Springe auf Hauptinhalt Springe auf Hauptmenü Springe auf SiteSearch

Datengetriebener Betrieb wird strategischer Kern des Speichergeschäfts

Tauber Solar hat extremes Wachstums erlebt und Phasen, in denen das Fortbestehen des Betriebs keine Selbstverständlichkeit war. Wer länger als fünf Jahre in der Solarbranche aktiv ist, weiß: Die Marktverhältnisse können sich binnen weniger Monate dramatisch ändern. Einschnitte bei der Förderung, Importzölle, Insolvenzwellen bei Herstellern oder veränderte Vorgaben für den Netzanschluss können Unternehmen abstrafen, die sich zu stark auf ein einziges Geschäftsmodell konzentrieren.

Tauber Solar hat mit Diversifizierung reagiert: geografisch, technologisch und entlang der Wertschöpfungskette. Wer nur entwickelt und verkauft, ist abhängig von der Projektpipeline im aktuellen Markt. Wer Anlagen betreibt, erzeugt wiederkehrende Einnahmen.

Solarspeicher: Runter von der Bremse!

Marktdruck und strategische Notwendigkeit

Batteriespeicher wurden in weniger Jahre vom Nischenprodukt zum zentralen Bestandteil der Energieinfrastruktur. Die Gründe sind struktureller Natur: Der zunehmende Anteil fluktuierender Erzeugung aus Solar und Wind erhöht den Bedarf an Flexibilität im System. Gleichzeitig sind die Kosten für Lithium-Ionen-Speicher in einem Tempo gefallen, das viele Prognosen übertroffen hat.

BESS (Battery Energy Storage Systems) sind heute in vielen Marktsegmenten wirtschaftlich darstellbar: zur Netzversorgung Infrastruktur, zur Optimierung des Eigenverbrauchs und zunehmend im gewerblichen und industriellen Segment (C&I). Doch mit dem Wachstum kommen neue Herausforderungen. Die Technologie ist komplex, die Degradation der Zellen nicht trivial vorherzusagen, und die Interaktion zwischen Batteriemanagementsystem, Wechselrichter, Netzeinspeisepunkt und externer Steuerung birgt zahlreiche Fehlerquellen.

Frank Jessel von Baywa r.e. Solar Trade: „Noch kein Grund für Euphorie“ 

Anzahl und Größe der Projekte wächst

Wer einen Großspeicher betreibt, ohne tiefen Einblick in das tatsächliche Verhalten der Batteriezellen zu haben, bewegt sich weitgehend im Dunkeln und riskiert sowohl Leistungseinbußen als auch Kapazitätsverlust.

Lange Zeit war das Problem in der Branche zwar bekannt, aber beherrschbar. Solange Speicherprojekte wenige und große Einzelanlagen waren, ließ sich der Betrieb mit manuellen Prozessen und regelmäßigen Vor-Ort-Inspektionen handhaben. Mit der Skalierung des Marktes ändert sich das grundlegend.

Ein Betreiber, der heute für 300, 500 oder 1.000 Megawattstunden Speicherkapazität verantwortlich ist, benötigt Werkzeuge, die aus dem Datenstrom der Anlagen automatisch relevante Informationen destillieren – bevor aus der Anomalie ein Ausfall wird.

Themenheft über Wartung ist erschienen 

Betriebsmodell im eigenen Bestand entwickelt

Tauber Energy, die auf Eigeninvestitionen in Batteriespeicher fokussierte Tochtergesellschaft der Tauber Solar Holding, hat sich diesem Problem frühzeitig gestellt – mit einer klaren Antwort: Unabhängigkeit durch Daten. Kein Betreiber sollte bei der Beurteilung des Anlagenzustands allein auf Herstellerangaben angewiesen sein.

Was man braucht, ist die neutrale, batterietechnisch fundierte Analyse, die   Rohdaten auswertet und handlungsrelevante Erkenntnisse liefert. Seit Oktober 2023 setzt Tauber Energy eine Analytikplattform ein. Die Zusammenarbeit mit dem Partner begann mit einer Anlage mit 22 Megawattstunden und wurde auf ein zweites Projekt gleicher Größe ausgeweitet.

Wartung gewinnt an Bedeutung – sichern Sie sich Fachwissen im kompakten Format (Handbuch im VDE-Verlag) 

Mehr als klassisches Monitoring

Bis Ende 2026 wird der eigene Speicherbestand auf rund 100 Megawattstunden anwachsen – perspektivisch auf über 300 Megawattstunden in den nächsten zwei Jahren. Die Erfahrungen aus dem Betrieb dieser Anlagen fließen direkt in den O&M-Service ein, den Tauber-Solar für Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher seiner Kunden anbietet.

