Für den Boom sorgten vor allem große Speichersysteme. Ein Plus von 31 Prozent gab es bei Gewerbespeichern. Ihr Potenzial wird aber noch nicht voll ausgeschöpft. Welche Rolle Gewerbespeicher künftig im Energiesystem spielen und wie sich ihr wirtschaftlicher Einsatz konkret gestalten lässt, steht im Jahr 2026 im Mittelpunkt der EES Europe.
Europas größte Fachmesse für Batterien und Energiespeichersysteme findet vom 23. bis 25. Juni 2026 in München statt – als Teil von The smarter E Europe, zu der auch die Intersolar, EM-Power und Power2Drive gehören.
Rückblick im Video: Das waren die Höhepunkte der EES Europe 2025!
Rund 2.800 Aussteller erwartet
Unternehmen präsentieren dort ihre neuesten Technologien und Geschäftsmodelle. Fachbesucher erhalten Einblicke in Markttrends, regulatorische Entwicklungen und konkrete Anwendungsbeispiele und können sich mit Herstellern, Projektentwicklern, Investoren und Energieversorgern vernetzen. Die Veranstalter erwarten rund 2.800 Aussteller und mehr als 100.000 Besucher aus aller Welt.
In Europa wird ein weiteres Wachstum bei Speichern für Industrie und Gewerbe erwartet – angetrieben durch gestiegene Energiekosten, aber auch durch die gesunkenen Batteriepreise. Seit 2010 haben sie sich um 75 Prozent verringert. Die größten Märkte für Gewerbespeicher in Europa sind Deutschland, die Niederlande und Italien.
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Zwischen 20 Kilowatt und einem Megawatt
Ihr Leistungsbereich liegt zwischen 20 Kilowattstunden und einer Megawattstunde. Sie sichern die Energieversorgung, stabilisieren die Netze, reduzieren Abregelungen und senken die Stromkosten. Das macht Gewerbespeicher besonders für Unternehmen interessant, die einen hohen Stromverbrauch und hohe Lastspitzen haben.
Typische Anwender sind Transport- und Logistikzentren, Flughäfen, Häfen, Rechenzentren, Krankenhäuser, Universitäten, Einzelhandel, Supermärkte, Handwerks- und Landwirtschaftsbetriebe, aber auch Kommunen. „Wir stehen erst am Anfang des Batteriezeitalters“, sagt Daniel Hannemann, CEO und Co-Founder von Tesvolt, einem Anbieter von Batteriespeichersystemen aus Wittenberg. „Bereits durch Lastspitzenkappung erreichen Gewerbespeicher Amortisationszeiten von unter vier Jahren. Setzen Unternehmen ihren Speicher für den Energiehandel ein, können sie monatliche Erlöse im vier- bis sechsstelligen Bereich erzielen.“
Gewerbespeicher von Solarwatt drückt Energiekosten
Amortisation unter vier Jahren
Entscheidend sei, Speicher als wirtschaftliches Asset zu verstehen, das flexibel für verschiedene Anwendungen eingesetzt werden kann. Daniel Hannemann erhänzt: „Wichtige Voraussetzung sind verlässliche politische Rahmenbedingungen, die Investitionssicherheit schaffen.“
In der EU fehlt es jedoch an einheitlichen Regeln, Netzentgelten und Tarifen. Das erschwert die Planung und Finanzierung für Entwickler und Investoren. Einige Länder bieten bereits dynamische Netzentgelte und flexible Strompreise an. In Deutschland müssen alle Stromlieferanten seit Januar 2025 dynamische Stromtarife anbieten.
Projektgeschäft: Solarparks mit Speichern werden zum Standard
Und die Netzbetreiber müssen seit April 2025 ein Modul mit variablen Netzentgelten und drei Tarifstufen bieten: einen Niedertarif (NT), Standardtarif (ST) und Hochtarif (HT). Die Tarife orientieren sich an der Netzauslastung, die Zeiträume variieren je nach Netzgebiet.
Sonnenstrom und Speicher senken Kosten deutlich
Gewerbespeicher werden meist mit einer Photovoltaikanlage kombiniert, um die Kostenreduktion durch selbst erzeugten voll auszuschöpfen. Sie lohnen sich aber auch alleine, indem sie Strom aus dem Netz kaufen und wieder verkaufen.
Unternehmen können benötigte Energie genau dann kaufen und speichern, wenn sie günstig ist – in den Sommermonaten vor allem in der Mittagszeit. Das entlastet die Stromnetze, denn die Netzentgelte rutschen teilweise unter einen Cent – der Strompreis sogar unter null. Unternehmen können ihre Betriebskosten so deutlich senken.
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Rentabel auch ohne Photovoltaik
Solarstrom von anderen Anbietern zu speichern und keinen eigenen zu produzieren – diesen Trend sieht Franz-Josef Feilmeier, Geschäftsführer von Fenecon. „2026 wird das erste Jahr der Speicher ohne Photovoltaik sein‘“, sagt er. „Nicht, weil Sonnenstrom etwas Schlechtes wäre. Natürlich sollen weiterhin überall, wo es geht, Photovoltaikanlagen gebaut werden. Aber die Kombination aus quartalsweisen variablen Modul 3-Netzentgelten mit sehr geringen NT-Preisen und viertelstündlichen dynamischen Stromtarifen ist ein wahres Fest für Gewerbespeicher in der Niederspannung.“
Franz-Josef Feilmeier: „Die Co-Location ist der natürliche Anwendungsfall für Speicher“
Sie lohnen sich auch dort, wo Eigentums- oder Mietkonstellationen, Statik, Verschattung oder zu kleine Dachflächen bisher eine aktive Nutzung kostengünstiger Photovoltaik verhindert haben. „Mit einem dafür geeigneten Zeitraum- und Energiefahrplan-basierten Energiemanagementsystem lässt sich auch von Dritten produzierter Solarstrom unglaublich günstig nutzen“, ergänzt Feilmeier.
Gewerbespeicher in München im Fokus
Investitionen in Gewerbespeicher rechnen sich – auch für Handwerksbetriebe. Gezielt an sie richtet sich eine Veranstaltung auf dem EES Forum am 25. Juni 2026 in München. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfahren alles Wissenswerte zu regulatorischen Neuerungen. Installationsbetriebe stellen Praxisbeispiele vor und Hersteller präsentieren technische Neuerungen.
The smarter E Europe: Jetzt um die Awards für 2026 bewerben!
Neue Chancen und Märkte eröffnen sich zudem für Entwickler von Großspeichern, Anbieter aus dem Wohnbereich oder Akteure aus dem Bereich Elektrofahrzeuge, die Speicher in Ladeinfrastrukturen integrieren möchten. Wie sie vom Trend der Gewerbespeicher profitieren können, ist eine zentrale Frage nicht nur auf der Fachmesse, sondern auch auf der begleitenden EES Europe Conference, die am 22. Juni und 23. Juni 2026 stattfindet. (HS)