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Allianz-Vorstand: Klimawandel bedroht Versicherbarkeit von Vermögenswerten

Günther Thallinger ist Allianz-Vorstands und Vorsitzender der UN-convened Net-Zero Asset Owner Alliance. Er warnt in einem Linkedin-Beitrag vor den Folgen des Klimawandels für die Versicherungs- und Finanzbranche. Steigende CO₂-Emissionen führen laut Thallinger zu einer Zunahme extremer Wetterereignisse wie Stürmen, Hitzewellen, Starkregen und Dürren. Diese Entwicklungen verursachen direkte physische Schäden an Infrastrukturen, Gebäuden und Produktionsanlagen. „Hitze und Wasser zerstören Kapital. Überflutete Häuser verlieren an Wert. Überhitzte Städte werden unbewohnbar. Ganze Anlageklassen verfallen in Echtzeit, was sich in Wertverlusten, Betriebsunterbrechungen und Marktentwertungen auf systemischer Ebene niederschlägt“, betont Thallinger.

Versicherungswirtschaft am Limit

Allianz SE

Die Versicherungsbranche habe diese Risiken bislang abgefedert. Doch mit steigenden Temperaturen – insbesondere bei einer Erwärmung um 1,5 bis 3 Grad Celsius – könnten Versicherer viele Risiken nicht mehr decken. Die Prämien würden dann das wirtschaftlich Tragbare übersteigen. Bereits heute ziehen sich Versicherer wie State Farm und Allstate aus besonders gefährdeten Regionen wie Kalifornien zurück.

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Thallinger sieht darin keinen Einzelfall, sondern einen systemischen Risikofaktor für das gesamte Finanzsystem. „Wenn Versicherungen nicht mehr verfügbar sind, werden auch andere Finanzdienstleistungen unzugänglich. Ein Haus, das nicht versichert werden kann, kann nicht mit einer Hypothek belastet werden“, erklärt er. „Keine Bank wird Kredite für unversicherbare Immobilien gewähren. Die Kreditmärkte frieren ein. Das ist eine klimabedingte Kreditklemme.“

Staatliche Hilfen stoßen an Grenzen

Auch staatliche Eingriffe könnten die Lücke laut Thallinger nicht dauerhaft schließen. Die Kosten für mehrere Großschadensereignisse innerhalb kurzer Zeit würden öffentliche Haushalte überfordern. Beispiele wie die 30 Milliarden Euro Fluthilfe in Deutschland 2021 oder die steigenden Katastrophenkosten in Australien zeigen die Belastungsgrenzen auf.

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Thallinger betont, dass viele Klimarisiken nicht durch Anpassungsmaßnahmen beherrschbar seien. Ab einer Erwärmung um 3 Grad Celsius sei eine Rückkehr zu niedrigeren Temperaturen auf absehbare Zeit ausgeschlossen. In diesem Szenario könnten Risiken weder versichert noch durch den Staat abgefedert oder durch Anpassung gemindert werden. Das hätte gravierende Folgen für Immobilienmärkte, Investitionen und die Stabilität des Finanzsystems.

Photovoltaik und andere Erneuerbare als Lösungsweg

Als einzige Lösung sieht Thallinger die konsequente Vermeidung weiterer Emissionen: „Es gibt nur einen Weg nach vorne: Jeden weiteren Anstieg des Energieniveaus in der Atmosphäre zu verhindern. Das bedeutet, Emissionen von der Atmosphäre fernzuhalten. Das heißt, weniger Kohlenstoff zu verbrennen oder ihn direkt am Ort der Verbrennung abzuscheiden. Dies sind die einzigen beiden Hebel. Alles andere ist Verzögerung oder Ablenkung.“

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Die Technologien für eine Umstellung auf emissionsfreie Energie – darunter Photovoltaik, Windkraft, Batteriespeicher, grüner Wasserstoff und Elektrifizierung – seien bereits vorhanden und skalierbar. Entscheidend sei nun die Geschwindigkeit und der Umfang des Ausbaus.

Relevanz für die Solarbranche

Für die Solarbranche ergibt sich daraus eine zentrale Rolle bei der Sicherung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stabilität. Die schnelle und großflächige Umsetzung von Photovoltaik-Projekten wird laut Thallinger zum Schlüsselfaktor, um die Versicherbarkeit von Vermögenswerten und die Funktionsfähigkeit des Finanzsystems zu erhalten. Die Branche steht damit nicht nur für Klimaschutz, sondern auch für die Zukunftsfähigkeit von Märkten und Gesellschaft. (nhp)

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