TDas Umweltbundesamt (UBA) hat sich angeschaut, wie der Ausbau der Photovoltaik in Deutschland umweltschonend vorankommen kann. Das Ergebnis: Wenn wir die benötigten Flächen für Solaranlagen klug auswählen, kann der schnelle Ausbau der Solarenergie gelingen und dabei ökologisch und landwirtschaftlich wertvolle Bereiche erhalten werden.
Dies bedeutet konkret, dass der ambitionierte Ausbau der Solarenergie in Deutschland möglich ist, ohne Natur und Landwirtschaft zu gefährden. Deshalb schlagen die Autoren der Studie vor, Photovoltaikanlagen primär auf Dächern zu errichten, um das im EEG festgeschriebene Ausbauziel von 400 Gigawatt zu erreichen.
Solaranlage auf Freifläche unverzichtbar
Um dieses EEG-Ziel aber schnell genug erreichen zu können, seien auch Anlagen auf Freiflächen unverzichtbar. „Es ist wichtig und möglich, Photovoltaikanlagen so zu installieren, dass die Fruchtbarkeit unserer Böden und wertvolle naturnahe Bereiche erhalten werden“, betont Dirk Messner, Präsident des UBA. „Photovoltaik erzeugt pro Hektar auch bei umweltschonendem Ausbau ein Vielfaches an Strom gegenüber Energiepflanzen – das Potenzial für eine effizientere und umweltverträgliche Nutzung unserer Agrarflächen ist entsprechend groß.“
Deshalb beschreibt die UBA-Studie „Photovoltaik auf dem Acker? – Ein Positionspapier“ den aktuellen Sachstand zur Photovoltaik in Deutschland, benennt bestehende Konfliktfelder und schlägt Lösungen für einen umwelt- und landwirtschaftsverträglichen Ausbau von solaren Freiflächenanlagen vor.
Ökologisch weniger wertvolle Flächen nutzen
So sollten neben dem vorrangigen Ausbau von Anlagen auf Gebäudedächern, Parkplätzen, Deponien, Industrieflächen und anderen schon versiegelten oder vorbelasteten Standorten landwirtschaftliche Flächen nur bei Bedarf genutzt werden. Dabei müssen ökonomische und ökologische Kriterien eine wichtige Rolle spielen. „Werden zusätzliche Flächen benötigt, sollten hierfür vorrangig solche Bereiche genutzt werden, die ökologisch weniger wertvoll sind und eine geringere bis mittlere Bodengüte aufweisen“, schlagen die Experten vor. „Bündelungsoptionen von verschiedenen Infrastrukturprojekten können die Zerschneidung von Lebensräumen mindern.“ Dabei liegt der Schwerpunkt unter anderem auf Flächen entlang von Autobahnen. Naturschutzfachlich sensible Flächen sollten freigehalten werden.
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Flächen schonen, Klimarisiken reduzieren
Aber auch die Agri-PV als effiziente Doppelnutzung der Fläche sehen die UBA-Experten als Mittel an, den Ausbau umwelt- und flächenschonend umzusetzen. Denn Agri-PV-Systeme, die eine landwirtschaftliche Nutzung mit der Stromerzeugung kombinieren, bieten ein großes Potenzial für eine effizientere Flächennutzung. Solche Anlagen können außerdem Klimarisiken für Landwirte reduzieren, da sie Nutzpflanzen und Tiere vor klimatischen Beeinträchtigungen wie Hagel, Starkniederschlägen oder Sonnenbrand schützen und gleichzeitig sehr flächeneffizient Strom erzeugen können.
Umwelt und Biodiversität fördern
Zudem sollten strenge Umweltkriterien für alle Photovoltaikanlagen angewendet werden. So sollten Solarparks immer zu einer ökologischen Aufwertung der Flächen führen. Hierfür empfiehlt das UBA bei Baugenehmigungen im Minimum die folgenden Vorgaben. Module und Nebenanlagen sollten maximal 60 Prozent der Grundflächen überdecken. Überdies sollte biodiversitätsfördernde Vegetation unter und zwischen den Modulen angelegt und entsprechend gepflegt werden. Die Solarparks sollten zudem Wildkorridore enthalten, um die Querung von Tieren zu ermöglichen. Zudem sollte die Anlage von Biotopelementen vorgeschrieben sein, die zum Standort passen. Dazu gehören Blühstreifen auf mindestens zehn Prozent der Anlagenfläche, aber auch Steinhügel und Teiche, um Lebensraum für Eidechsen und Amphibien zu schaffen.
Urteile: PV contra Naturschutz
Sensible Flächen schonen
Die UBA-Experten sprechen sich gegen die Nutzung von trocken gelegten Moorböden für Solarparks aus. Einzige Ausnahmen sind hier sogenannte Moor-PV-Projekte, die eine Wiedervernässung der Moore voraussetzen und zum Klimaschutz beitragen. Der Bau von Solaranlagen auf bodenkundlich oder ökologisch wertvollen Flächen sollte verhindert werden. Zudem sollten die Projektierer für einen bodenschonenden und umweltverträglichen Aufbau, Betrieb und Rückbau der Module, Speicher, Zuleitungen und Zuwegungen sorgen müssen.
Das Positionspapier des UBA „Photovoltaik auf dem Acker?“ steht auf der Webseite der Behörde zum Download zur Verfügung.ext