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Planung

Brandschutz nicht unterschätzen!

Photovoltaikanlagen stellen den Brandschutz vor spezifische Herausforderungen bei Installation und Auswahl der Komponenten. Besonders die DC-Verkabelung mit Spannungen bis 1.000 Volt DC oder bei C & I-Systemen durchaus bis 1.500 Volt spielt eine entscheidende Rolle.

Kommt es zur Brandentwicklung und startet die Feuerwehr mit der Bekämpfung, muss Milliamperen die Gefährdung des Einsatzpersonals durch das Löschwasser beachten. Die gefährliche Wirkung entsteht in der Regel durch den Stromfluss durch den Körper. Die Spannung ist dabei die treibende Kraft: Je höher die Spannung, desto höher ist potenziell der Stromfluss bei Kontakt.

DC ohne Nulldurchgang

DC-Spannung ist besonders gefährlich, da sie keine Nulldurchgänge hat (kein Wechsel der Stromrichtung). Zudem kann sie dauerhafte Muskelverkrampfung verursachen. Die betroffene Person ist nicht imstande, den Kontakt loszulassen. DC-Lichtbogen brennen länger und intensiver. Die Wirkung auf den Menschen ist aber auch von der Stromstärke abhängig:

  • < 1 Milliampere: harmlos, nicht spürbar
  • 1–5 Milliampere: Kribbeln
  • 10–15 Milliampere: Muskelverkrampfung, Loslassen fällt schwer
  • > 30 Milliampere: Flimmern der Herzkammern möglich, Herzstillstand
  • > 100 Milliampere: lebensbedrohlich, Atemstillstand, Herzstillstand
  • > 500 Milliampere: schwere Verbrennungen, innere Verletzungen, tödlich bei Durchströmung länger als eine Sekunde
  • Schon 30 Milliampere können tödlich sein. Deshalb lösen FI-Schutzschalter (RCD) bei diesem Wert aus. Und die Arbeit an der Photovoltaikanlage ist ausschließlich geschultem Personal vorbehalten.

    Gefahr von Lichtbogen

    Lichtbogen entstehen bei Unterbrechung von DC-Stromkreisen, zum Beispiel beim Abklemmen unter Last. Über 100 Volt DC und ein bis zwei Ampere Stromstärke besteht sehr hohe Gefahr, dass ein Lichtbogen entsteht. Je höher Spannung und Strom, desto schwerer ist es, den Lichtbogen zu löschen.

    Daraus folgt: DC-Trennstellen und Lasttrennschalter sind zwingend notwendig in der Anlage. DC-Stecker werden niemals unter Last getrennt, um Lichtbogen zu vermeiden. Daraus ergeben sich Richtwerte, welche Spannungen und Stromstärken gefährlich werden können:

  • > 120 Volt DC: Kontakt potenziell tödlich
  • > 15 Ampere (Stringstrom): Lichtbogen oder Kontakt sehr gefährlich
  • Lichtbogen: kann Brand oder schwere Verletzung verursachen (zum Beispiel defekter Stecker)
  • > 30 Milliampere AC (Fehlerstrom): kann tödlich sein, daher RCD vorgeschrieben
  • Die elektrische Gefährdung hängt also hauptsächlich von diesen Faktoren ab:

  • Spannung (U),
  • Strom (I), der durch den Körper fließt,
  • Einwirkdauer (t),
  • Weg durch den Körper (zum Beispiel Hand zu Hand, Hand zu Fuß),
  • Frequenz (bei AC).
  • Trend zu höheren Spannungen

    Der Hauptgrund für die hohen Spannungen ist in der höheren Systemeffizienz zu finden. Durch höhere DC-Spannungen steigt der Wirkungsgrad, weil die Ströme im System sinken können. Dadurch werden Kupfer im Querschnitt der Verkabelung und Kosten gespart. Allerdings bedeuten diese Vorteile auch erhöhte Risiken.

    Die DC-Verkabelung läuft vom Dach zum Wechselrichter im Keller oder nahe zum Verteilerschrank, mit Risiken von Lichtbogen durch Kabelbruch oder andere Beschädigungen. Je größer die Distanz und damit die Leitungslänge, desto höher das Risiko.

