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Gewerbespeicher von Solarwatt drückt Energiekosten

Deutschland ist Wirtschaftsland, dafür ist es berühmt. Zwischen Nordsee und Alpen gibt es überall kleine und mittlere Unternehmen, die abseits vom Rampenlicht stehen und dennoch als versteckte Juwelen gelten. Die Firma Gerhard Schoch Druckgiesstechnik ist so ein Hidden Champion. Sie sitzt in Görlitz an der Neiße, im südöstlichen Zipfel von Sachsen, im Dreiländereck zu Tschechien und Polen.

Solarwatt: Solarfassade für Forschungsinstitut in Dresden

Vier Hallen betreibt G-S-D im Gewerbegebiet am Flughafen der Neißestadt, insgesamt rund 4.000 Quadratmeter für Vertrieb, Verwaltung und Produktion. Dort werden Präzisionsteile für verschiedene Branchen gefertigt, beispielsweise Kolben oder Beschläge für den Bau. Gießerei, Härteöfen und Zerspanung brauchten 2021 rund 434.000 Kilowattstunden Strom aus dem Netz. „Damals haben wir 122.000 Euro bezahlt“, erinnert sich Firmenchef Gerhard Schoch.

Langfristig denken und planen

Gerhard Schoch siedelte sich vor 20 Jahren in Görlitz an, der Familienbetrieb wird mittlerweile in der dritten Generation geführt. Derzeit arbeiten rund 20 Leute in der Firma. Schoch denkt langfristig, deshalb nimmt er die Energiekosten genau unter die Lupe. „2022 kamen gewaltige Preissprünge“, erinnert er sich. „Zwar haben wir in jenem Jahr weniger Strom gebraucht, nur 342.000 Kilowattstunden. Aber dafür mussten wir 169.000 Euro zahlen.“

Solarwatt zeigt modularen Speicher mit Notstrom

Ohne Strom läuft in seinem Betrieb nichts. Wenn die Kosten weiter so steigen, stehen bald alle Räder still. Deshalb ließ Gerhard Schoch im Frühjahr 2023 eine Solaranlage auf seine Dächer setzen. Solarwatt aus Dresden installierte knapp 300 Kilowatt, 780 Solarmodule nach Osten und Westen ausgerichtet. „Das hat sich schnell bemerkbar gemacht“, rechnet Schoch vor. „Die Anlage ging im März 2023 in Betrieb. In diesem Jahr mussten wir noch 194.000 Kilowattstunden kaufen, für 52.000 Euro.“

Kosten mit Sonnenstrom reduziert

2024 wurden bei den Stadtwerken Görlitz noch 110.300 Kilowattstunden gekauft, für insgesamt 34.000 Euro. Allerdings ergab sich das Problem, dass im Sommer zu viel Sonnenstrom ins Netz abfloss. Deshalb musste die Firma noch viel Strom zukaufen. Was lag näher als der nächste Schritt? „Im Mai 2025 haben wir weitere 35,6 Kilowatt auf unsere Dächer installiert, 84 neue Solarmodule“, berichtet der Firmenchef. „Und wir haben Solarmodule an unsere Fassaden gehängt, insgesamt 180 Module.“ Damit will er Strom bei tiefen Sonnenständen ernten, vornehmlich im Winter. Das Montagesystem stammt von der Firma Fischer.

Die Solarfassaden leisten rund 67 Kilowatt. Weil es bei der ersten Anlage so gut geklappt hatte, ging der Auftrag erneut an Solarwatt. Speziell für Fassaden hat der Dresdner Systemanbieter die Solarmodule Vision Construct mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung im Portfolio. Dadurch entfällt der gesonderte Statiknachweis, die Module werden unkompliziert montiert. „Und wir haben einen Stromspeicher einbauen lassen“, erzählt Schoch. „Diese Entscheidung hat sich richtig gelohnt. Die Frage ist, warum wir das nicht früher gemacht haben.“

