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2025

Sonnenstrom überholt Braunkohle und Erdgas

Erstmals blieb 2025 Strom aus Braunkohle (rund 14 Prozent) und aus Erdgas (rund 16 Prozent) hinter den erneuerbaren Energien zurück. Das Gros des in Deutschland benötigten Stroms erzeugte die Windkraft mit etwa 27 Prozent. Allerdings war 2025 ein windschwaches Jahr, deshalb blieben die Stromerträge der Turbinen vor ­allem im Frühjahr mau.

18 Prozent des deutschen Strombedarfs wurden aus Photovoltaik gedeckt. Mittlerweile stromen rund 5,5 Millionen Anlagen, wie der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) ermittelte. Sie erzeugten 2025 rund 87 Terawattstunden Strom, rund 15 Terawattstunden mehr als 2024. Den Zubau beziffert der BSW-Solar mit 17,5 Gigawatt,

Rund 17,5 Gigawatt zugebaut

Die Bundesnetzagentur hat Anfang Januar 2026 16,2 Gigawatt gemeldet. Allerdings berücksichtigt sie die Nachmeldungen nicht, die erfahrungsgemäß bis ins Frühjahr hinein erfolgen. Der BSW-Solar hat diese Nachmeldungen antizipiert, sodass diese Zahl im weiteren Verlauf des Jahres – und somit der Nachmeldungen – Bestand haben dürfte.

Der Zubau stagnierte gegenüber 2024 (17,7 Gigawatt), die solare Energie­wende braucht dringend neue Dynamik. Denn um das für 2030 gesetzlich verankerte Ausbauziel von insgesamt 215 Gigawatt zu erreichen, sind 20 Giga­watt notwendig – pro Jahr, wohlgemerkt. Bisher wurden in Deutschland rund 118 Gigawatt installiert, gut die Hälfte der Strecke ist geschafft.

Solarparks gewinnen, Dächer verlieren

Zwischen den Marktsegmenten zeigten sich 2025 deutliche Unterschiede: Solarparks legten um etwa 25 Prozent zu. Dagegen ging der Zubau bei Eigenheimen um 25 Prozent und bei Gewerbedächern um rund fünf Prozent zurück. Offenbar korrigiert der Markt die Rekorde, die 2022 und 2023 durch den Krieg in der Ukraine und die explodierenden Energiepreise erzielt wurden. Kleine Steckersolargeräte (Balkonkraftwerke) nahmen um 25 Prozent zu.

Die 2025 neu installierte Leistung verteilt sich wie folgt: Solarparks steuerten acht Gigawatt bei (2024: 6,5 Gigawatt). Auf Industrie- und Gewerbedächern (mehr als 30 Kilowatt) wurden rund 3,7 Gigawatt neu installiert (2024: 3,9 Gigawatt). Das private Segment unter 30 Kilowatt rutschte von 6,8 Gigawatt (2024) auf 5,2 Gigawatt ab. Die Leistung der 2025 neu installierten Steckersolargeräte erreichte ein halbes Gigawatt, 100 Megawatt mehr als 2024 (0,4 Gigawatt).

Nur knapp ein Gigawatt im Dezember

Ähnlich lautet die Einschätzung der Analysten des norddeutschen Fachgroßhändlers EWS, die jeden Monat die Zubauzahlen einschätzen. Nach ihren Zahlen schwächelte die solare Energiewende bereits das zweite Jahr in Folge. Nach ihrem Urteil war der Zubau im Dezember 2025 mit 1.063 Megawatt sehr schwach.

Während große Anlagen die Statistik weiterhin stützen, verzeichnet das Segment bis 100 Kilowatt einen deutlichen Rückgang. „Es gibt für die Photo­voltaikbranche nach aktuellem Kenntnisstand keinen Grund, auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen zu warten“, analysiert Jan Paul Dahm, Geschäftsführer von EWS. „Wir müssen unser Glück offensichtlich selbst in die Hand nehmen, zum Beispiel indem regionale Handwerksbetriebe sich stärker mit Onlinemarketing auseinandersetzen.“

Heimspeicher folgen dem Nachfragetrend privater Solaranlagen. Der Rückgang wird jedoch durch Nachrüstungen und steigende Speichergrößen teilweise abgepuffert. Die Entwicklung bei kleinen und mittleren Gewerbespeichern ist im Gegensatz dazu zwar positiv. Dennoch bleibt sie seit Jahren hinter den Erwartungen der Branche zurück.

