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McKinsey: Stromkosten bleiben bei rund 90 Milliarden Euro pro Jahr

In drei untersuchten Szenarien des Reports liegen die jährlichen Systemkosten bei rund 90 Milliarden Euro. Zwar haben politische Maßnahmen die Belastung einzelner Verbrauchergruppen reduziert. So sanken die Steuern und Abgaben für Gewerbe und Industrie seit 2020 um 73 Prozent.

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Auch Bundeszuschüsse zu den Netzentgelten stabilisieren die Preise kurzfristig. An der grundsätzlichen Kostenstruktur des Systems ändern diese Eingriffe laut McKinsey jedoch wenig. „Die Entlastungen wirken punktuell, nicht systemisch", sagt Alexander Weiss, Leiter der Energieberatung von McKinsey in Deutschland. Die hohen Kosten seien das Ergebnis langfristiger Strukturentscheidungen.

Keine Förderung kaum Einfluss auf Gesamtkosten

Die Studie vergleicht drei Entwicklungspfade: einen Markt ohne Förderung neuer Erzeugungskapazitäten, ein Szenario mit Fokus auf Versorgungssicherheit durch den Aufbau disponibler Kapazitäten sowie ein systemkostenoptimiertes Modell mit technologieoffener Förderung. In allen Modellen liegen die Kosten zwischen 87 und 90 Milliarden Euro pro Jahr.

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Ein wesentlicher Grund. Laut der Studie die Abschaltung steuerbarer Kapazitäten bei gleichzeitigem Aufbau nicht steuerbarer Ökostromerzeugung. Seit 2011 wurden rund 20 Gigawatt Kernkraftkapazität abgeschaltet. Seit 2020 kamen weitere 26 Gigawatt an planbarer Leistung außer Betrieb, während nur knapp acht Gigawatt neu gebaut wurden. „Ohne Förderung wird derzeit fast nicht gebaut – weder bei den Erneuerbaren noch bei Gaskraftwerken", bestätigt der Berater. 

Es droht höhere Importabhängigkeit

Größere Unterschiede zeigen sich bei der Importabhängigkeit. Bei einem vollständigen Förderstopp würde Deutschland im Saldo bis zu 115 Terawattstunden pro Jahr importieren. Gleichzeitig steigt der Strombedarf. In Deutschland könnte die Rechenzentrumsleistung bis 2030 auf rund fünf Gigawatt steigen, verbunden mit einer Stromnachfrage von etwa 37 Terawattstunden. „Mit dem Hochlauf von künstlicher Intelligenz wird Strom zum strategischen Produktionsfaktor", sagt Weiss. „Standorte mit hohen Preisen geraten unter Druck."

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Die Studie identifiziert vier Hebel, um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Eine Energiewirtschaftszone mit günstigen Erzeugungsbedingungen (in Norddeutschland) könnte Ökostrom in großem Umfang zu wettbewerbsfähigen Kosten produzieren. Die räumliche Nähe von Erzeugung und Verbrauch würde Effizienzgewinne ermöglichen. Zweitens sieht die Studie Effizienzpotenzial im Netzbetrieb. In Deutschland agieren über 800 Verteilnetzbetreiber mit unterschiedlichen technischen Standards. Stärkere Standardisierung, gemeinsame Beschaffung und engere Kooperation könnten die Kosten um 10 bis 15 Prozent senken.

Hebel für niedrigere Stromkosten

Zudem könnten gebündelte Investitionen und strukturierte Finanzvehikel die bislang hohen Finanzierungskosten für Ökostromanlagen reduzieren. Viertens plädiert die Studie dafür, inländisches Kapital gezielter zu mobilisieren. In Deutschland liegen nach McKinsey-Angaben rund drei Billionen Euro auf Sicht- und Termineinlagen, während ein großer Teil der Energieinfrastruktur von ausländischen Pensionsfonds finanziert wird. Weiß resümiert: „Die Energiewende entscheidet sich nicht primär an der Frage, ob gefördert wird. Sondern ob das System investierbar, effizient und wettbewerbsfähig organisiert ist." (nhp)