist. Somit kann das Thema Photovoltaik in Mehrfamilienhäusern endlich rechtlich umgesetzt werden.

Das Interview führte Niels H. Petersen.

www.denersol.de

Dietmar Geckeler

ist Inhaber der Strategie- und Technologieberatung Denersol mit Sitz in Berlin. Der Ingenieur für Verfahrens- und Umwelttechnik berät Firmen aus der Energie- und Wohnungswirtschaft. Der Fokus liegt auf dezentraler Energieversorgung mit Schwerpunkten Solar, Photovoltaik sowie Speicher und BHKW. Geckeler hat viele Jahre in Spanien gelebt und gearbeitet.

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