Den Markt ankurbeln

„Die Branche setzt sich zu Recht hohe Ziele im Bereich der Gewerbespeicher“, urteilt Dahm. „Von den Investoren wird die Wirtschaftlichkeit ­offenbar immer noch stark unterschätzt.“ Um den Markt anzukurbeln, seien gezielte Angebote zur Information und Aufklärung notwendig – etwa zu Amortisation, Praxisbeispielen und kombinierten Geschäftsmodellen wie Lastmanagement und der Nutzung dynamischer Stromtarife.

Gemeinsam mit Herstellern realisiert EWS daher Informationskam­pagnen, um Installationsbetriebe bei der aktiven Kundenansprache über Events und Hausmessen zu unterstützen. Branchenverbände interessanter Zielgruppen können hierbei als wichtige Multiplikatoren fungieren, um ­Informationen in den Markt zu tragen.

Kunden fragen nach Notstrom

Geopolitische Unsicherheiten und medienwirksame Stromausfälle weltweit rücken die Abhängigkeit von einer sicheren Stromversorgung stärker ins Bewusstsein von Unternehmen und privaten Haushalten. Das öffnet Not- und Ersatzstrom ebenso wie Netzunabhängigkeit wieder als Argumenta­tionsfeld für die Photovoltaikbranche.

Zudem entstehen neue Geschäftsmodelle aus der intelligenten Verknüpfung von Photovoltaik, Speichern und Energiemanagement. In Kombination mit dynamischen Stromtarifen, lastvariabler Steuerung sowie Not- und Ersatzstromfunktionen werden Solar-Speicher-Systeme zunehmend multifunktional eingesetzt.

Sie dienen zur Kostenoptimierung, zur Reduzierung von Lastspitzen und zur Erhöhung von Autarkie und Versorgungssicherheit. Neben der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung gewinnen Resilienz, Flexibilität und Systemdienlichkeit deutlich an Bedeutung für Investitionsentscheidungen.

Preise blieben im Keller

Im Gesamtjahr 2025 blieben die Preise für Solarmodule und Wechselrichter auf Rekordtief. Mit der schwachen Nachfrage zu Jahresbeginn sackten sie in den Keller ab – und blieben dort während des ganzen Jahres – von kleinen Volatilitäten im Sommer abgesehen.

Nach Einschätzung von Martin Schachinger vom Fachgroßhändler ­PVXchange tat sich zum Jahreswechsel von 2024 nach 2025 bei den Modulpreisen wenig. Das galt für Produkte mit sehr hohen Wirkungsgraden (High Efficiency) und bei anderen Modulklassen gleichermaßen. Auch bei Modulen mit rein schwarzem Erscheinungsbild (Full Black) war bestenfalls eine Seitwärtsbewegung erkennbar.

Delle durch die Feiertage

Zunächst verschlechterte sich die Verfügbarkeit ausgewählter Produkte. Bei Solarmodulen waren vor allem die höchsten Leistungsklassen betroffen. Freie Mengen gab es nur, wenn bereits beauftragte Projekte abgesagt oder verschoben wurden. Das war nicht ungewöhnlich, denn nach den Feier­tagen am Jahresende mussten die Speditionen und Frachtführer erst einmal wieder in Gang kommen.

Damals stand in Aussicht, dass ­einige Anbieter die Ware in Europa künstlich verknappen wollten – um endlich den mörderischen Preiskampf der chinesischen Anbieter untereinander zu ­beenden.

Donald Trump und seine Zollpolitik

Die Idee zerrann zur Illusion, als Donald Trump die Solarmodule aus dem Reich der Mitte mit dramatischen Strafzöllen belegte. Damit mussten ­etliche Hersteller ihre Ware nach Europa umleiten, wo das Überangebot die Preise strangulierte.

Zur Jahresmitte 2025 waren alle Hoffnungen auf steigende Preise passé. Hinzu kam eine gewisse Ernüchterung in Europa, der Zubau stagnierte nicht nur in Deutschland. Die Schwäche führte zu höheren Lagerbeständen bei Lieferanten und Händlern.

Neue Module mit mehr Leistung

Um den Verkauf anzukurbeln, wurden die Modulpreise hier und da um ­einen halben bis einen Cent pro Watt gesenkt. Denn zur Intersolar im Mai wurden neue, leistungsfähigere Module gezeigt, die Innovationsspirale dreht sich munter weiter.

So gerieten Low-Cost-Module (Altmodule und Lagerreste) besonders unter Druck. Allerdings waren die Preise in dieser Leistungsklasse ohnehin am Boden. Ein Cent rauf oder runter galt fast als Sprung.