Solarwatt setzt auf größere Speicher für Gewerbe und Industrie

Erster Großspeicher für Solarwatt

Für Solarwatt war es der erste Großspeicher. Das Projektteam um Martin Grothkopp und Jan Löper kannte den Betrieb und seine Anforderungen bereits, von der Solarinstallation im Jahr 2023. „In diesen Speicherprojekt kombinieren wir Lastspitzenkappung mit der Optimierung des Eigenverbrauchs“, erläutert Jan Löper von Solarwatt. „Außerdem nutzt der Speicher dynamische Stromtarife aus und kann Stromüberschüsse handeln.“

Solarwatt hatte im Herbst 2025 sein neues Speichersystem für C&I vorgestellt. Da war der Speicher in Görlitz bereits installiert und in Betrieb genommen. Fünf Schränke mit je 261 Kilowattstunden wurde installiert, zusammen 1,3 Megawattstunden. Fünf Batteriewechselrichter mit je 125 Kilowatt Leistung ergeben 625 Kilowatt. Anfang Juli 2025 ging der Speicher in Betrieb.

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In vier Jahren abbezahlt

Anschließend waren noch Anpassungen notwendig, aber die Einsparung wurde bereits sichtbar: Im August kaufte das Unternehmen nur noch 1.700 Kilowattstunden zu. „In drei bis vier Jahren ist die komplette Anlage abbezahlt“, stellt Gerhard Schoch in Aussicht. „Wir schauen uns die Verbräuche sehr genau an.“ Sein Ziel ist es, die Energiekosten mittelfristig auf null zu drücken.

Den Speicher hat sein Unternehmen aus eigener Tasche bezahlt, Bankkredite wurden nicht aufgenommen. „Das widerspräche unserer Philosophie“, erklärt er. „Wir sind schuldenfrei und das wollen wir auch bleiben. Die Investition haben wir rechtzeitig geplant und entsprechende Mittel eingestellt.“

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Stadtwerke sehr kooperativ

Besonders lobt er die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Görlitz. Einerseits kauft er heute deutlich weniger Strom ein. Andererseits bleibt er den Stadtwerken als Kunde treu, denn „unsere Firma hat mit den Stadtwerken einen Vertrag für die Direktvermarktung der Überschüsse aus den Solaranlagen geschlossen. Und wir haben einen Vertrag für dynamische Stromtarife.“

Derzeit kauft der Speicher den Netzstrom zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens. „Dafür zahlen wir den Börsenpreis plus 0,5 Cent“, rechnet Schoch vor. „Der Speicher wird bis 80 Prozent beladen. In dieser Zeit kostet uns die Kilowattstunde nur zehn Cent, nicht 27 Cent wie im Normaltarif. Dann versorgen wir unsere Produktion über den Tag aus dem Speicher.“ Am Wochenende stehen die meisten Maschinen still, lediglich Nitrieröfen zum Härten der Metallteile ziehen Strom.

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Anschluss an firmeneigenen Trafo

An sonnigen Tagen wird Solarstrom in den Speicher eingelagert, erst danach ins Netz eingespeist. An klaren Wintertagen bringen die Solarfassaden ordentlich Strom, das ist nicht zu unterschätzen.

Die Stadtwerke haben auch den Anschluss der Solaranlagen und des Speichers ans Netz unterstützt. „Das lief sehr unkompliziert“, lobt Gerhard Schoch. Der Netzabschluss erfolgte über den firmeneigenen Transformator. „Wir haben den Speicher so eingestellt, dass nicht zu viel Leistung über den Trafo läuft“, berichtet Jan Löper. „Denn die Kabel sind limitiert. Deshalb kappt der Speicher unter anderem Lastspitzen.“

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EMS steuert komplexe Funktionen

Speziell zur Steuerung des Gewerbespeichers verwendet Solarwatt ein Energiemanagementsystem, das die komplexen Funktionen, Prozesse und Daten steuert und verwaltet. Das Speichersystem wurde AC-seitig eingekoppelt. So konnte die erste Solaranlage aus dem Jahr 2023 integriert werden. Sie läuft über Wechselrichter von Huawei.