Was die Plattform konkret leistet, reicht über ein klassisches Monitoring weit hinaus. Im Mittelpunkt stehen prädiktive Analysen auf Zellebene: Ungleichgewichte im Ladezustand einzelner Zellgruppen, Entwicklungen des Innenwiderstands und thermische Muster werden kontinuierlich ausgewertet und bewertet. Das ermöglicht es, auffällige Entwicklungen frühzeitig zu identifizieren – Wochen oder Monate, bevor sie zum messbaren Leistungsverlust oder ungeplantem Ausfall führen.

Aktuelle Videos zur Speichertechnik

Inbetriebnahme als kritische Phase

In der Praxis ist die Inbetriebnahme oft der kritische Moment für ein Speicherprojekt: Abweichungen vom spezifizierten Verhalten, Integrationsprobleme zwischen Komponenten verschiedener Hersteller und erste Anzeichen von Zellungleichgewichten treten häufig genau dann auf, wenn der Betrieb gerade erst beginnt und alle Beteiligten mit Abnahmetests, Dokumentation und Abrechnung beschäftigt sind.

Der Einsatz einer Analyseplattform bereits ab dem ersten Betriebstag erlaubt es, den Zustand der Anlage unmittelbar zu benchmarken und spätere Verschlechterungen gegen einen klar dokumentierten Ausgangszustand zu messen. Das ist nicht nur für das operative Management wichtig, sondern auch für die Renditeplanung: Wer weiß, wie seine Anlage wirklich startet, kann realistischere Lebenszyklus-Modelle erstellen und bei Abweichungen frühzeitig eingreifen.

DSW bündelt 2,5 Megawattstunden auf Skid-Plattform 

Von Großspeichern zum C&I-Segment

Was Tauber Energy für Großspeicher aufgebaut hat, ist mehr als eine technische Integration: Es ist ein Betriebsmodell, das auf datenbasierten Entscheidungen beruht. Dieses Modell bleibt nicht auf Eigenanlagen und große Fremdportfolios beschränkt.

Denn im C&I-Segment – bei gewerblichen und industriellen Kunden, die eigene Solarsysteme mit Batteriespeichern kombinieren – stellt sich strukturell dieselbe Frage: Wie lässt sich sicherstellen, dass ein Speicher über seine gesamte Laufzeit tatsächlich die erwartete Leistung erbringt? Wie werden Probleme frühzeitig erkannt? Wie können Betreiber in Gesprächen mit Herstellern und Wartungsdienstleistern eine informierte Position einnehmen?

Tauber-Solar überträgt die Erfahrungen mit Großspeichern auf das C&I-Geschäft. Statt eines Systems, das Betreiber weitgehend sich selbst überlassen müssen, erhalten Kunden Zugang zu denselben Standards bei datengestütztem O&M.

Bayern: Maxsolar baut netzdienlichen Großspeicher 

Nicht alles läuft reibungslos

Eine nüchterne Einschätzung der Situation gehört dazu: Der Markt für Großspeicher ist jung, und die Kinderkrankheiten sind noch nicht überwunden. Projektverzögerungen durch Wartezeiten beim Netzanschluss, Qualitätsprobleme bei Integratoren mit zu schnellem Wachstum und ungeklärte Haftungsfragen zwischen OEM, Integrator und Betreiber sind in der Praxis häufige Themen.

Dazu kommen der Preisdruck durch chinesische Produzenten, der die Kalkulation für europäische Marktteilnehmer erschwert, und ein regulatorisches Umfeld, das sich in vielen Ländern im Prozess der Anpassung befindet. Und: Die wirtschaftliche Optimierung eines Speichers – also die Entscheidung, wann und wie der Speicher geladen und entladen werden soll – ist selbst bei gut funktionierender Hardware komplex. Die Preise für Wirkleistung, Blindleistung oder Regelenergie verändern sich. Einspeiseverträge haben Bedingungen, und die Betriebsstrategie muss kontinuierlich an veränderte Rahmenbedingungen angepasst werden.

Tauber Solar hat in seiner Geschichte gelernt, dass Marktzyklen keine Ausnahme sind, sondern die Regel. Die Reaktion ist der Aufbau von Strukturen, die es ermöglichen, früh auf Veränderungen zu reagieren: operative Daten als Entscheidungsgrundlage, Diversifizierung der Ertragsquellen, und Kompetenz, die nicht an einen einzelnen Technologiezyklus gebunden ist.

