Die Idee ist clever: Einen bestehenden Windpark um eine Solaranlage ergänzen und dies gleich noch mit der landwirtschaftlichen Nutzung der Fläche zu verbinden. Das Hybridkraftwerk im österreichischen Parndorf ist für einen solchen Ansatz ein perfektes Vorzeigeprojekt. Die Anlage mit einer Leistung von 17 Megawatt hat jetzt ihren Probebetrieb aufgenommen. Die ersten erzeugten Megawattstunden wurden bereits ins Netz eingespeist.
Denn Windkraft und Photovoltaik ergänzen sich in ihrer Erzeugungsstruktur ausgezeichnet und können so einen gemeinsamen Netzanschluss viel effizienter nutzen, als wenn jede Technologie für sich verbaut würde. „Der Probebetrieb zeigt bereits eindrucksvoll, wie gut sich Wind und Sonne ergänzen“, sagt Jan Häupler, Vorstandsmitglied der Oekostrom AG.
Betriebsdauer verdoppelt
Der österreichische Energieversorger hat zusammen mit Green Planet Energy und den Stadtwerken Hartberg das Projekt im burgenländischen Parndorf umgesetzt. „Mit derselben Infrastruktur erzielen wir nahezu doppelt so viele Betriebsstunden wie mit einer Einzelanlage – ein zentraler Effizienzgewinn für die Energiewende“, betont Jan Häuptler. Tatsächlich erhöht sich nach Angaben der Projektbeteiligten die jährliche Betriebsdauer des Gesamtsystems von rund 2.000 auf nahezu 4.000 Stunden, ohne zusätzlichen Ressourcenverbrauch. „Durch die Bauweise folgen unsere Solarmodule dem Tagesverlauf der Sonne von Ost nach West – vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang“, erklärt Nils Müller, Vorstand von Green Planet Energy.
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Denn durch die Installation der Module auf Trackersystemen wird die Sonnenenergie gleichmäßig über den ganzen Tag genutzt. Dadurch wird die Produktion optimal an den Verbrauch vor- und nachmittags angepasst, ohne die typische Mittagsspitze. „Gleichzeitig nutzen wir mit der Anbindung an den bestehenden Windpark vorhandene Strukturen optimal und sparen dadurch Kosten“, erklärt Nils Müller.
Bauantrag für Speicher ist gestellt
Für ausreichend Flexibilität wird in Zukunft noch ein Speicher sorgen, der schon jetzt geplant ist. Dieses Batteriespeicherprojekt macht weiter Fortschritte: Die Anlage wurde am 19. Dezember 2025 offiziell bei der Behörde eingereicht. „Mit dem Speicher heben wir das Hybridkonzept auf das nächste Level“, sagt Christoph Grosssteiner, Geschäftsführer von Oekostrom Produktion. „Er macht die Einspeisung in das Verteilnetz nicht nur flexibler, sondern steigert auch den systemischen Nutzen für das Energiesystem.“
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Zusammenarbeit mit dem Landwirt
Das gesamte Solarprojekt wurde zusammen mit einem Schäfer entwickelt, der seine Tiere in Zukunft auf der Fläche grasen lässt. Dies klingt trivial, ist es aber nicht. So ist es unter anderem wichtig, für einen ausreichenden Schutz der Kabel zu sorgen. Einerseits um zu verhindern, dass die Schafe an den Kabeln knabbern. Andererseits, um die Schafe vor elektrischem Schlag zu schützen. Auch der Kantenschutz an den Modulen und an der Unterkonstruktion ist wichtig. Zudem muss das Design des Solarparks zum Weidekonzept des Schäfers passen. Der Aufwand lohnt sich: Mit der Bewirtschaftung der Fläche mit Schafen steigt nicht nur der Flächennutzungsgrad, sondern auch die Biodiversität in der Region.
Wie solche Projekte konkret aussehen, welche Vorteile sie haben und worauf Planer achten müssen, lesen Sie in einem Projektbericht im Spezial rund um die Photovoltaik in der Landwirtschaft. Hier können Sie es kostenlos herunterladen.