    Speicher besonders beachtet

    Bei Speichersystemen gab es Berichte über Brände oder Verpuffungen. Der Hersteller war genötigt, alle im Markt befindlichen Speichermodelle vorsichtshalber zu drosseln und zu tauschen. Diesen Schaden konnte er nur durch die Finanzkraft der Muttergesellschaft überleben.

    Reine Lithium-Ionen-Speicher wurden mittlerweile durch Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) fast vollständig verdrängt. Durch die mit etwa 400 Grad Celsius recht hohe Schwelle zum Thermal Runaway bei LFP sind sie deutlich sicherer als Lithium-Ionen-Zellen, die ab etwa 180 Grad Celsius durchgehen.

    Thermal Runaway und Spannung

    Auch hier spielen die Spannungen in den Zellen der Batterien eine wichtige Rolle: Hochvoltspeicher mit 400 Volt DC bergen gegenüber AC-gekoppelten Niedervoltsystemen (24 bis 100 Volt) ein deutlich höheres Brandrisiko. Wie bei der DC-Spannung auf dem Dach gilt auch für Speicher: Je niedriger die Spannung, desto niedriger das Risiko von Bränden.

    In Photovoltaikanlagen sind Hochvoltspeicher häufiger verbreitet als Niedervoltsysteme – vor allem in privaten sowie kleinen gewerblichen Anwendungen. Bei den Niedervoltspeichern und den Hochvoltspeichern haben die Hersteller teilweise integrierte Löschsysteme in der Batterie verbaut, um die Sicherheit zu garantieren.

    Geringes Risiko unter 30 Volt

    Zusammengefasst bietet die Verschaltung der Batterien unter 30 Volt DC aufgrund der geringeren Auswirkungen bei Kurzschlüssen, des verringerten Potenzials für Lichtbogen und einfacherer Schutzmechanismen ein deutlich reduziertes Brandrisiko. Diese Sicherheitsvorteile machen 24-Volt-Systeme besonders attraktiv, wenn potenzielle Brandgefahren minimiert und gleichzeitig wartungsfreundliche Systemarchitekturen benötigt werden.

    Brandschutz von Anlagen

    Die Sicherheit der Anlagen rückt weiter in den Fokus. Hier bietet sich ein Vergleich mit Modulwechselrichtern an. Sie erledigen die DC/AC-Wandlung direkt am Modul auf dem Dach. Damit werden die Spannungen und die Wegstrecken der DC-Verkabelung drastisch reduziert.

    Generell sind bestimmte Maßnahmen zum Brandschutz von Anlagen und Stromspeichern vorgeschrieben:

  • Trennung und Abschaltung der DC-Leitungen: Da eine Photovoltaikanlage oder ein Stromspeicher selbst nach Abschaltung des Netzanschlusses weiterhin Energie in der Verkabelung führen können, ist der Einsatz von speziellen DC-Trennschaltern (Feuerwehrtrennschaltern) unerlässlich. Diese Vorrichtungen ermöglichen – weitgehend redundanzfrei – den spannungsfreien Zustand der Module bis zum Wechselrichter. Für Modulwechselrichter ist dies nicht notwendig.
  • Verlegung der Leitungen: Für den baulichen Brandschutz empfiehlt sich die Verlegung der DC-Leitungen außerhalb des Gebäudes, um im Falle eines Brandes die Gefährdung für Einsatzkräfte zu minimieren. Innerhalb des Gebäudes sollten alle DC-Leitungen zusätzlich durch feuerresistente Milliampereterialien geschützt und klar gekennzeichnet werden.
  • Sicherheitskonzepte für Batteriespeicher: Der Aufbau von zusätzlichen Schutzmechanismen, wie einer redundanten Isolierung oder thermischen Abschottung, gehört ebenso zum modernen Brandschutz in Photovoltaikanlagen. So wird das Risiko des thermischen Durchgehens der Zellen reduziert und die frühzeitige Signalgebung im Brandfall ermöglicht.
  • Integrierter Blitz- und Überspannungsschutz: Neben den direkten Brandschutzmaßnahmen ist ein integrativer Ansatz wichtig. Hierzu gehören der Blitz- und Überspannungsschutz, um hohe Ströme abzusichern und zusätzliche Gefahrenquellen zu mindern.
  • Auch AC-Leitungen relevant

