Die installierte Kapazität von Batteriegroßspeichern in Deutschland hat laut Modo Energy die Marke von zwei Gigawattstunden überschritten. Ende 2022 lag sie noch bei knapp 1,1 Gigawattstunden. Für 2026 erwarten Branchenanalysten einen Sprung auf etwa 10,2 Gigawattstunden.
Neue Regulierung verändert Erlösmodelle
Mit dem Ausbau verteilt sich das Erlöspotenzial auf mehr Marktteilnehmer. Die Preisunterschiede zwischen günstigen und teuren Stromstunden sinken, was die Markterlöse aus dem freien Handel reduziert. Ab 2026 kommen weitere Veränderungen hinzu: Die Bundesnetzagentur plant, bestimmte Netzentgeltprivilegien abzuschmelzen und bis 2029 vollständig auslaufen zu lassen. Gleichzeitig öffnen sich neue Erlöspfade. Die Übertragungsnetzbetreiber sollen Blindleistung künftig marktbasiert beschaffen, was Speicherbetreibern zusätzliche Einnahmen ermöglichen könnte.
Flexibler PPA: Return liefert Speicherstrom nach Bedarf
Für Betreiber wird das sogenannte Revenue Stacking wichtiger. Dabei kombinieren sie mehrere Erlösquellen: Arbitrage im Day-Ahead- und Intraday-Markt, Teilnahme am Regelenergiemarkt sowie Vergütungen für Blindleistungsbereitstellung. Auch die Kombination von Solaranlagen und Batteriespeichern an einem Standort, sogenannte Co-Location, gewinnt an Bedeutung. Sie kann Netzanschluss-Hürden mindern und die Wirtschaftlichkeit von Solarprojekten steigern.
Analytik als Voraussetzung für wirtschaftlichen Betrieb
Hannes Schneider, Senior Technical Solutions Engineer beim Analytik-Unternehmen Twaice, sieht in der datenbasierten Überwachung einen entscheidenden Faktor für den wirtschaftlichen Betrieb. Batteriegroßspeicher bestünden aus Hunderttausenden Komponenten. Bereits kleinste Ungenauigkeiten in der Leistungs- oder Energiebestimmung könnten über Gewinn oder Verlust entscheiden, erklärt Schneider. Der Übergang von traditioneller Datenerfassung hin zu KI-basierter Zustands- und Anlagenüberwachung sei die wichtigste Veränderung im Betrieb von Großspeichern.
EU-Batterieverordnung bringt neue Nachweispflichten
Zusätzlichen Druck erzeugt die EU-Batterieverordnung (2023/1542). Sie macht unter anderem Nachweise zum CO₂-Fußabdruck und einen digitalen Batteriepass ab 2027 verbindlich. Für Speicherprojekte bedeutet das nach Einschätzung von Twaice-Manager Schneider: Wer belastbare Daten vorweisen kann, hat Vorteile bei Finanzierung, Versicherung und Vermarktung. (nhp)
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