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Terror gegen die Ukraine erreicht neue Stufe

Seit Anfang September heizt Russland den zerstörerischen Krieg immer weiter an. Fast stündlich greifen Raketen und Drohnen die ukrainische Hauptstadt Kyjiw an. Das Leben der Menschen bricht zusammen. Ihre Schilderungen sind schwer zu ertragen.

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Polina Kolodiazhna ist bei Greenpeace aktiv, dort unterstützt sie Planung und Bau von Solaranlagen für Krankenhäuser. Finanziert durch die Biohaus-Stiftung in Paderborn, gehen Anlagen und Speicherbatterien aus Deutschland auf die Reise gen Osten. Montiert werden sie durch Frauen, die von Greenpeace in der Ukraine ausgebildet wurden.

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Neue Stufe der Eskalation

Was Polina Kolodiazhna aus Kyjiw berichtet, gleicht einem düsteren Scherz: „Es war ein extrem schwieriger Monat für die Stadt. Wir haben sogar angefangen, einen Witz zu machen: Der Krieg hat eigentlich erst in diesem September begonnen.“ Das ist ein Zeichen dafür, wie dramatisch sich die Intensität der Angriffe und der Alltag der Menschen verändert haben.

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Russische Drohnen greifen mittlerweile Tag und Nacht statt, ebenso wie Raketen. Im September stand Kyjiw etwa 243 Stunden unter Luftalarm – ungefähr ein Drittel des gesamten Monats.

Ständige Furcht vor neuem Luftalarm

Die Pausen zwischen den Alarmen werden zum Wettlauf, um Lebensmittel einzukaufen, in eine Apotheke oder quer durch die Stadt zu gelangen. „Manchmal haben wir eine Stunde oder anderthalb Stunden Zeit, manchmal nur wenige Minuten“, berichtet sie. „Das ist sehr kurz, um sich mit Nahrungsmitteln oder anderen Dingen des täglichen Bedarfs einzudecken.“ Und die Abstände werden immer kürzer.

Alle aktuellen Informationen zur Ukraine finden Sie hier.

Putin will die ukrainische Bevölkerung zermürben. Viele Geschäfte, Apotheken und Dienstleister schließen während der Alarmphasen – aus gutem Grund. Russlands unerbittliche Angriffe zerstören jede Aussicht auf normales Leben: die Nacht durchzuschlafen, zur Schule zu gehen, medizinische Versorgung in Anspruch zu nehmen oder einfach sicher zur Arbeit zu kommen.

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Der Krieg wird immer heftiger

Am 28. September traf eine Drohne ein Gebäude der Akademie der Wissenschaften im Zentrum von Kyjiw und tötete zwei Menschen. Das Gebäude der Akademie liegt unmittelbar neben der Deutschen Botschaft, nur durch ein Gebäude getrennt. „Bis zu meiner Wohnung sind es etwa 300 Meter“, schreibt Polina Kolodiazhna. „Als die Akademie getroffen wurde, stand ich im Hof. Innerhalb weniger Sekunden wurde ich von winzigen Betonsplittern eingedeckt. Meine Wohnung füllte sich mit Rauch.“

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Terror gegen die Bevölkerung

Die Einwohner der Stadt wachen morgens auf und sehen, wie Rauch die Nachbarschaft verdunkelt – von Bränden in Kyjiw und der umliegenden Region. „Die Angriffe begleiten uns noch lange nach den Explosionen – in der Luft, die wir atmen, in unseren Wohnungen und in unserem gesamten Alltag.“

Informationen von Greenpeace zur Ukraine

Ziel der Angriffe sind vor allem medizinische und kommunale Einrichtungen, außerdem Energieversorgung und die Telekommunikation. Hier einige Beispiele:

Am 17 September wurde ein Kindergarten im Bezirk Dniprovskyi schwer beschädigt. Am 24. September gingen im Entbindungskrankenhaus Nr. 2 auf mehreren Etagen die Fenster und Türen zu Bruch. Patientinnen, Patienten und Personal blieben unverletzt, weil sie im Schutzraum Zuflucht gesucht hatten. Dort kam ein kleiner Junge zur Welt – unter der Erde, während Russland die Stadt bombardierte.

