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Altanlagen

Abbezahlt – stromt trotzdem weiter

Im Jahr 2000 trat in Deutschland das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Kraft. Seitdem bekam jeder, der eine Photovoltaikanlage ans Netz brachte, vom Staat eine Einspeisegebühr garantiert.

Anfangs waren Solarmodule und Wechselrichter sehr teuer, deshalb waren die ersten Anlagen vergleichsweise klein. Jede Anlage mit fünf Kilowatt wurde bejubelt, gab Anlass für die Solarparty mit Freunden und Nachbarn, mit Sekt und Grillplatte.

Nun läuft die Einspeisevergütung aus. Doch die meisten Anlagen wurden solide gebaut. Zwar sind die Solarmodule in die Jahre gekommen, aber oft haben sie noch mehr als 80 Prozent der ursprünglichen Leistung.

Umstellung auf Eigenverbrauch

Die metallischen Montagesysteme sind unverwüstlich. Weil die Anlage abbezahlt ist, kostet die Kilowattstunde faktisch null Cent. Und bekommt null Cent vom Netzbetreiber, wenn nicht gar Ärger ansteht wegen der Einspeisung nach Ablauf der gesetzlichen Frist.

Jetzt lohnt es sich, der Anlage ein zweites Leben zu gönnen: als Lieferant von sauberem, kostenlosem Strom für das Haus. Dazu sind einige im Grunde überschaubare Umbauten erforderlich. Die Maßnahmen betreffen die Leistungselektronik am Zählerschrank, weniger die Module und Gestelle auf dem Dach.

Batterien anschließen

Die Anlagen aus den Jahren unmittelbar nach dem Millennium sind in der Regel (noch) nicht für Eigenverbrauch ausgelegt. Deshalb müssen Stromspeicher nachgerüstet werden, um maximalen Eigenverbrauch zu erreichen – und die Einspeisung möglichst auf null zu drücken.

Batterien sind derzeit sehr preiswert, und die Preise sinken weiter. Das lohnt sich, zumal der Photovoltaikstrom mit null Cent zu Buche schlägt. Man kann testweise mit kleinen Batterien beginnen, sie lassen sich später problemlos erweitern. Das beschert dem Fachinstallateur zusätzliches Geschäft.

Wartung als Eintrittskarte

Entscheidend ist der Zugang zum Kunden. Das ist über regelmäßige Inspektionen möglich, die durch einen Wartungsvertrag abgedeckt sind. Die meisten Solarkunden sind dankbar, wenn der Installateur die Möglichkeiten der Umstellung auf Eigenverbrauch erläutert.

Das muss noch kein Angebot beinhalten, sondern zunächst die Vielfalt der Varianten anreißen. Danach geht das Gespräch ins Detail. Wir geben ­einige Ansatzpunkte, wie Sie mit Ihrem Kunden ins Gespräch kommen:

Wechselrichter austauschen?

Der Umbau auf Eigenverbrauch erfordert unter Umständen den Austausch der alten, einspeisenden Wechselrichter gegen moderne Hybridwechselrichter. Sie erlauben den Anschluss von Stromspeichern auf der Gleichstromseite (DC) und arbeiten mit hohen Systemspannungen. Einfacher ist es, Batterien mit integriertem Batteriewechselrichter nachzurüsten. Dann kann der alte Wechselrichter weiterlaufen, denn die Batterie verfügt über eigene Leistungselektronik und arbeitet weitgehend selbstständig. Man spricht von AC-Systemen, sie müssen auf die alten Wechselrichter keine Rücksicht nehmen.

Solarstrom für Warmwasser nutzen

Eine einfache Maßnahme, um Sonnenstrom im Haus zu nutzen, ist die Bereitung von Warmwasser. Im Unterschied zur Heizwärme ist der Bedarf an Warmwasser von der Anzahl der Bewohner und ihren Bedürfnissen abhängig – und ändert sich übers Jahr kaum.

Meistens ist auch die Wärmetechnik in die Jahre gekommen. Kostenfreier Sonnenstrom vom eigenen Dach erlaubt die Umrüstung ohne zu hohen Aufwand und Kosten. Zunächst sollte die Bereitung von Warmwasser auf elektrische Geräte umgestellt werden. Das können Einschraubheizstäbe für den Warmwasserspeicher sein oder kleine Untertischboiler an den Zapfstellen.

Neue Solarmodule für DC-Wärmestrom

Die kleinen Photovoltaikanlagen der ersten Generation haben meist nur wenig elektrische Leistung, maximal zwei, drei oder fünf Kilowatt. Deshalb ist es empfehlenswert, speziell für Warmwasser noch freie Flächen auf dem Dach, der Garage, über der Terrasse oder an der Fassade mit neuen Solarmodulen zu belegen. Ihr Gleichstrom wird über kombinierte AC/DC-Heizstäbe direkt ins Warmwasser geschickt, ohne Umweg durch den Wechselrichter. Dieser DC-Wärmestrom ist keine Erweiterung der Anlage im Sinne des EEG, weil kein Wechselstrom erzeugt wird.

Das heißt: Die Aufrüstung des Solargenerators nur für Warmwasser (und/oder elektrischen Heizstrom) braucht keine neuerliche Genehmigung des Netzbetreibers. Sie ist auch nicht meldepflichtig im Register der Bundesnetzagentur. Netzgebühren oder Steuern fallen nicht an. Somit entfallen etliche bürokratische Hürden – mit erheblichem Gewinn für die Kunden. Denn die Wärmekosten steigen, ob es durch die Gastherme oder die Wärmepumpe ist.