Firmenchef Gerhard Schoch hat sich selbst um das Projekt gekümmert, denn für den Fortbestand des Unternehmens ist es von essentieller Bedeutung. „Zuerst bekam ich das Angebot einer Firma, die mir den Speicher als Gerät vor die Tür stellen wollten, wie einen Kühlschrank bei Amazon“, erzählt er schmunzelnd. „Mir war sofort klar, dass es auf diese Weise nicht funktionieren kann. Denn Einbindung und Anschluss solcher Systeme sind komplex, das hätte uns als kleine Firma überfordert.“

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Kurzer Weg zum Kunden

Das Projektteam von Solarwatt brachte die notwendige Expertise und Erfahrung mit, kannte das Unternehmen bereits. Nach Dresden sind es knapp hundert Kilometer über die Autobahn, da sind schnelle Absprachen vor Ort kein Problem. Das hat sich vor allem bei der Anpassung des Speichers an die Anforderungen des Kunden und bei der Inbetriebnahme bewährt.

Beispiel: G-S Druckgiesstechnik betreibt ein eigenes BHKW (49 Kilowatt elektrische und 96 Kilowatt thermische Leistung), das zu berücksichtigen war. Nun läuft die Anlage reibungslos. „Der Speicher steigert den Ertrag aus unseren Solaranlagen gewaltig“, schätzt Gerhard Schoch ein. „Jetzt wollen wir unseren Netzanschluss zusätzlich auf 80 Kilowatt begrenzen.“

Eine gelungene Referenz

Für Solarwatt ist es eine gelungene Referenz, die sich schnell herumsprechen dürfte. „Kommerzielle Solaranlagen mit mehr als 30 Kilowatt bauen wir seit vielen Jahren“, bestätigt CPO Peter Bachmann bei Solarwatt in Dresden. „Nun kommen die Speicher hinzu. Das macht die Anwendungen komplexer, der Beratungsaufwand bei den Kunden wächst.“

Bis zu zehn Speicherschränke lassen sich kaskadieren, macht 2,61 Megawattstunden maximal. Mit dem neuen System ist der Einstieg in C&I gelungen. Das dürfte das Solargeschäft unterstützen. Zudem warten etliche ältere Anlagen darauf, mit Speichern nachgerüstet zu werden. „Das gilt nicht nur für Deutschland“, meint Bachmann. „Das sehen wir auch in Großbritannien, in den Niederlanden und in Belgien.“

Installateure bei Projekten unterstützen

Das Projektteam unterstützt die Partnerbetriebe von Solarwatt aus dem installierenden Handwerk, die mit dem neuen System den Schritt in größere Anlagen wagen. Einige Installateure haben das Speichersystem bereits bei ihren Kunden eingebaut. „Derzeit haben wir viele Projekte in der Pipeline“, bestätigt Martin Grothkopp von Solarwatt.

Viele Installateure sind keine Neulinge im Speichergeschäft, kennen beispielsweise schon den Heimspeicher Battery Vision von Solarwatt. Er kann bis zu 18,2 Kilowattstunden pro Speicherturm aufnehmen. Zehn Türme sind kaskadierbar, macht also 182 Kilowatt. Die Grenze zwischen Heimspeicher und Gewerbespeicher sind – von der Technik her – fließend.

Neuland für viele Fachpartner

Doch die Planung der Gewerbespeicher, ihre vielfältigen Funktionen und die elektrische Einbindung ins Unternehmen sind für viele Fachhandwerker noch Neuland. „Deshalb helfen wir unseren Partnern mit Leads von potenziellen Kunden, bei der Planung und bei der Installation“, sagt Peter Bachmann.

Für C&I-Projekte bietet Solarwatt ein spezielles Onlinetool, um die Planung der Solaranlage mit der Auslegung des Speichers und die betriebliche Anwendung zu verknüpfen. „Die Software prognostiziert Erlöse und optimiert die Anwendung“, weiß Jan Löper von Solarwatt. „Sie rechnet mehrere Hundert Varianten und entwickelt eine optimierte Version nach Kriterien wie Return of Investment oder Cashflow.“ Auch dynamische Tarife für Netzstrom sind darstellbar. Damit lassen sich C&I-Kunden umfassend beraten und Varianten durchspielen. (HS)

Hier erfahren Sie mehr über die C&I-Projekte von Solarwatt

Website der Firma Gerhard Schoch Druckgiesstechnik in Görlitz