Mit einer neuen Solaranlage in Varel am Jadebusen in Niedersachsen ist ein innovatives Projekt entstanden, das verschiedene Technologien miteinander vereint. Denn der Systemanbieter WI Energy hat zusammen mit dem Anlagenprojektierer EMT2 sowie den Landwirten Andreas Rengstorf und Lars Kaper einen Sonnengenerator gebaut, der aus einem herkömmlichen Solarpark, einer Agri-PV-Anlage und einer Moor-PV-Anlage besteht. Die Anlage steht auf einer Fläche von 40 Hektar und die einzelnen Technologien erreichen eine Leistung von 38,8 Megawatt.
Doppelt Emissionen vermeiden
Der Vorteil ist dabei nicht die optimierte Nutzung der bestehenden Fläche, sondern auch die enge Verknüpfung von ökologischer und wirtschaftlicher Logik des Projekts. Denn entwässerte Moorflächen zählen zu den größten Einzelquellen von Treibhausgasen in Deutschland. Werden sie wieder vernässt, geht den Landwirten Fläche für die bisherige Nutzung verloren. Die gleichzeitige Installation einer Solaranlage bietet dann nicht nur einen Ersatznutzen für den Landwirt, sondern auch einen doppelten Klimanutzen. Denn sie finanziert die Wiedervernässung der Moorfläche und ersetzt fossil erzeugten Strom. So spart die Anlage allein durch die Stromproduktion jedes Jahr 23.333 Tonnen CO2 ein. Dazu kommen noch die vermiedenen Emissionen durch das wiedervernässte Moor.
Module hoch aufgeständert
Auf einem zweiten Teil der Fläche wurde eine rund ein Hektar große Agri-PV-Anlage errichtet, die mit Rinderhaltung kombiniert wird. Dazu haben die Monteure die Module auf einer Höhe von 2,10 Metern aufgeständert. Damit können neben Schafen auch Rinder unter den Modulen grasen und der Landwirt kann die Fläche komplett bewirtschaften.
Regionale Kontakte aktiviert
Solche Projekte werden möglich, wenn regionale Expertise mit professioneller Projektentwicklung kombiniert wird. So haben die Projektpartner und die beiden Landwirte, die ihre eigenen Flächen in das Projekt einbrachten, weitere benachbarte Grundeigentümer angesprochen. Mit ihren Ortskenntnissen haben die beiden Landwirte so die zusammenhängende Flächenkulisse abgesichert.
Sonnenstrom von Acker und Scheune: Unser Spezial für die doppelte Ernte in Agrarbetrieben
Pachtverträge mit einer Laufzeit von 30 Jahren gewährleisten die langfristige Nutzung. Als Generalunternehmen für die bauliche Realisierung war EMT2 verantwortlich. WI Energy übernahm die Planung, die Finanzierung und das laufende Management des Standorts. „Von Beginn an wurde das Projekt gemeinsam entwickelt und hat vom engen Austausch aller Beteiligten profitiert“, betont Landwirt Andreas Rengstorf.
In den sauren Boden gerammt
Eine große Herausforderung war aber nicht nur die Sicherung der Fläche, sondern auch die technische Umsetzung. Denn der Moorboden war mit einem pH-Wert von 4,2 sehr sauer. Dadurch mussten die Montagepfosten für die Unterkonstruktion speziell beschichtet werden. Zudem mussten diese Pfosten bis zu 4,5 Meter in den Boden gerammt werden. Außerdem mussten die 18 bis zu 25 Tonnen schweren Trafostationen teilweise per Traktor auf das Gelände transportiert werden, um den Boden nicht zu beschädigen.
Wege aus der Nische für die Agri-PV
Anlage vor dem Plan fertiggestellt
Trotz dieser Komplexität konnten die Projektpartner die Anlage sogar sechs Monate früher als geplant ans Netz anschließen. Möglich wurde das durch parallele Bauabläufe: So haben die Handwerker die Kabeltrasse schon gebaut, noch während ihre Kollegen die Module installiert haben. „Trotz aller Herausforderungen hat dieses Gemeinschaftsprojekt Großes für Natur und Mensch geschaffen“, resümiert Stefan Völlink, Geschäftsführer der EMT 2 Gruppe. (su)