Medikamente werden knapp

Zahlreiche Lagerhäuser wurden zerstört. In Supermärkten sind bestimmte Lebensmittel kaum noch verfügbar, ebenso Medikamente in den Apotheken. Schäden an Fabriken der Pharmaindustrie verstärken die Engpässe. Menschen, die auf regelmäßige Medikamente angewiesen sind, bekommen ihre Medikamente nicht mehr. Weil die Pausen zwischen den Alarmen immer kürzer werden, kann man sich kaum noch mit dem Notwendigsten eindecken.

Dringend benötigt: Solaranlagen für Krankenhäuser in der Ukraine (Video auf Youtube)

Obendrein unterbrechen die Angriffe auch das Internet, rund 100.000 Haushalte in Kyjiw und Umland sind von Störungen betroffen. Am 27. September wurde die Zentrale von Kyivstar getroffen. Diese Angriffe zielen auf die überlebenswichtige Fähigkeit, in Verbindung zu bleiben und lebensrettende Warnungen zu empfangen.

Russland setzt seine Kampagne gegen die Strom- und Wärmeerzeugung fort, darunter gegen Wärmekraftwerke und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. „Angriffe am 30. September beschädigten Energieanlagen in und um Kyjiw und führten erneut zu Notabschaltungen in der Hauptstadt“, berichtet Polina Kolodiazhna. „Wir hatten keinen Strom und eine Zeitlang kein Wasser. Der nächste Winter naht, und uns graut davor.“ Denn im Winter nutzt Russland die Kälte und die Dunkelheit, um die Menschen zusätzlich zu terrorisieren.

Greenpeace Ukraine: Two solar power stations installed by women now operating on hospital in Ternopil region 

Am 30. September traf eine Drohne das Institut für Kernforschung, in dem sich ein Forschungsreaktor befindet. Glücklicherweise blieb der Reaktor und seine Sicherheitssysteme unbeschädigt, die Strahlungswerte sind normal. Vorsichtshalber wurde der Reaktor im Februar 2022 abgeschaltet und sein Kern entladen.

Neuer Terror im Oktober

Der Oktober begann mit weiterem Terror. Am 1. Oktober traf eine russische Drohne eine Schule, wo der Unterricht gerade begonnen hatte, und löste einen Brand aus. Mehr als 100 Schülerinnen und Schüler sowie etwa 60 Lehrkräfte befanden sich im Schutzraum. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.

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Dass sie überlebt haben, macht diesen Angriff nicht weniger schrecklich. „Wir sind immer wieder aufs Neue entsetzt, wie skrupellos Russland auch Kinder gefährdet“, klagt Polina Kolodiazhna. „Russlands Terror kennt keine Grenzen.“

Im weiteren Verlauf des Tages schlugen zwei Drohnen in der Nähe der Südbrücke ein, die den Dnipro überspannt. Ein U-Bahn-Zug wurde von der Explosion erfasst, Staub drang in die Wagen. Glücklicherweise blieben die Fahrgäste und der Fahrer unverletzt. Der Verkehr über die Brücke wurde vorübergehend eingestellt.

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Kein Gedanke ans Aufgeben

Nicht aufgeben! „Bevor ich nach draußen gehe, schaue ich auf die Website von Radar UA“, erzählt Kolodiazhna. „Dort kann ich einschätzen, ob ich genug Zeit habe, mein Ziel zu erreichen, bevor der nächste Luftalarm ausgelöst wird.“ Dort kann sie in Echtzeit sehen, welche Drohnen und Raketen sich gerade auf Kyjiw zubewegen.

Sie schreibt: „Auch wenn es schwer ist und immer schwerer wird: Wir lassen uns nicht in die Knie zwingen.“ Ihr Bericht schließt mit den Worten: „Es tröstet uns, wenn wir das Gefühl haben, dass Menschen uns sehen und hören. Dass wir in diesem fürchterlichen Krieg nicht ganz allein sind.“ (HS)

Hier geht es zum Bericht von Polina Kolodiazhna auf der Website von Greenpeace