Dynamische Stromtarife für den Winter

Ist die Anlage ordentlich aufgerüstet, reicht der Sonnenstrom zwischen acht und neun Monaten im Jahr völlig aus, um das Warmwasser für eine vier­köpfige Familie zu bereiten. Im Winter wird preiswerter Strom aus dem Netz gekauft.

Seit 2025 gibt es dynamische Stromtarife. Sie variieren je nach Angebot und Nachfrage im Stromnetz. Im Sommer sind die Preise an der Strom­börse in Leipzig um die Mittagszeit nicht selten negativ, weil Millionen Solar­anlagen einspeisen. Zwischen Mitternacht und sieben Uhr am Morgen sind die meisten Firmen und Betriebe der Industrie vom Netz. Auch in dieser Zeit ist der Strom besonders preiswert, weil Überangebot herrscht. Hinzu ­kommen Phasen mit starken Winden im Winter, wenn die Windkraft das Stromnetz mit Energie flutet.

Mit preiswertem Winterstrom heizen

Die dynamischen Niedertarife lassen sich durch intelligente Strom­zähler, Speicherbatterien und Energiemanager sehr gut nutzen, um die Kosten beim Einkauf von Netzstrom zu drücken. Ist das Gebäude gut gedämmt, sind ­ordentliche Fenster und Türen eingebaut, ist der Energiebedarf fürs Heizen sehr gering. Dabei reicht die Dämmung des Daches und der Kellerdecke aus.

Nur in Gebäuden aus den 1960er- oder 1970er-Jahren brauchen auch die Außenwände eine thermische Dämmung. Ältere Ziegelbauten haben meist ausreichend dicke Wände, die nur wenig Wärme nach außen verlieren. Am Ende gibt die Kalkulation der Heizkosten über die nächsten Jahrzehnte den Ausschlag. Der Ersatz von alten Gasthermen oder Ölkesseln durch kosten­losen Sonnenstrom aus der abbezahlten Dachanlage ist immer wirtschaftlich. Das versteht jeder.

Elektrische Wärmetechnik statt Heizwasser

Verzichtet man auf wassergeführte Heizkörper und stellt auf elektrische Heizsysteme um, entfallen die Wärmeverluste in den Heizrohren und im Pufferspeicher. Sie machen rund ein Drittel des Bedarfs an Heizwärme aus. Auch wird Hilfsstrom für die Pumpen in den Heizkreisen benötigt.

Elektrische Wärmesysteme sind Infrarotheizflächen oder elektrische Flächenheizkörper, die einfach an die Steckdose angeschlossen werden. Sie schalten schnell und stellen die Wärme fast augenblicklich bereit. Anlaufverluste wie bei Wärmepumpen und wassergeführten Systemen sind Geschichte.

Sie lassen sich sehr leicht in den Home-Manager einbinden, der sie als ohmsche Verbraucher steuert. Die Speicherbatterie kauft den Heizstrom sehr preiswert ein. Die elektrische Wärmetechnik springt an, wann und wo sie gebraucht wird.

Aus für Verbrenner, jetzt kommt das E-Auto

Richtig sparen lässt sich auch, wenn der kostenlose Sonnenstrom künftig im Tank landet – statt Diesel oder Benzin. Nutzen Sie Carports oder Garagen, um Wallboxen zu installieren. In privaten Anwendungen leisten sie zwischen elf und 22 Kilowatt.

Sehr gute Wallboxen sind deutlich unter 1.000 Euro zu haben. Bidirektionales Laden ist kein Problem mehr, wenn das Auto mitspielt. Dann wird das neue E-Auto zur fahrenden Batterie, die mitunter das Haus versorgt.

Notstrom oder USV

Rüsten Sie die Anlage auf Eigenverbrauch um, können sich Ihre Solarkunden gegen Blackouts im Stromnetz schützen. Die ausreichend große Speicherbatterie schaltet bei Netzausfall automatisch auf Notstrom um. Dann werden wichtige elektrische Verbraucher im Haus weiterhin versorgt.

Der Umbau von Solaranlagen bietet regionalen Fachhandwerkern ein neues Standbein. Viele der Anlagen, die Sie im Laufe der Jahrzehnte errichtet haben, stehen nun zur Modernisierung an.

Unterbreiten Sie Ihren Bestandskunden proaktiv ein Gesprächsangebot, unverbindlich, von Nachbar zu Nachbar. 20 Jahre nach der Inbetriebnahme zur Einspeisung stellen Sie die Anlage auf Eigenstrom um.

Diese und viele weitere Tipps finden Sie in unserem aktuellen Ratgeber 300 Tipps: Autark mit Solarstrom (siehe Seite 6):

Ladeboxen wie der Wattpilot Flex von ­Fronius ­lassen sich leicht in intelli­gente ­Systeme zur Eigen­versorgung ­einbinden.

Foto: Fronius

Ladeboxen wie der Wattpilot Flex von ­Fronius ­lassen sich leicht in intelli­gente ­Systeme zur Eigen­versorgung ­einbinden.
Smarte Wechselrichter und Speicherbatterien sind wichtig für möglichst hohe Eigennutzung des Sonnenstroms.

Foto: Fronius

Smarte Wechselrichter und Speicherbatterien sind wichtig für möglichst hohe Eigennutzung des Sonnenstroms.

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Foto: Velka Botička

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