    Neben der DC-Verkabelung sind auch die AC-Leitungen von einphasigen und dreiphasigen Systemen relevant. Sie führen den Sonnenstrom vom Dach ins Haus und müssen abgesichert werden. Zudem stellt der Zellverbund in der Speicherbatterie eine potenzielle Brandquelle dar, weshalb spezielle Schutzmechanismen erforderlich sind.

    Die richtige Planung und Umsetzung von Milliampereßnahmen zum Brandschutz sowie die Auswahl der Komponenten können das Risiko erheblich minimieren und die Sicherheit von Gebäuden mit Photovoltaikanlagen verbessern.

    Spannungen in Solarfassaden

    Die niedrigere Betriebsspannung von Modulwechselrichtern bietet zusätzliche Vorteile, wenn es um die Integration in Gebäude geht – insbesondere für Fassadensysteme. Bei Systemen mit 1.000 Volt DC sind erhöhte räumliche Abstände und spezielle Sicherheitsvorkehrungen nötig, um das Brandrisiko zu minimieren. Im Gegensatz dazu erlaubt die geringere Spannung:

  • Flexiblere Planung und Integration: Die Anlagen werden enger und ästhetisch ansprechender in die Fassade integriert, ohne dass aufwendige Brandschutzmaßnahmen wie großräumige Abschottungen erforderlich sind.
  • Erhöhte Sicherheit im Gebäude: Die geringeren Spannungen reduzieren die Gefährdung für benachbarte Bauteile und Wohnbereiche, was die Sicherheit der Nutzer und der Einsatzkräfte im Brandfall verbessert.
  • Optimierte bauliche Lösungen: Architekten und Planer können moderne Fassadensysteme nutzen, die optisch und funktional den Anforderungen des Brandschutzes gerecht werden.
  • Die 230/400-Volt AC-Verkabelung stellt eine in Gebäuden übliche Verkabelung dar, die für fassadenintegrierte Photovoltaik die Anwendung vereinfacht.
  • Spannungen in Systemen mit Mikrowechselrichter und ­Stringwechselrichter.

    Foto: Atmoce

    Spannungen in Systemen mit Mikrowechselrichter und ­Stringwechselrichter.
    Hochvoltspeicher mit Hybridwechselrichtern in München.

    Foto: Heiko Schwarzburger

    Hochvoltspeicher mit Hybridwechselrichtern in München.

    Tabelle: Atmoce

    Tabelle: Atmoce

    Tabelle: Atmoce

    AKTUELLES VIDEO

    Atmoce: Niedrige Spannung erhöht die Sicherheit

    PV Guided Tours: Die M-ELV-Batterie arbeitet mit weniger als 30 Volt. Das erhöht die Sicherheit für Installateure und erleichtert die tägliche Arbeit. Der Speicher und der Wechselrichter sind über ein intelligentes Energiemanagement verbunden. Private Haushalte und Unternehmen können davon profitieren.

    https://www.photovoltaik.eu/videos/pv-guided-tours-2025

    Foto: Vorsatz Media

    Der Autor

    Matthias Wagner
    war zunächst zehn Jahre als PR-Manager in der Softwarebranche tätig, bevor er 2005 in die erneuerbaren Energien wechselte, mit Schwerpunkt Marketing und Vertrieb. Ab 2006 war er für Trina Solar und andere Modulhersteller aktiv. 2013 wechselte er zu Huawei. Dort war er zuletzt als Vizepräsident Global Channel Sales für das globale Handelsnetz verantwortlich. Seit 2024 ist er als Geschäftsführer der Atmoce Holding für die Expansion in Europa zuständig.

    Foto: Atmoce

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