Auch bei Wechselrichtern gab es kaum Bewegung. Die Preise waren seit Jahresanfang weitgehend stabil, von Sonderaktionen einzelner Hersteller ­abgesehen. Insgesamt gelang es den Anbietern hier wesentlich besser, heftige Schwankungen zu vermeiden und die Preise im Griff zu behalten.

Brutale Schlacht setzte sich fort

Auch im zweiten Halbjahr setzte sich die brutale Schlacht fort. Sogar qualitativ hochwertige Solarmodule waren betroffen. Die Hersteller sparten an allen Ecken und Enden. Die Kunden bekommen, was sie bestellen – und verdienen. Auch wenn es sich über kurz oder lang rächen dürfte.

So ist zu erklären, dass viele Chargen der nach Europa gelieferten Module die versprochenen Leistungsklassen nicht einhalten. Die Kunden fordern A-Ware, wollen aber nur C-Preise zahlen. Das kann auf Dauer nicht funk­tionieren.

Zudem haben die Hersteller ihre Module gnadenlos abgespeckt: Dünnere Gläser und Rahmen erlauben es, mehr Module in die Transportboxen zu pressen. Das spart einige Cent bei den Logistikkosten. Leider zeigt sich oft erst nach Jahren im Betrieb, ob diese Solarmodule wirklich halten, was sie versprechen. Die Beschwerden häufen sich bereits.

Aus früheren Krisen lernen

Die Branche sollte gewarnt sein: Am Beispiel der rissigen Rückseitenfolien zeigte sich schon 2011 und 2012, welche Folgen der enorme Kostendruck haben kann. In der damaligen Überproduktionskrise wurden sehr billige, minderwertige Folien in die Module integriert. Nach nur zehn Jahren bildeten sich Risse, etliche Solarparks mussten komplett ausgetauscht werden.

Zum Ende 2025 bewegten sich die Modulpreise kaum noch. Die Preise waren so niedrig, dass es keinen Spielraum für einen weiteren Abwärtstrend gab. Einzelne Ausreißer nach unten resultierten aus Notverkäufen und ­Lagerbereinigungen, eine Tendenz war das nicht.

Horrende Verluste der Hersteller

Seit Jahren fahren die chinesischen Modulhersteller horrende Verluste ein. Alle warten auf eine Korrektur der Preise nach oben, sehnen sie herbei. Denn höhere Preise würden höhere Qualität zulassen – und auskömmliche Margen ermöglichen.

Doch in der brutalen Bieterschlacht traut sich niemand, den ersten Schritt zu gehen. Die großen Anbieter aus dem Reich der Mitte sind von Angst getrieben. Von der Angst, mit Blut und Tränen erkämpfte Marktanteile schnell wieder zu verlieren.

Denn ein oder zwei Cent mehr pro Watt Modulleistung machen kaum ­einen Unterschied. Um auskömmlich produzieren zu können, sind 15 bis 20 Cent je Watt notwendig. Sollte der Markt irgendwann solche Preise akzeptieren, werden neue Fabriken in Europa wieder rentabel.

Steuerprivilegien gestrichen

Zum Jahreswechsel hat Peking die Rückerstattung von Steuern für Exporte gesenkt und will sie in den kommenden Monaten gänzlich streichen. Damit dürften sich Module, Leistungselektronik und Lithiumspeicher um zehn bis 13 Prozent verteuern. Etliche Anbieter haben bereits neue Preislisten nach Europa geschickt, ab Frühjahr sollen sie gelten.

Die Folge waren Hamsterkäufe zu Jahresbeginn, die Lager wurden gefüllt. Vermutlich können die chinesischen Hersteller diese Verteuerung nicht vollständig an ihre Kunden weitergeben. Der Konkurrenzdruck ist zu groß. Im Juni zur Intersolar in München werden wir sehen, was netto tatsächlich passiert.

„Geiz ist geil“ zahlt sich nicht aus

Der Mehrpreis fließt als Mehrwertsteuer an die Staatskasse ab. Davon haben die chinesischen Anbieter nichts, Peking hat lediglich eine Subven­tion gestrichen. Aufatmen können – zumindest etwas – die europäischen Hersteller von Modulen und Wechselrichtern. Sie könnten mit ihren Preisen nachziehen und tatsächlich etwas Luft bekommen.

Das chinesische Prinzip ist am Ende: Immer nur billiger zu produzieren, zahlt sich langfristig nicht aus. Neue Modulfabriken lassen sich mit überschaubarem Capex überall bauen. Sobald die Preise anziehen und neue ­Fabriken lukrativ werden, dürften neue Werke entstehen – in Europa, mit kurzem Weg zu den Kunden.

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