Co-Location: Solaranlage mit Speicher kombinieren (kostenfreies E-Paper) 

Was professioneller O&M-Betrieb bedeutet

Operations & Maintenance hat in der Solarbranche lange ein Nischendasein geführt. Das ändert sich gerade, aus klarem Grund: Der installierte Bestand wächst schneller als die Fachkompetenz, die für einen professionellen Betrieb notwendig wäre. Viele Anlagenbetreiber verfügen nicht über das nötige Wissen und die Erfahrungen, um Speichersysteme kompetent zu betreiben.

Tauber Solar hat seinen O&M-Service auf Basis dieser Marktlücke entwickelt und erweitert. Die Ausweitung der Analyseplattform auf verwaltete Drittanlagen ist der operative Ausdruck dieser Strategie: Wer die Anlage eines Kunden managt, übernimmt die Verantwortung für deren Performance. Das erfordert eine Sorgfaltspflicht, die über das reine Überwachen von Betriebsparametern hinausgeht.

Die Einführung einer unabhängigen Analyseschicht für alle O&M-Anlagen schafft Transparenz in beide Richtungen: Der Anlagenbesitzer erhält einen objektivierten Bericht über den Zustand seiner Investition. Tauber Solar als O&M-Dienstleister verfügt über eine belastbare Grundlage für operative Entscheidungen und kann Handlungsempfehlungen datengestützt begründen. Das ist eine andere Qualität als die monatliche Statusmeldung auf Basis von Dashboards der Hersteller.

Themenheft über Solarspeicher ist erschienen

Unabhängige Analytik im reifenden Markt

Ein Markt, der reift, verändert die Anforderungen an seine Akteure. In der Anfangsphase des BESS-Marktes war die Fähigkeit, überhaupt Projekte zu strukturieren und umzusetzen, entscheidend. In der nächsten Phase wird die Fähigkeit, Anlagen langfristig und effizient zu betreiben, zum entscheidenden Unterscheidungsmerkmal.

Dabei entsteht ein strukturelles Problem: Die meisten Informationen über den Zustand einer Batterie kommen traditionell vom Hersteller selbst. Das schafft Interessenkonflikte.

Probleme rechtzeitig kommunizieren

Ein OEM, der gleichzeitig Komponenten liefert, Service erbringt und Zustandsberichte erstellt, hat keinen Anreiz, Probleme früher zu kommunizieren als unbedingt notwendig. Unabhängige Analysetools schaffen hier einen neuen Standard: Sie erzeugen Informationen, die nicht vom Hersteller kontrolliert werden und die damit als neutrale Entscheidungsgrundlage dienen.

Mehr und mehr setzt sich in der Branche die Erkenntnis durch, dass professionelle O&M nicht bedeutet, Probleme im Nachhinein zu beheben, sondern sie im Voraus zu erkennen. Predictive Maintenance ist kein Buzzword mehr, wenn dahinter konkrete Zellanalysen stehen, die anomale Temperaturabweichungen oder Widerstandsänderungen in den Batteriemodulen sichtbar machen – Wochen bevor der Alarm ausgelöst wird.

Ikratos startet Tauschbörse für gebrauchte Speicher 

Skalierung mit Substanz

Die Projekte, die Tauber Energy und der O&M-Service von Tauber Solar aktuell betreiben, bilden eine Ausgangsbasis, keine Zielgröße. Das Unternehmen baut seinen BESS-Bestand weiter aus. Das Wachstum soll mit Qualität einhergehen, die durch Skalierung nicht verwässert wird.

Denn viele Betreiber wachsen schneller, als ihre operativen Strukturen mithalten können. Dann funktionieren die Anlagen zwar technisch. Wirtschaftlich schöpfen sie ihre Potenziale aber nicht aus, weil die Optimierung nicht erkannt oder nicht durchgeführt wird. Operative Systeme und das Wachstum des Portfolios müssen synchronisiert werden.

Die Plattform von Tauber Solar läuft über alle Anlagen, ob eigene oder für Kunden verwaltete. Die Prozesse werden nicht individuell für jede neue Anlage neu aufgesetzt, sondern skalieren mit dem Portfolio. (HS)

Der Autor: Arne Weinig ist Finanzexperte und seit Januar 2022 einer von vier Inhabern sowie geschäftsführender Gesellschafter der Tauber Solar Holding. Er leitet das Business Development und die Personalentwicklung. Zwischen 2016 und 2021 war er bei Natwest Markets tätig. Davor war er bei Nomura und Mitsubishi UFJ Securities International tätig. Seine Karriere begann Weinig bei der Commerzbank.